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8.2 Die Soziodemographie freiwilliger Mitarbeiter

Insgesamt sendeten 951 Personen den Individualfragebogen zurück. 333 Befragte gehören solidarischen Organisationen an, 527 Personen zweckorientiert christlichen und 91 Personen zweckorientiert türkisch-islamischen Organisationen an. Um die Befragten nach hauptamtlichen[1] und freiwilligen Kräften einteilen zu können, wurde zunächst ausgewertet, in welchen Bereichen die Personen ange-ben, freiwillig, angestellt oder gar nicht tätig zu sein. Zusätzlich wurde danach gefragt, ob die Personen in einem anderen Verein als dem, in dem die Befragung durchgeführt wurde, tätig sind. Dabei ergaben sich folgende Gruppen (Tabelle 19). 30,5 % der Befragten sind ausschließlich hauptamtlich tätig, 40,0 % sind nur freiwillig tätig, 5,8 % sind hauptamtlich und freiwillig tätig. 6,5 % der Befragten sind sowohl hauptamtlich in dem Verein tätig, in welchem die Befragung durchgeführt wurde, als auch in einem anderen Verein freiwillig tätig. 16,1 % sind gleichzeitig in dem Verein, in dem die Befragung durchgeführt wurde, und in einem anderen Verein freiwillig tätig. 1,1 % sind freiwillig in dem Verein und hauptamtlich in einem anderen Verein tätig.

Tabelle 19: Auszählung hauptamtlicher und freiwilliger Mitarbeiter

%

N

Nur hauptamtlich

30,5

290

Nur freiwillig

40,0

380

Hauptamtlich und freiwillig im selben Verein

5,8

55

Hauptamtlich und freiwillig in anderem Verein

6,5

62

Nur freiwillig und freiwillig in anderem Verein

16,1

153

Nur freiwillig und hauptamtlich in anderem Verein

1,1

10

weder noch

0,1

1

Gesamt

100,0

951

Für die folgenden Auswertungen wurden die Personen zu den Freiwilligen gezählt, die angaben, mindestens in einem Bereich der befragten Vereine freiwillig oder ehrenamtlich zu arbeiten. Personen, die angaben, hauptamtlich in einem der vorliegenden Vereine und ausschließlich in einem anderen Verein freiwillig zu arbeiten, wurden zunächst[2] nicht zu den freiwilligen Personen gezählt, da keine weiteren Aussagen über deren Vereinszugehörigkeit getroffen werden können. Daraus ergibt sich, dass insgesamt 598 (62,9 %) Befragte freiwillig in einem der beobachteten Vereine tätig sind.

Tabelle 20 zeigt die Soziodemographie der Freiwilligen. Von ihnen sind 38,1 % männlich und 61,9 % weiblich. 9,4 % sind zwischen 15 und 25 Jahre alt, 9,0 % sind zwischen 36 und 26 Jahren, 13,2 % zwischen 36 und 45 Jahren,18,5 % zwischen 46 und 55 Jahren, 20,6 % zwischen 56 und 65 Jahren alt und 29,3 % sind älter als 66 Jahre. Es gibt also mehr Ältere unter den Freiwilligen als jüngere Personen. Der Median liegt bei x= 4 in der Altersklasse 46 bis 55 Jahre.

18,9 % der Freiwilligen haben ein bedarfsgewichtetes Haushaltseinkommen von weniger als 1000 € im Monat. 29,5 % der Freiwilligen liegen bei einem Haushaltseinkommen von 1000 € bis 1499 €, 20,2 % bei einem Einkommen von 1500 € bis 1999 €, 21,8 % bei 2000 € bis 2499 € und 9,6 % verdienen mehr als 2500 € im Monat. Der Median (x= 3) liegt in der Klasse 1500 € bis 1999 €.

Somit haben die Freiwilligen insgesamt ein Einkommen, das knapp unter dem

durchschnittlichen Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen der Bevölkerung im Jahr 2010 und 2011 liegt[3] (Statistisches Bundesamt 2013 2013c, S. 13).

Die Freiwilligen zeichnen sich weiterhin durch hohe Schulabschlüsse aus

(x= 3). Über die Hälfte der Freiwilligen hat Fachabitur oder Abitur (57,5 %), 27,4 % Real- und 13,9 % Hauptschulabschluss. 1,2 % geben an, keinen Schulab-

schluss zu haben. Damit haben die Freiwilligen etwas bessere Schulabschlüsse als die Bevölkerung (Statistisches Bundesamt 2013a, S. 77). Von den Freiwilligen sind die meisten nicht erwerbstätig. 40,7 % geben an, in Rente zu sein, 7,5 % sind Studenten, Schüler oder in Ausbildung, 7,4 % sind Hausfrau/ -mann und 4,3 % sind arbeitslos. 35,2 % gehen einer Erwerbsarbeit nach. Die meisten Freiwilligen sind ledig und leben weder mit Kindern noch einem Partner zusammen (37,1 %), dicht gefolgt von solchen, die mit ihrem Partner zusammenleben, ob verheiratet oder nicht (37,0 %). 21,3 % leben mit ihren Kindern und dem Partner zusammen, 4,6 % sind alleinerziehend.

43,0 % der Freiwilligen sind evangelisch. Die Konfessionslosen machen mit 25,9 % die zweitgrößte Gruppe aus, gefolgt von den Katholiken mit 14,9 % und den Muslimen und Aleviten mit 13,4 %. 2,8 % gehören anderen Glaubensgemein-schaften an. 68,8 % sind deutscher Herkunft ohne Migrationshintergrund. 6,1 % der Freiwilligen haben eine eigene Migrationserfahrung und gehören damit der sogenannten 1. Migrantengeneration an[4] (Bundesministerium des Innern und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2011, S. 154 ff.).

Tabelle 20: Soziodemographie freiwilliger Mitarbeiter

Merkmale

N

%

Merkmale

N

%

Geschlecht

Haushaltstyp

Männlich

243

38,1

Verheiratet/ Partner+Kindera

125

21,3

Weiblich

395

61,9

Verheiratet/ Partnera

217

37,0

Haushaltseinkommen in €

Alleinerziehend

27

4,6

999

108

18,9

Ledig

218

37,1

1000-1499

168

29,5

Verwitwet

0

0,0

1500-1999

115

20,2

Konfession

2000-2499

124

21,8

Konfessionslos

155

25,9

2500 +

55

9,6

Evangelisch

257

43,0

Bildungsabschluss

Katholisch

89

14,9

Keinen Abschluss

7

1,2

Islamisch/Alevitisch

80

13,4

Hauptschule

79

13,9

Andere

17

2,8

Realschule

156

27,4

Herkunftslandb

(Fach-)Abitur

327

57,5

Deutschland

396

76,0

Erwerbsstatus

EU

33

6,3

Arbeitslos

25

4,3

Türkei

71

13,6

Erwerbstätig

205

35,2

Anderes Land

21

4,0

Student, Schüler, in Ausbildung

44

7,5

Altersgruppen in Jahren

Rentner/ Pensionär

237

40,7

15-25

54

9,4

Hausfrau/Hausmann

43

7,4

26-35

52

9,0

Sonstiges

29

5,0

36-45

76

13,2

Migrationshintergrund

46-55

107

18,5

Keiner

396

68,8

56-65

119

20,6

1. Generation

35

6,1

66+

169

29,3

2. Generation

145

25,2

N (max.) = 598; a in einem Haushalt lebend; b Geburtsland des Befragten oder der Eltern, falls 2. Migrantengeneration.

25,2 % haben keine eigene Migrationserfahrung, haben aber mindestens ein Elternteil, das nach Deutschland eingewandert ist. Das letzte Merkmal, dass in Tabelle 20 abgetragen ist, ist das Herkunftsland. Es wurde nach dem Geburtsland oder dem Geburtsland der Eltern gefragt. 13,6 % haben einen türkischen Migrationshintergrund, sind also selbst aus der Türkei eingewandert oder eines ihrer Elternteile. 6,3 % haben einen EU-Migrationshintergrund und 4,0 % kommen aus einem anderen Land. 76,0 % der Freiwilligen sind, wie ihre Eltern, in Deutschland geboren. Da der Datensatz von freiwilligen und hauptamtlichen Mitarbeitern ausgefüllt wurde, können Vergleiche hinsichtlich der Sozidemographie der beiden Gruppen vorgenommen werden. Von den hauptamtlichen Mitarbeitern unterscheiden sich die Freiwilligen hinsichtlich ihrer Altersstruktur, da Personen auch noch im Rentenalter freiwillig tätig sein können (x² = 158,0/ CV = 0,42***) (Tabelle A 26). Dies zeigt sich entsprechend auch anhand der großen Unterschiede hinsichtlich der Erwerbstätigkeit (x² = 272,2/ CV = 0,54***).

Während fast 90,0 % der hauptamtlichen Mitarbeiter folgerichtig angeben erwerbstätig zu sein, sind es nur etwas mehr als ein Drittel der Freiwilligen. Zudem sind unter den Freiwilligen einige Arbeitslose (4,3 %) und Hausfrauen/ männer (7,4 %), was eine hauptamtliche Anstellung (0 % und 1,2 %[5]) ausschließen würde. Weiterhin befinden sich etwas mehr Personen mit Migrationshintergrund unter den Freiwilligen (x² = 14,6/ CV = 0,13**), was daran liegt, dass die befragten Migrantenvereine fast ausschließlich mit Freiwilligen arbeiten und nur äußerst wenige hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigen (können) (Kapitel 5.1). Die selektive Auswahl von türkisch-islamischen Migrantenvereinen ist weiterhin für die große Zahl von Muslimen unter den Freiwilligen verantwortlich. Während 13,8 % der Freiwilligen angaben, einer islamischen Glaubensgemeinschaft anzugehören, sind es unter den hauptamtlichen Mitarbeitern nur 3,0 %. Ferner sind weniger Konfessionslose unter den Freiwilligen (x² = 35,4/ CV = 0,20***) als unter den Personen, die ein Arbeitsverhältnis mit der einer der Organisationen haben. Unter den Hauptamtlichen sind weiterhin mehr Personen vertreten, die mit ihrem Partner und Kindern im Haushalt leben (26,2 %), weniger Paare ohne Kinder (30,0 %) und etwas mehr Alleinerziehende (8,5 %) (x² = 10,9/ CV = 0,11*) als unter den Freiwilligen. Hinsichtlich der Bildungsabschlüsse schneiden die hauptamtlichen Mitarbeiter weiterhin besser ab, als die Freiwilligen (x² = 29,4/ CV = 0,18***). Auch hier könnte der höhere Anteil der Personen mit besseren Bildungsabschlüssen mitunter an den Freiwilligen mit Migrationshintergrund liegen, die im Vergleich zu Deutschen ohne Migrationshintergrund niedrigere Bildungsabschlüsse haben[6] (Statistisches Bundesamt 2010b, S. 164 f.). Dies wird im Folgenden noch geprüft werden. Hinsichtlich des Einkommens unterscheiden sich hauptamtliche und freiwillige Mitarbeiter nur geringfügig (x² = 12,8/ CV = 0,12*). Freiwillige haben ein wenig höheres Einkommen als Hauptamtliche.

Im Vergleich zur Demographie Freiwilliger der im Forschungsstand vorgestellten repräsentativen Untersuchungen (Kapitel 5.1) zeigt sich, dass im vorliegenden Datensatz der Befragung „Ehrensache!“ Frauen deutlich überrepräsentiert sind. Ein Grund dafür ist, dass Frauen häufiger im sozialen Bereich tätig sind, Männer eher im Sportbereich (Düx et al. 2008, S. 37; Gaskin et al. 1996, S. 75; Klages und Gensicke 1998, S. 184 f.; Winkler 1988, S. 94). Letzterer ist in der vorliegenden Untersuchung deutlich unterrepräsentiert, da die Vorgehensweise, über die Wohlfahrts- und Migrantenvereine Befragte zu gewinnen, eher dazu geführt hat, dass die Fragebögen in sozialen und karitativen Einrichtungen verteilt wurden. Sportvereine unterstehen seltener gemeinnützigen Vereinen, da sie aufgrund von Mitgliedsbeiträgen und Entgelten sich selber besser finanzieren können als z.B. Initiativen, die Angebote für benachteiligte Kinder anbieten und aufgrund mangelnder Mitgliedsbeiträge von Leistungen der übergeordneten Vereine abhängig sind.

Die Altersstruktur der Freiwilligen ist mit jener der Befragten im Freiwilligensurvey 2004 zu vergleichen. In beiden Untersuchungen zeigt sich eine nahezu linear steigender Anteil Freiwilliger mit steigendem Alter (Tabelle 8 und Tabelle 20). Der in vielen Studien berichtete kurvilineare Zusammenhang kann nicht beobachtet werden, was an der ordinalskalierten Abfrage des Alters im vorliegenden Fragebogen und der Zusammenfassung aller Altersgruppen über 65 Jahre liegt. Eine vergleichbare Zusammensetzung zu repräsentativen Erhebungen lässt sich auch für die Verteilung der Haushaltstypen berichten. Die Anteile von Personen, die mit ihrem Partner zusammenleben, und Ledigen sind in der Stichprobe des Freiwilligensurveys ähnlich verteilt (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2010).

Im Vergleich zum Engagementatlas 2009 haben die Freiwilligen im vorliegenden Datensatz höhere Schulabschlüsse. Der erhöhte Anteil der Bessergebildeten unter Freiwilligen ist aber in beiden Studien zu finden. Insgesamt gilt auch für andere Erhebungen, dass Personen mit höherem sozioökonomischem Status, zu denen Personen mit höheren Schulabschlüssen häufig gehören, eher freiwillig arbeiten als andere. Das Einkommen weist in der vorliegenden Untersuchung eine kurvilineare Verteilung auf. Der Anteil der Erwerbstätigen ist in der vorliegenden Studie aber etwas kleiner als im Engagementatlas und im Freiwilligensurvey, der Anteil von Hausfrauen/ -männern zusammen mit Rentnern dagegen etwas höher. Personen mit Migrationshintergrund sind in der vorliegenden Be-fragung mit fast 30,0 % deutlich überrepräsentiert, was jedoch auch aufgrund der Fragestellung und der Auswahl von Migrantenvereinen gewünscht war. Im Freiwilligen-survey von 2004 haben knapp 5,0 % der Freiwilligen einen Migrationshintergrund.

Auch Personen, die einer Glaubensgemeinschaft angehören, sind überrepräsentiert. Während im Freiwilligensurvey von 2004 etwa zwei Drittel der Freiwilligen angaben, einer Glaubensgemeinschaft anzugehören, sind es in der Befragung „Ehrensache!“ drei Viertel. Wie in den meisten anderen Studien sind mehr Protestanten unter den Freiwilligen zu finden als Freiwillige anderer Konfessionen. Der Anteil der Katholiken ist mit 20,0 %[7] deutlich geringer als im Freiwilligensurvey von 2004 (42,3 %), der Anteil der Muslime mit 13,4 % deutlich höher. Nur 4,1 % der Befragten des Freiwilligensurveys 2004 gehören einer anderen als den christlichen Glaubensgemeinschaften an.

Obschon es sich bei der vorliegenden Befragung um keine repräsentative Zufallsstichprobe handelt, kann jedoch, wie anhand des Vergleichs mit den Ergebnissen der im Forschungsstand berichteten Ergebnisse repräsentativer Untersuchungen gezeigt wurde, mit Abstrichen durchaus auf Freiwillige verschiedener Konfessionen insgesamt geschlossen werden. Dennoch bleibt bei den vorliegenden Ergebnissen zu berücksichtigen, dass die Daten hinsichtlich Frauen, türkischer Migranten und Muslimen überrepräsentiert, hinsichtlich Katholiken und Erwerbstätigen dagegen unterrepräsentiert und was die höhere Bildung der Befragten angeht, positiv verzerrt ist. Da die folgenden Analysen Gruppenvergleiche von Freiwilligen solidarischer und zweckorientierter Organisationen unterschiedlicher Konfessionen unter Kontrolle der soziodemographischen Merkmale beinhalten, fallen die verzerrten Merkmale jedoch weniger stark ins Gewicht. Zudem gibt es keine offiziellen Daten über die Zusammensetzung der Soziodemographie der Freiwilligen der einzelnen Organisationen und nur selten Informationen darüber, in welchen Vereinen die Freiwilligen tätig sind und welchen Trägern diese unterstehen. Daher kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob die vorliegenden Daten die Grundgesamtheit der Freiwilligen unterschiedlicher Organisationtypen adäquat repräsentieren. Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist jedoch nicht, zu erklären, welche Merkmale zu freiwilliger Arbeit führen, sondern wie sich die Motivstrukturen bestimmter Gruppen darstellen und wie verschiedene Merkmale der Religiosität auf freiwillige Tätigkeit Einfluss nehmen und wie sich Freiwillige von hauptamtlichen Mitarbeitern unterscheiden. Aufgrund dessen wird der vorliegende Datensatz als für die Klärung der vorlie-genden Fragestellung angemessene Datenquelle angesehen und verwendet.

  • [1] Hauptamtlich bedeutet, dass die Personen eine Festanstellung in dem Verein haben
  • [2] Für die Auswertungen in Kapitel 8.8 wird diese Unterteilung angepasst
  • [3] 2010 lag das Haushaltsnettoeinkommen bei 2.922 €, 2011 bei 2.988€ (2013c, S. 13)
  • [4] Zu den Menschen mit Migrationshintergrund zählen „alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“ (Statistisches Bundesamt 2010b, S. 6, 370)
  • [5] Bei den 1,2 % handelt es sich um inkonsistente Angaben der Befragten
  • [6] Während im Jahr 2009 84,4 % der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund einen Schulabschluss haben, sind es nur 63,7 % der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (Statistisches Bundesamt 2010b, S. 164). Darüber hinaus haben sie häufiger niedrigere Bildungsabschlüsse (ebd.)
  • [7] Von allen Freiwilligen mit Konfession
 
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