Wirtschaftspolitische Perspektive

Von allen Aussagen, die wirtschaftspolitische Aspekte ansprechen, stammen zwei von Hauptschülern und zehn von Gymnasiasten. Vier Gymnasiasten thematisieren die gegenwärtige Wirtschaftskrise. Gym15 versteht unter Globalisierung, dass nicht nur „Länder wie in Afrika Hilfe benötigen, um zu überleben“, sondern „ebenso ärmere Länder wie Griechenland“. Neben der „Arbeitslosigkeit“ sieht er einen Aspekt der Globalisierung in der „Unfähigkeit des Staates, die Wirtschaftskrise zu händeln“. Gym98 sieht in der Globalisierung den „Grund für die Bankenkrise“. In der Folge gäbe es nun „noch mehr ärmere Länder (Griechenland, Zypern, Portugal)“. Gym32 meint, die Globalisierung habe damit zu tun, dass „die Politik und Wirtschaft in manchen Ländern ziemlich abstürzt“. Gym73 spricht das „finanzielle Versagen eines Staates“ an. Gym73 sieht als Lösung für das „finanzielle Versagen eines Staates“ die wirtschaftspolitische Maßnahme der „Aufhebung des Zolls“, wodurch der „Staat wieder Sachen billiger exportieren“ könne. Auch HS78 spricht an, dass „man kein Zoll zahlen muss“. Dies sei in „der EU […] vereinbart“. Er sieht es ebenfalls als positiv an, dass „man seine Ware […] überall im Land bzw. Welt verkaufen darf“. Er versteht unter Globalisierung, dass „nicht mehr die Länder die Märkte machen, sondern große Firmen wie VW“. Die EU wird im Hinblick auf die geäußerten wirtschaftspolitischen Vorstellungen neben dem Schüler HS78 in dem gesamten Sample nur ein weiteres Mal durch den Schüler Gym32 benannt.

Insgesamt betrachten sieben Schüler die Ausweitung des internationalen Handels als ein erstrebenswertes politisches Ziel. Gym81 konstatiert beispielsweise, dass sie unter Globalisierung „ähnliche Wirtschaft/Politik in jedem Land – Verbesserung des Handels über die Welt“ versteht. Dies würde eine „bessere Marktwirtschaft“ zur Folge haben. Gym76 sieht in der Ausweitung des internationalen Handels und der Eröffnung von Filialen deutscher Firmen im Ausland insbesondere deswegen einen Vorteil, weil es, „wenn es z. B. ein deutsches Unternehmen[,] ist mehr Steuern für den Staat“ abwerfe. Gym75 sieht hierin neben der Ausweitung des Handels vor allem deswegen einen Vorteil, weil die „Herstellung“ in ein

„geeigneteres Land (niedrige Preise etc.)“ verlegt werden kann. Dies sei „gut“, weil es so „mehr Umsatz für Firmen“ gäbe, was dazu führe, „dass es billiger für die Käufer ist [Pfeilverweis] niedrige Preise“. Diesem Argument widersprechen Gym108 und HS98 explizit. Gym108 sieht zwar ebenfalls einen Vorteil darin, dass es „niedrige Kosten von Waren gäbe“, da „die Produktionskosten niedrig sind“. Einen Nachteil sieht sie jedoch in der „Ausnutzung der Arbeitsplätze“. „Viele“ würden denken: „Warum die Waren in Deutschland herstellen, wenn es auch andere Arbeitsplätze dafür gibt, wo ich weniger zahlen muss“. Gym82 sieht die Ausweitung des internationalen Handels ebenfalls nicht nur positiv und findet, durch die Globalisierung, also „offenen Handel […] weltweit“, würden „einige Länder mehr als andere“ profitieren. Sie fordert, es solle „mehr national gehandelt werden“.

 
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