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8.4 Freiwillige Mitarbeiter unterschiedlicher Organisationsformen

Für die folgenden Auswertungen wurden die Freiwilligen in drei Gruppen unterteilt: Freiwillige solidarischer, zweckorientiert christlicher und zweckorientiert türkisch-islamischer Organisationen. Die Zuordnung zu den Organisationsformen ergibt sich aus den Barcodes, mit denen die Fragebögen markiert wurden (Kapitel 7). Zu den Freiwilligen solidarischer Organisationen wurden die Personen gezählt, deren Fragebögen mit Barcodes der nicht religiös orientierten Wohlfahrtsvereine ausgezeichnet waren. Zu ihnen zählen der ASB Köln, AWO Hamburg und Köln, der Paritätische Hamburg und Köln. 176 Freiwillige und damit 29,4 % gehören folglich solidarischen Organisationen an (Tabelle A 29). Zu zweckorientierten Organisationen mit christlichem Hintergrund gehören die Caritas, die Diakonie und die Heilsarmee jeweils in Köln und Hamburg. Insgesamt zählen 337 Freiwillige (56,4 %) zu diesen Organisationen. Zu den zweckorientierten türkisch-islamischen Organisationen gehören die AABF in Köln und Hamburg, die ATIB und die DiITiB in Köln und die IGMG in Hamburg und Köln. Insgesamt können 85 Freiwillige (14,2 %) zu diesen Organisationen gezählt werden.

Die Freiwilligen der verschiedenen Organisationen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Soziodemographie. Tabelle 26 führt die Merkmale der Freiwilligen unterteilt nach Organisationsform auf. Während in den solidarischen und zweckorientiert christlichen Vereinen Frauen etwas überrepräsentiert sind, unterscheiden sich die Anteile von Männern und Frauen in den zweckorientiert türkisch-islamischen Vereinen nicht signifikant. Die Altersstruktur der Freiwilligen zwischen solchen, die in solidarischen (x= 4,4), und solchen, die in christlichen (x-=4,5) Organisationen arbeiten, unterscheidet sich dagegen kaum, während zu den Freiwilligen türkisch-islamischer (x= 2,5) Organisationen deutliche Unter- schiede zu erkennen sind (x²=103,2/ CV = 0,30***).

In den beiden erstgenannten Organisationsformen sind vor allem ältere Freiwillige engagiert, dagegen arbeiten in den türkisch-islamischen Vereinen eher jüngere Freiwillige. Personen im Alter über 55 Jahren sind dort nur noch marginal vertreten. Auch in der Einkommensverteilung sind sich die Freiwilligen soli-darischer (x= 2,8) und christlicher (x= 2,8) Organisationen ähnlicher als denjenigen, die in türkisch-islamischen (x= 2,4) Einrichtungen arbeiten. Letztere verdienen im Mittel etwas weniger als andere Freiwillige. Das einzige Merkmal, das zwischen den Freiwilligen keine Unterschiede zeigt, ist der Bildungsabschluss. Dies liegt nicht zuletzt an der Berücksichtigung der Schulabschlüsse, die in Deutschland und in der Türkei erworben wurden. 38 der insgesamt 85 Freiwilligen türkisch-islamischer Organisationen haben einen Schulabschluss in der Türkei erworben, davon mehr als ein Drittel das türkische Abitur (Lise). Unter den Freiwilligen türkisch-islamischer Organisationen sind etwas häufiger Schüler, Studenten oder solche, die in einer Ausbildung sind (16,0 %), sowie Erwerbstätige (50,6 %) vertreten. Dies ist der Altersstruktur der Mitarbeiter der türkisch-islamischen Vereine geschuldet. Die solidarischen (45,6 %) und zweckorientierten (47,4 %) Vereine dagegen integrieren viele Rentner.

Während über 70 Prozent der Freiwilligen solidarischer und zweckorientiert christlicher Vereine keinen Migrationshintergrund haben, sind die meisten Freiwilligen zweckorientiert türkisch-islamischer Vereine Migranten der ersten oder zweiten Generation. 25,9 % von ihnen zählen zur ersten, 55,6 % zur zweiten Einwanderergeneration. Sie stammen alle aus der Türkei. Die Freiwilligen mit Migrationshintergrund der anderen Organisationsformen haben vielfältige Hintergründe, die meisten stammen aber aus dem europäischen Ausland.

Die Verteilung der Haushaltstypen unterscheidet sich zwischen den Freiwilligen solidarischer und zweckorientiert christlicher Organisationen ebenfalls nicht. Unter den Freiwilligen islamischer Einrichtungen sind weniger Personen ledig (29,3 %), mehr verheiratet oder leben mit dem Partner und ihren Kindern zusammen (52,4 %) als unter den beiden anderen Organisationsformen. Dies war aufgrund des jüngeren Alters der Freiwilligen zunächst nicht zu erwarten. Doch unter Personen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland ist das Heiratsalter niedriger und auch werden diese früher und häufiger Eltern als Deutsche ohne Migrationshintergrund[1].

Die größten Unterschiede sind hinsichtlich der Zugehörigkeit zu Glaubensgemeinschaften zu verzeichnen (x² = 642,4/ CV = 0,75***). Während die Hälfte der Freiwilligen, die in solidarischen Einrichtungen arbeiten, konfessionslos (50,9 %) sind, sind unter den Freiwilligen zweckorientiert christlicher (14,8 %) und türkisch-islamischer (2,5 %) Einrichtungen nur wenige, die sich keiner Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlen. Fast alle Freiwillige türkischislamischer Einrichtungen sind Muslime (97,5 %).

Tabelle 25: Soziodemographie Freiwilliger unterschiedlicher Organisationsformen

a in einem Haushalt lebend; b Geburtsland des Befragten oder der Eltern, falls 2. Migrantengeneration. Solidarisch N (max.) = 176, zweckorientiert christlich N (max.) = 337, zweckorientiert türkischislamisch N (max.) = 85.

Aufgrund der großen Rückläuferquote aus den diakonischen Einrichtungen sind die Protestanten (61,9 %) unter den zweckorientiert christlichen Einrichtungen überrepräsentiert. Interessant ist, im vorliegenden Forschungsstand aber durchaus nachzuzeichnen (Kapitel 5.2), dass auch in den solidarischen Einrichtungen sich die Hälfte der Freiwilligen einer Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlt. Unter den Freiwilligen solidarischer Einrichtungen sind Protestanten etwa doppelt so oft vertreten (31,1 %), wie katholische Freiwillige (16,2 %). Zusammengefasst unterscheiden sich die Freiwilligen der drei Organisationstypen deutlich in ihrer Sozialstruktur. Unterschiede zeigen sich vornehmlich in der Altersstruktur, dem Haushaltseinkommen, dem Haushaltstyp, dem Migrationshintergrund, dem Erwerbsstatus und der Konfessionszugehörigkeit. Freiwillige solidarischer Einrichtungen zählen zu den älteren Freiwilligen mit besseren Haushaltseinkommen, haben zumeist einen Partner aber seltener Kinder, haben keinen Migrationshintergrund, sind erwerbstätig oder bereits in Rente und gehören häufig keiner Glaubemsgemeinschaft an. Freiwillige zweckorientiert christlicher Einrichtungen zählen ebenfalls zu den älteren Personen mit höheren Haushaltseinkommen, sind ebenfalls häufiger ledig, verheiratet oder haben einen Partner, sind noch häufiger pensioniert oder verrentet als Freiwillige solidarischer Vereine, haben nur in Ausnahmefällen einen Migrationshintergrund und gehören der evangelischen Kirche an.

Freiwillige zweckorientiert türkisch-islamischer Vereine gehören zu den jüngeren Personen, haben ein etwas niedrigeres Haushaltseinkommen, sind selten ledig, dafür häufiger verheiratet, haben Kinder im Haushalt und sind erwerbstätig. Fast alle haben einen Migrationshintergrund und gehören islamischen oder alevitischen Glaubens-gemeinschaften an. Im Folgenden werden die Tätigkeitsbereiche, die Zielgruppen und der Umfang der freiwilligen Arbeit für die drei Gruppen betrachtet.

  • [1] Mit Daten des Mikrozensus wurden folgende Altersunterschiede gefunden: Das Heiratsalter männlicher türkischer Migranten liegt bei durchschnittlich 24 Jahren ungeachtet der Nationalität der Partnerin, das von deutschen Männern mit deutscher Partnerin bei 25 Jahren (Schroedter 2013, S. 205; Hurrelmann 2008, S. 223). Bei weiblichen türkischen Migranten, ungeachtet der Nationalität des Partners, liegt das Heiratsalter durchschnittlich bei knapp 22 Jahren, bei deutschen Frauen mit deutschem Partner bei 23 Jahren (Schroedter 2013, S. 211)
 
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