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8.7 Einflüsse auf die Motive freiwilliger Mitarbeiter

Die deskriptiven Analysen des Kapitels 8.6.5 zeigen, dass sich die Freiwilligen, je nachdem, welchem Motivcluster sie angehören, in ihrer Soziodemographie unterscheiden. Freiwillige unterschiedlichen Alters, Haushaltstyps, Herkunftslands und Erwerbsstatus zeigen signifikant unterschiedliche Motive (Tabelle 42). Um zu überprüfen, welchen Einfluss die in Kapitel 6.4 dargestellten Kapitalsorten auf die Motivstruktur haben, gemessen durch die Zugehörigkeit zu den vier Clustern, werden zunächst die bivariaten Zusammenhänge der Prädiktoren der Kapitalsorten und der Clusterzugehörigkeit betrachtet.

8.7.1 Kulturelles Kapital

Für die Freiwilligen der solidarischen und zweckorientiert christlichen Organisationen wurden folgende Merkmale des kulturellen Kapitals abgefragt: Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft, Häufigkeit des Gottesdienstbesuchs, Bethäufigkeit, Verbundenheit mit der Glaubensgemeinschaft, selbsteingeschätzte Religiosität, Werteinstellungen und Merkmale der Integration für Freiwillige mit Migrationshintergrund. Diese Merkmale sind die Verwendung der deutschen Sprache und die Skala der Integrationsbzw. Marginalisierungsgefühle nach Mammey (2002, S. 108). Weiterhin wurden religionsspezifische Merkmale für Personen abgefragt, die sich islamischen, alevitischen und christlichen Glaubensgemeinschaften zugehörig fühlen. Die deskriptiven Ergebnisse werden im Folgenden dargestellt.

8.7.1.1 Merkmale der Integration

Die Befragten mit Migrationshintergrund beantworteten verschiedene Fragen zum Thema Integration. Sie wurden gefragt, in welcher Sprache sie sich meistens zu Hause und mit ihren Freunden unterhalten, welche Sprache im Elternhaus überwiegend gesprochen wurde, in welcher Sprache sie Zeitungen und Zeitschriften lesen und welches Fernsehprogramm sie schauen (Tabelle A 41, Tabelle A 42). Nur die gesprochene Sprache im Elternhaus zeigt signifikante Unterschiede in den Motivclustern (Tabelle 44). Der durchschnittliche Anteil der Befragten mit Migrationshintergrund der ersten und zweiten Generation, die in ihrem Elternhaus deutsch sprechen, liegt bei 57,2 %. Während die Freiwilligen mit Migrationshintergrund, die durch selbstzentriert-hedonistische und Selbstwert- und Kompensationsmotive motiviert sind, häufiger als der Durchschnitt im Elternhaus deutsch sprechen, sprechen die sozial-religiös Motivierten am seltensten im Elternhaus deutsch. Nur knapp ein Drittel gibt an, dass Deutsch die bevorzugte Sprache ist.

Tabelle 44: Sprachgebrauch im Elternhaus der Personen mit Migrationshintergrund in den vier Motivclustern, in %

Sprache im Elternhaus …

Pseudoaltruistisch

Sozial-religiös

Selbstzentrierthedonistisch

Selbstwert u. Kompensation

Deutsch

58,7

31,3

68,8

68,6

Türkisch

13,0

43,8

9,4

17,1

andere Sprache

28,3

25,0

21,9

14,3

Deutsch und Türkisch

0,0

0,0

0,0

0,0

N

46

32

32

35

x² = 19,2**/ CV = 0,26**.

Darüber hinaus wurden Fragen dazu gestellt, wie sich die Befragten mit Migrationshintergrund in Deutschland fühlen, um auf die Integration dieser Personen schließen zu können (Tabelle A 43). Es zeigt sich jedoch, dass sich nur ein Item der Integrationsskala signifikant nach den Motivgruppen unterscheidet, und zwar die Aussage „Ich fühle mich manchmal hin- und hergerissen zwischen Deutschland und dem Herkunftsland meiner Eltern“. Während dieser Aussage nur 18,8 % der pseudo-altruistisch und 26,9 % der selbstzentriert-hedonistisch motivierten Freiwilligen mit Migrations-hintergrund zustimmen, bejahen 65,2 % der sozial-religiös motivierten Freiwilligen, sich zwischen dem Herkunftsland ihrer Eltern und Deutschland manchmal hin- und hergerissen zu fühlen. Unter den Freiwilligen mit Selbstwert- und Kompensationsmotiven stimmen dieser Aussage immerhin noch 40,0 % zu.

Die Ergebnisse der Varianzanalysen der Integrationsskala zeigen daher wenig überraschend keine signifikanten Unterschiede in den Clustern (Tabelle 46). Aufgrund der geringen Unterschiede der Merkmale der Integration in den Motivclustern und der geringen Fallzahlen hat sich die Autorin der vorliegenden Arbeit dafür entschieden, auf die Aufnahme der Merkmale in die multivariate Auswertung zu verzichten.

Tabelle 45: Items der Integrationsskala unterteilt nach den Motivclustern, in %

Nur Antwort „trifft zu“ gezeigt. *Ausschließlich „Hin- und hergerissen“ signifikant (x² = 13,8/ CV = 0,38** ).

Tabelle 46: Mittelwertvergleich zur Integration nach den Motivclustern

Cluster

Integration

Pseudo-altruistisches Cluster

-0,28

Sozial-religiöses Cluster

0,39

Selbstzentriert-hedonistisches Cluster

-0,03

Selbstwert- und Kompensationscluster

0,00

Gesamt

-0,02

F-Test

1,6 n.s.

0,06

N

76

 
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