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8.7.2.1 Multivariate Analyse des Einflusses sozialen Kapitals auf die Motivstruktur

Das erste Modell der multinomialen logistischen Regression zum Einfluss des sozialen Kapitals auf die Zugehörigkeit zu einem der vier Motivcluster integriert alle Merkmale des Sozialkapitals, die im vorangegangenen Kapitel 8.7.2 als relevante Unterscheidungskriterien für die Motivcluster ausgemacht werden konnten: Anzahl der Freunde, das Vorhandensein von Kindern, die Anteile von erwerbstätigen und nicht-deutschen Freunden sowie Freunden mit Abitur (Tabelle A 52). Weiterhin wird die Anzahl der genannten engen Freunde kontrolliert, da Merkmale mit Anteilswerten auf unterschiedlichen Zahlen basierenden. Die Modellanpassung ist mit einem Likelihood-Ratio-Test von x² = 34,9*** akzeptabel, die aufgeklärte Varianz beträgt R² = 0,09 und ist damit gering. Die Devianz ist aber nicht signifikant und das Modell somit akzeptabel.

Es zeigt sich, dass der Anteil enger Freunde mit Abitur (b = 1,16**) signifikant die Wahrscheinlichkeit steigert, sozial-religiöse Motive zu haben, aber auch Selbstwert- und Kompensationsmotive (b = 0,87*). Entsprechend verringern enge Freunde mit Abitur die Wahrscheinlichkeit, pseudo-altruistische Motive zu haben. Auch der Anteil der Freunde ohne deutsche Herkunft (b = 1,47*) steigert signifikant die Wahrscheinlichkeit sozial-religiöser Motive. Die Anzahl der Freunde zeigt nur im Vergleich von selbstzentriert-hedonistischen und pseudoaltruistischen Motiven einen Effekt. Mit der steigenden Anzahl von Freunden steigt auch signifikant die Wahrscheinlichkeit, selbstzentrierte und hedonistische Motive zu haben (b = 0,02*). Kinder im Haushalt zeigen keine signifikanten Effekte auf die Zugehörigkeit zu einem der Motivcluster.

Das Gesamtmodell integriert soziodemographische Merkmale sowie alle Merkmale des sozialen Kapitals (Tabelle A 52). Der Likelihood-Quotient-Test zeigt jedoch, dass nicht alle Merkmale ausreichend zur Trennung der vier Motivcluster beitragen (Tabelle A 53). Daher wurden die Merkmale Geschlecht, Migrationshintergrund, Anzahl der Freunde, Kinder im Haushalt sowie Anteil erwerbstätiger Freunde aus der Analyse ausgeschlossen. Das optimale Modell ist in Tabelle 56 abgetragen. Die aufgeklärte Varianz liegt bei R² = 0,14, die Modellanpassung ist als gut zu bezeichnen (x² = 58,0***) und die Devianz ist weiterhin nicht signifikant. Die Klassifikationsmatrix zeigt bei einem Schwellenwert von 39,0 %, dass es sich um eine überzufällige Klassifikation mit 44,9 % handelt (Tabelle A 54).

Tabelle 56: Multinomiale logistische Regression der Zugehörigkeit zu einem der vier Motivcluster und der Einfluss sozialen Kapitals, optimales Modell

Sowohl der Anteil der Freunde mit Abitur (b = 1,01*) als auch der Anteil der Freunde nicht-deutscher Herkunft (b = 1,50**) steigert, unter Kontrolle der soziodemographischen Merkmale Alter und Erwerbstätigkeit, signifikant die Wahrscheinlichkeit, sozial-religiös motiviert zu sein.

Student, arbeitslos oder anderes zu sein, steigert dagegen die Wahrscheinlichkeit signifikant (b = 1,07*) dem selbstzentriert-hedonistischen Cluster anzugehören, während diese Kategorie die Wahrscheinlichkeit der Referenzkategorie entsprechend senkt. Rentner sowie Hausfrauen und Hausmänner dagegen sind seltener selbstzentriert-hedonistisch motiviert. Im Vergleich zum pseudoaltruistischen Cluster steigert der Anteil der Freunde mit Abitur (b = 1,00*) und jener nicht-deutscher Herkunft (b = 1,57*) die Wahrscheinlichkeit, Motive des Selbstwert- und Kompensationsclusters zu haben.

Insgesamt zeigt sich, dass die Merkmale des sozialen Netzwerks nur auf die pseudo-altruistischen und sozial-religiösen Motive sowie auf Selbstwert- und Kompensationsmotive Einfluss nehmen. Für die Freiwilligen mit selbstzentrierthedonistischen Motiven können keine Effekte der Zusammensetzung des Sozialkapitals festgestellt werden. Ausschließlich die Netzwerke von Freiwilligen mit pseudo-altruistischen Motiven unterscheiden sich von solchen mit sozialreligiösen und selbstwert-kompensatorischen Motiven. Freiwillige, die mehr Freunde nicht-deutscher Herkunft und solche mit Abitur unter ihren fünf engsten Sozialkontakten haben, haben ein geringeres Risiko, pseudo-altruistisch motiviert zu sein als sozial-religiös und selbstwert-kompensatorisch.

 
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