Das Aufkommen der Mikroelektronik und die Abkehr von der Leitkabelkonzeption

Während im Kino das Unheimliche der Selbstbewegung beschworen wurde, begann die industrielle Forschung sich vom Konzept automatischer Highways zu entfernen. Die Lücke zwischen technischer und ökonomischer Machbarkeit sei zu groß gewesen, erklärt einer der beteiligten Ingenieure heute (vgl. [42], S. 10). Zudem musste sich die Automobilindustrie auf strengere Umweltauflagen und Sicherheitsanforderungen einstellen. Dies erforderte umfangreiche Investitionen.

Der Trend ging hin zur Forschung an autonomen Einzelfahrzeugen, die nicht auf eine Infrastruktur wie Leitkabel angewiesen sind. Vor allem Japan und die USA machten große Fortschritte bei dem Versuch, dem Auto das Sehen beizubringen: Das Team von Sadayuki Tsugawa vom Mechanical Engineering Laboratory im japanischen Tsukuba stellte 1977 das erste autonome Fahrzeug vor, das über zwei Kameras Bilder der Straße aufnehmen und verarbeiten konnte. Hans Moravec vom Artificial Intelligence Lab der US-amerikanischen Stanford University forschte von 1973 bis 1981 an Roboter-Navigation und nutzte dafür das Stanford Cart, ein schon 1960 konstruiertes Experimentalfahrzeug mit vier Fahrradreifen, das es im Oktober 1979 schaffte, sich mithilfe einer Fernsehkamera fünf Stunden lang ohne menschlichen Eingriff durch einen Raum mit Hindernissen zu bewegen.

Das Aufkommen der Mikroelektronik führte außerdem zu einer zunehmenden Elektronifizierung der Fahrzeugtechnik (Einspritzung, Zündung) bis hin zur Einführung der ersten Bordcomputer (Check Control) im 7er BMW (E23). Mit der Vorstellung des ABS im Jahr 1978 begann die Ära aktiver Fahrerassistenzsysteme, die direkt in das Fahrgeschehen eingreifen.

Knight Rider und die Bordelektronik

Diese technischen Entwicklungen beeinflussten auch die Kulturproduktion. Das Kino kehrte der animistischen Diabolisierung des fahrerlosen Autos den Rücken und begann sich für die Bordelektronik zu interessieren.

Ein sprechendes Auto mit dem Namen KITT (Knight Industries Two Thousand) wurde zum Hauptdarsteller der Fernsehserie Knight Rider (1982–1986). Der schwarze Pontiac Firebird Trans Am mit der roten Lichterkette im Kühlergrill konnte sowohl manuell gesteuert werden (Norm-Modus) als auch automatisch fahren (Auto-Modus). Der Fahrroboter unterstützte den ehemaligen Polizisten Michael Knight bei der Verbrecherjagd.

KITT ist also ein Vollautomat mit Verfügbarkeitsfahrer (s. Kap. 2). Ein Teil seiner Schaltkreise sei an der Stanford-University entwickelt worden, berichtet KITT in Anspielung auf die Entwicklung des fahrerlosen Stanford Cart (Knight Rider, Season one, Episode Just my bill – 24:49).

Knight Rider bringt die anthropomorphen Dimensionen der Herbie-Reihe auf den Stand der Informationsgesellschaft. Im Mittelpunkt der Serie steht der Dialog, die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Michael Knight kann KITT über seine Armbanduhr (ComLink) herbeirufen.[1] Diese Bilder träumen nicht nur vom autonomen Fahren, sondern von einem Auto, mit dem man sprechen kann, einem Auto, das antwortet. Michael nennt KITT immer wieder pal (eng.) – Kumpel. Die Maschine ist ein Partner des Menschen: Auch bei manueller Steuerung – mit einem Gullwing Lenkrad – gibt sie Ratschläge. Die Sprache als Mensch-Maschine-Schnittstelle funktioniert hier reibungslos, im Gegensatz zu ihrer Problematisierung im Film der 1990er-Jahre.

Auch Knight Rider bespielt die historisch bekannte Achse aus Wunderbarem und Unheimlichem. Im Rückgriff auf den Bildervorrat des Horrorfilms der 1970er-Jahre liefert sich KITT ein Duell mit seinem bösartigen automobilen Ebenbild KARR, einem Fahrzeug, das auf Selbsterhaltung programmiert ist.

Aber auch in dem normalerweise nicht eigenständig agierenden KITT lauert das Potenzial einer Rebellion gegen den Fahrer. Erstens kann er ihn in Ausnahmefällen überstimmen, etwa wenn dieser sich durch sein Fahrverhalten selbst gefährdet: „Ich kann nicht zulassen, dass Sie Ihr Leben in Gefahr bringen. Ich übernehme die Kontrolle.“ (Knight Rider, Season one, Episode Trust doesn't trust, 41:53). Hier zeigt sich, dass der um Autonomie kämpfende Computer HAL 9000 aus Stanley Kubricks Film 2001: Odyssee im Weltraum (1968) der Konzeption von KITT als Vorbild diente ([15], S. 2).

Zweitens wird auch die Möglichkeit der Umprogrammierung des Fahrzeugs durch Dritte angesprochen, was dann zu einer Bedrohung für seinen Besitzer wird. Diese Variante des Kontrollverlusts taucht auch in den aktuellen Debatten um mögliche Hackerangriffe auf autonome Fahrzeuge auf.

  • [1] Knight Rider soll von einem computerunterstützten Fahrzeug der Serie B.J. and the Bear (1979), Episode Cains Cruiser, inspiriert worden sein ([15], S. 1)
 
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