Neue Mobilitätskonzepte und autonomes Fahren: Potenziale der Veränderung

Einleitung

Verkehr ist Ausdruck der Befriedigung von Mobilitätsbedürfnissen mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln – im Alltagsverkehr sind Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad, den Verkehrsmitteln des öffentlichen Verkehrs oder dem Pkw unterwegs. Dabei werden zwei große Gruppen unterschieden: Personen mit einer ausgeprägten Präferenz für die Nutzung des privaten Pkw einerseits und Personen mit einer Vorliebe für den sogenannten „Umweltverbund“, d. h. für die Kombination aus öffentlichem Personenverkehr (ÖPV), Fahrrad- und Fußwegen, andererseits [1]. Zusätzlich bildet sich seit einigen Jahren die Gruppe der „Multimodalen“ heraus, die nicht mehr auf ein spezifisches Verkehrsmittel oder einen bestimmten Verkehrsmittelmix ausgerichtet sind, sondern in ihrem persönlichen Repertoire der Verkehrsmittelnutzung eine große Bandbreite aufweisen [1, 2]. Dieser allmähliche Verhaltenswandel fällt mit der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte zusammen, die zum einen Weiterentwicklungen des klassischen Carsharing darstellen [3], zum anderen etablierte Mitfahrgelegenheiten um neue Formen ergänzen. Zu den bereits realisierten neuartigen Konzepten gehören flexible Carsharing-Flotten wie die von Car2Go, DriveNow oder Multicity, die als Mobilitätsdienstleistungen in Großstädten in Deutschland, aber auch in zahlreichen Städten Europas und der USA zur Verfügung stehen. Parallel dazu entwickeln sich sogenannte Peer-to-Peer-Angebote, in denen private Fahrzeugbesitzer über eine Internet-Plattform ihr Fahrzeug für eine Mitglieder-Community bereitstellen. Auf Internetplattformen wie Mitfahrzentrale oder Zimride bieten Privatpersonen Mitfahrgelegenheiten auf Strecken und zu Zeiten an, auf bzw. zu denen sie selbst ohnehin unterwegs sind. Zusätzlich etablieren sich derzeit auch mehr und mehr Angebote, wie z. B. Uber oder Lyft, bei denen die Unterscheidung zwischen (semi-)professioneller Personenbeförderung, vergleichbar mit einer Taxidienstleistung, und „klassischer“ Mitfahrgelegenheit nicht immer einfach ist. Die neuen Formen von Carsharing und Mitfahrdiensten entstehen vor allem in den großen Städten und Metropolregionen der Industrieländer.

Das Neue und gleichzeitig auch das Besondere an solchen neuen Mobilitätskonzepten besteht in dem hohen Maß an Flexibilität, das diese Konzepte den Nutzern bieten. Fahrzeuge des flexiblen Carsharing sind ohne Vorplanung zu einem beliebigen Zeitpunkt und für eine beliebige Dauer verfügbar. Ähnlich flexibel sind die neuen Mitfahrdienste, sie gleichen dabei allerdings dem konventionellen Taxi. Eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung aller neuen Mobilitätskonzepte sind die Möglichkeiten, die heute hinsichtlich der Vernetzung von Fahrzeugen, Nutzern und Betreibern mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien vorhanden sind. Dadurch wird ein grundsätzlich einfacher und schneller Zugriff auf Fahrzeuge oder Dienste mittels Internet oder SmartphoneApp überhaupt erst möglich. Dennoch bleibt grundsätzlich der Zugang im Sinne der physischen Distanz zwischen dem Standort des Nutzers und dem des Fahrzeugs als Nutzungshürde bestehen, insbesondere in Gebieten, in denen die Fahrzeugdichte nicht sehr hoch ist.

Mit der Einführung von autonomen Fahrzeugen erscheint es möglich, die bestehenden Konzepte deutlich zu erweitern und auszudifferenzieren: Der Zugriff auf und Zugang zum Fahrzeug verändern sich, indem nicht mehr der Nutzer zum Fahrzeug, sondern das Fahrzeug zum Nutzer kommt; die Fahrzeuge selbst werden für einen erweiterten Personenkreis wie z. B. mobilitätseingeschränkte Menschen nutzbar; neue Formen von öffentlichem Verkehr sind denkbar, auch im Sinne einer weiteren Aufweichung der Grenzen zwischen Individualverkehr und öffentlichem Verkehr.

Der vorliegende Beitrag hat das Ziel, diese Optionen und die damit verbundenen Erwartungen vorzustellen. Dabei konzentrieren sich die Ausführungen und die Diskussion auf das Carsharing. In einem ersten Schritt wird der derzeitige Stand von Angebot und Nutzung der sogenannten „Neuen Mobilitätskonzepte“, bei denen das Carsharing den Kern bildet, dargestellt. Den Hauptteil des Beitrags bildet die Diskussion zu den Chancen und Herausforderungen, die sich durch die Einführung von autonom fahrenden Fahrzeugen in Carsharing-Flotten ergeben würden. Derzeit gibt es eine Reihe von Anzeichen dafür, dass Spontaneität und Flexibilität eine besonders hohe Bedeutung für die Nutzung der neuen Mobilitätskonzepte haben könnten (vgl. [11, 13]). Genau an dieser Stelle, nämlich der Erhöhung von Spontaneität und Flexibilität, könnten neue Mobilitätskonzepte mit autonomen Fahrzeugen ansetzen. Entsprechende Überlegungen sind bei Betreibern von flexiblen Carsharing-Flotten bereits im Entstehen [4].

 
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