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9.2.2 Flexibles (One Way) Carsharing

In den vergangenen Jahren sind neue Formen von Carsharing entstanden. Als neuen Typ des gewerblichen Carsharing gibt es inzwischen vor allem in Deutschland, aber auch in Großbritannien und den USA, das sogenannte „flexible“ Carsharing, dessen Flexibilität hauptsächlich darin besteht, dass keine vorherige Vereinbarung mit dem Betreiber über Zeitpunkt und Dauer der Nutzung getroffen und das Fahrzeug nicht an einem bestimmten Ort abgeholt und dorthin zurückgebracht werden muss. Vielmehr nehmen die Nutzer das Fahrzeug dort auf, wo sie es antreffen, und geben es an beliebiger Stelle innerhalb des vom Betreiber definierten Geschäftsgebietes ab. Die Informationen über den Standort ausleihbarer Fahrzeuge erhalten die Nutzer aus dem Internet oder über eine Smartphone-App; grundsätzlich kann das Fahrzeug auch en passant ausgeliehen werden, d. h., man leiht ein an der Straße geparktes, nicht reserviertes Fahrzeug aus. Auch hier ist die Registrierung beim Betreiber der Flotte Voraussetzung für die Nutzung des Fahrzeugs, die per Chipkarte oder neuerdings direkt über das Smartphone initiiert wird.

Das weltweit führende Unternehmen im flexiblen Carsharing ist Car2Go mit mehr als

10.000 Fahrzeugen in 27 Städten in Europa und Nordamerika (Stand August 2014). In Deutschland verfügen die Anbieter des flexiblen Carsharing über eine Flotte von insgesamt etwa 6250 Fahrzeugen [5], die allerdings fast ausschließlich in großen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern, so beispielsweise in Berlin, Hamburg oder München, angeboten werden. Dabei umfassen die Geschäftsgebiete nicht das gesamte städtische Territorium, sondern sind auf Teile davon beschränkt, hauptsächlich auf das Innenstadtgebiet sowie angrenzende Gebiete und „Inselgebiete“, in denen eine hohe Nutzungsfrequenz gegeben ist. Neben einer einmaligen Anmeldegebühr fallen keine weiteren regelmäßigen Kosten an. Die Nutzung der Fahrzeuge wird über einen zeitabhängigen Nutzungstarif, meist pro Minute, berechnet. Kosten für den Treibstoff sind wie beim stationsbasierten Carsharing in den Tarifen enthalten; darüber hinaus enthält die Nutzungsgebühr die Parkkosten, die üblicherweise als Pauschale direkt zwischen Anbieter und Kommune vereinbart sind.

Flexibles Carsharing startete als Pilotprojekt von Car2Go, einem Unternehmen des Daimler-Konzerns, im Jahr 2009 in Ulm (Baden-Württemberg, Deutschland). Weitere relevante Anbieter sind inzwischen das seit 2011 aktive DriveNow, ein Unternehmen von BMW und der Sixt-Autovermietung, sowie der mit rein batterie-elektrisch betriebenen Fahrzeugen ausgestattete Dienst Multicity, einer Kooperation von Citroën mit der Deutschen Bahn. Gleichzeitig versuchen sich zunehmend neue Anbieter im Markt, wie beispielsweise Quicar, das der Volkswagen-Gruppe angehört, oder Spotcar von Opel, das im Juni 2014 in Berlin gestartet ist.

9.2.3 Peer-to-Peer Carsharing

Das Peer-to-Peer Carsharing, also das Verleihen des privaten Pkw zwischen Privatpersonen, ist eben erst dabei, sich als dritte Systemform des Carsharing über Vermittlungsplattformen im Internet zu entwickeln. Genaue Nutzerzahlen liegen hierzu noch nicht vor. Die Buchungen werden beim Peer-to-Peer Carsharing über eine Internetplattform abgewickelt. Es gibt für das Abholen und Zurückbringen keine Station, vielmehr wird das Fahrzeug an einem individuell vereinbarten Standort abgeholt bzw. dorthin zurückgebracht. Der Blick auf eine Webplattform wie autonetzer.de zeigt, dass diese Form des Carsharing sich keineswegs nur auf die großen Städte beschränkt, sondern auch in kleineren Städten und Kommunen zu finden ist. Darin scheint sich die Vermutung von Hampshire und Gaites ([10], S.14) zu bestätigen, dass es sich bei Peer-to-Peer Carsharing – zumindest derzeit noch im Gegensatz zum kommerziellen Carsharing – um eine skalierbare Form des Carsharing handelt. Dabei ist die Flottenzusammensetzung ausgesprochen dynamisch, da es sich bei der Bereitschaft zum Verleihen des Pkw nicht um eine grundsätzliche Verhaltensweise seitens der Anbieter zu handeln scheint. Vielmehr legen die Ergebnisse einer Untersuchung in Berlin die Annahme nahe, dass die Pkw-Besitzer ihre Fahrzeuge nur in bestimmten Zeiten zur Verfügung stellen, beispielsweise dann, wenn die eigene Nutzung des Pkw aus persönlichen Umständen heraus gering ist [11].

 
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