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14.4.7 Systemstart und Betriebsüberwachung

Für den eigentlichen Betrieb der Fahrzeuge gibt der Hersteller einen Systemstart mit einer entsprechenden Systemüberprüfung vor. Dabei wird eine Vielzahl von Fahrzeug- und Umgebungsparametern überprüft, bevor die Freigabe für den eigentlichen Betrieb erfolgt. Der vorgegebene Ablauf stellt einen guten Kompromiss aus Detailgenauigkeit und Handhabbarkeit dar, sodass vor jedem Betrieb Gewissheit besteht, dass sowohl das Transportsystem als auch die Betriebsumgebung den Sicherheits- und Funktionsanforderungen entsprechend dem zertifizierten Betrieb genügen. Ebenso sind Wartungsumfänge mit verschiedenen Intervallen vorgegeben, die Sicherheit und Funktion langfristig sicherstellen sollen.

Für den Betrieb der Fahrzeuge im Falle einer Funküberwachung (d. h. kein Betriebspersonal befindet sich unmittelbar im oder am Fahrzeug) sieht der Hersteller eine redundante Kommunikation vor. Dazu werden zwei voneinander unabhängige drahtlose Kommunikationssysteme, beispielsweise Mobiltelefon- und WLAN-Netz oder zwei unabhängige Mobiltelefonnetze, implementiert, über die das Betriebspersonal Fahrzeugdaten abrufen, gegebenenfalls einen Nothalt einleiten oder auch mit den Insassen des Fahrzeugs kommunizieren kann. Die genauen Überwachungsumfänge, beispielsweise Position, Geschwindigkeit, Fahrtrichtung, Insassen und Türverriegelung oder aber auch die komplette Videoüberwachung der Umgebung, sind individuell festzulegen, jedoch derzeit (Juni 2014) noch nicht genau bestimmt.

Bisher wurden die Fahrzeuge an der Stanford Universität nur mit dem Betriebspersonal unmittelbar im oder am Fahrzeug und mit direktem Zugriff auf einen Notfallschalter betrieben. Aus diesem Grund liegen noch keine erweiterten Erfahrungen zum Betrieb mit Funküberwachung vor. Allerdings ist bereits aus dieser begrenzten Erfahrung die Wahrscheinlichkeit zu erkennen, dass eine Kollision eher auf einen anderen Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer, anderes Fahrzeug) zurückzuführen ist als auf das Fahrzeug selbst.

Die Kombination der verwendeten Umfelderkennung, Objektklassifizierung und Routenbestimmung ist also geeignet – ganz besonders in Anbetracht der geringen Fahrgeschwindigkeit und des bekannten sowie begrenzten Betriebsumfelds –, um das Fahrzeug sehr sicher und störungsfrei zu führen.

Für den späteren Betrieb mit Funküberwachung wird zu bewerten sein, wie schnell das Betriebspersonal im Störungsfall vor Ort sein könnte. So könnte es vorkommen, dass die vorprogrammierte Route durch Baumaßnahmen oder auch widerrechtlich geparkte Fahrzeuge versperrt ist. In solch einem Fall würden die Fahrzeuge den Betrieb selbsttätig unterbrechen und die Betriebsstelle informieren. Je nachdem, wo das Betriebspersonal dann lokal angesiedelt ist, wird eine Zeit in der Größenordnung von Minuten oder auch deutlich länger vergehen, bis jemand vor Ort sein wird, um die Störung zu beheben. Dieses Modell ist dem Betrieb von Fahrstühlen entnommen, wo die Notruftaste auch einen sofortigen Kontakt zu einer Betriebszentrale herstellt, das Betriebspersonal möglicherweise aber eine längere Zeit benötigt, bis es vor Ort sein kann. Wie die Nutzer und Insassen des selbstfahrenden und individuell abrufbaren Personentransportsystems damit umgehen bzw. ob diese Zeitdauer ein Problem darstellt, ist im späteren Öffentlichkeitsbetrieb zu ermitteln. Im Unterschied zum Fahrstuhl ist aber festzuhalten, dass die Passagiere des Transportsystems aufgrund der offenen Bauweise zu jeder Zeit direkten Kontakt zur Umgebung haben und die Fahrzeuge (s. Abb. 14.2) im Notfall auch vergleichsweise einfach verlassen können.

 
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