Fazit

Die Mehrheit der Schüler sieht in der Politik die Triebfeder gesellschaftlicher Verbesserung. Eine kleine Gruppe beider Schultypen stellt die neutrale Haltung der Politik infrage. Dabei bewegen sich die Positionen in einem Spektrum von einer vermuteten Ignoranz der Politik gegenüber sozialen Problemen der Bevölkerung bis zum Verdacht der grundsätzlichen Korrumpiertheit der Politik.

Für die große Mehrheit der Gymnasiasten und etwa die Hälfte der Hauptschüler stellt der Markt einen weitgehend unhinterfragten Denkrahmen bei der Auseinandersetzung mit der politischen und ökonomischen Dimension der Globalisierung dar. Der Markt und seine Gesetze werden als quasi natürlich und/oder als alternativlos vorgestellt. Oft versetzen sich die Schüler hier in die Position eines Unternehmens und finden es dann beispielsweise „normal“ oder „nachvollziehbar“, wenn ihre Arbeiter kaum etwas verdienen. Fast ausnahmslos stellen die Schüler aber auch empathische Reflexionen über die Lebenssituation von NichtPrivilegierten an. Diese beiden Aspekte der Akzeptanz des marktwirtschaftlichen Rahmens und der Problematisierung humanitärer Missstände stehen in der Regel unvermittelt nebeneinander.

Die große Mehrheit der Schüler spricht sich für eine gemäßigte Politik der Wirtschaftsregulation aus. Positionen, die jegliche Wirtschaftsregulation ablehnen, werden von den Schülern nicht vorgebracht. Allerdings wird die Grenze wirtschaftsregulativer Politik überwiegend da gesehen, wo der „gesunde Profit“ bedroht zu sein scheint.

Marginal – nur durch einen Hauptschüler und drei Gymnasiasten vertreten – sind dabei Positionen, die sich jenseits der Marktlogik bewegen. Zum einen wird dafür plädiert, die Logik der Marktwirtschaft zugunsten ethischer Prinzipien einzuschränken. Zum anderen zeigte sich ein Verständnis sozioökonomischer Zusammenhänge, das von einem gesellschaftlichen Antagonismus zwischen den Interessen der Reichen und der Armen ausgeht.

Die meisten Schüler haben von der Wirtschaftskrise gehört. Die Vorstellungen davon sind aber fragmentarisch und dominiert durch Versatzstücke stereotypisierender medialer Diskurse. Wenige Schüler können sich die Wirtschaftskrise erklären. In mehr als der Hälfte dieser Erklärungen wird die Ursache der Krise im vermeintlichen Fehlverhalten der von der Krise besonders betroffenen Ländern Südeuropas gesehen. Erklärungen, die beispielsweise das Fehlverhalten von Banken als Ursache der Wirtschaftskrise sehen, werden hingegen kaum vorgebracht.

Vorstellungen über die Legitimität der „Hilfspakete“ sind im Gegensatz zu Wissen über die Ursachen der Wirtschaftskrise sehr viel verbreiteter. Etwa die Hälfte der Schüler bezieht eine wertende Position zu dieser Politik des Krisenmanagements. Während die Befürworter der „Hilfspakete“ eher am Gymnasium zu finden sind, äußern sich deutlich mehr Hauptschüler ablehnend. Die Befürworter argumentieren aus einer Position, die sich in die Rolle der Politiker der EU oder der deutschen Regierung hineinversetzt und die volkswirtschaftliche Notwendigkeit der „Hilfe“ im eigenen Interesse begründet. Das zentrale Argument in der von Hauptschülern dominierten Gruppe der Skeptiker ist, dass zuerst die eigenen, nationalen Probleme gelöst werden sollten, bevor anderen Nationen Geld gegeben wird.

 
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