Partizipation

Unter Partizipation verstehen wir hier, welche Möglichkeiten die Schüler sehen, selbst – zumindest theoretisch – die gesellschaftlichen Verhältnisse und insbesondere Prozesse der Globalisierung mitgestalten zu können. In den Interviews wurde stark auf Fragen nach der Veränderbarkeit und Gestaltbarkeit gesellschaftlicher Verhältnisse fokussiert. Insgesamt ist festzustellen, dass die Mehrheit der Schüler an der Hauptschule und am Gymnasium kaum eigene Einflussmöglichkeiten sieht. Die gesellschaftliche Gestaltungsmacht sehen diese Schüler ganz überwiegend bei der Politik und den großen Unternehmen. So meint beispielsweise Lisa (Gym07), dass sie selber „jetzt nicht so eine große Macht“ habe, „da irgendwas so zu sagen. Und deswegen kann ich eigentlich, glaube ich, nichts machen.“ Auf die Frage, ob sie irgendwelche anderen Gruppen sehen würde, die „da irgendwie mitreden“ oder die „das vielleicht verändern wollen“, antwortet sie: „Also ich glaube nicht. Also natürlich die Regierungen der ganzen anderen Länder und vielleicht der Präsident der Vereinigten Staaten, würde ich mal sagen. Aber sonst glaube ich nicht. Sonst glaube ich keine mehr.“ (190–201) Die Reaktion vieler Schüler fällt zunächst ähnlich aus – oft führt erst das Insistieren des Interviewenden zu weiteren Ideen. Jenseits des Staates und privatwirtschaftlicher Unternehmen finden sich in den Vorstellungen der Schüler folgende vier politische Akteurstypen. Dominant ist – insbesondere bei den Gymnasiasten – die Konsumentenperspektive, die im ersten Abschnitt vorgestellt wird. Von einigen Schülern werden als politische Akteure auch NROs genannt. Im dazugehörigen Abschnitt werden wir zeigen, dass viele Schüler Partizipation als Wohltätigkeit bzw. Charity denken. Unter Wohltätigkeit bzw. Charity verstehen wir organisierte Wohltätigkeit, die nicht auf verbürgten Rechten, sondern auf der Gunst von Privilegierten beruht. Alle Schüler wurden außerdem nach ihrem Wissen und ihrer Meinung über Gewerkschaften befragt, welche im dritten Abschnitt präsentiert werden. Im letzten Abschnitt werden Vorstellungen der Schüler von Protesten, Demonstrationen und Selbstorganisation dargestellt.

 
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