Fazit

In der Auseinandersetzung mit den Gestaltungsmöglichkeiten der Globalisierung führt die große Mehrheit der Schüler zunächst ausschließlich den Staat und große privatwirtschaftliche Unternehmen als handelnde Akteure an. In der Regel kommen erst im weiteren Gesprächsverlauf des Interviews andere Akteure zur Sprache. Möglichkeiten gesellschaftlicher Einflussnahme werden von den Schülern zunächst überwiegend nicht genannt. Häufig wird auch explizit auf die eigene Ohnmacht verwiesen. Da die Nachfragen der Interviewenden auch auf das Bewusstsein für weitere Partizipationsmöglichkeiten zielten, bringen die Schüler trotz der anfänglichen Dominanz von Staat und Unternehmen vier politische Akteurstypen gesellschaftlicher Partizipation zur Sprache.

Dominant ist hier die Vorstellung der Einflussnahme über den eigenen Konsum. Während 16 Gymnasiasten mögliche Einflussnahme aus der Perspektive von Konsumenten denken, sind es nur vier Hauptschüler. Die starke Verbreitung dieser Vorstellung korreliert mit der starken Verbreitung einer allgemeinen Orientierung, die den Markt als unumstößlichen Rahmen gesellschaftlichen Handelns setzt. Die große Mehrheit derjenigen, die gesellschaftliche Einflussnahme aus der Perspektive von Konsumenten denken, nimmt eine individuell-konsumtive Haltung ein und thematisiert beispielsweise keine politischen Boykott-Kampagnen.

Als zweiter Akteurstyp werden NROs genannt. Diese zivilgesellschaftliche Möglichkeit, auf den Prozess der Globalisierung Einfluss zu nehmen wird überwiegend von Gymnasiasten angeführt. Die meisten dieser Schüler denken zivilgesellschaftliche Einflussnahme auf den Prozess der Globalisierung im Rahmen von NROs dabei als Hilfe für die anderen – in der Logik von Wohltätigkeit oder Charity. Die Dimension der Macht oder die Nennung verbürgter Rechte spielen für das Denken gesellschaftlicher Zusammenhänge und ihrer Veränderung hingegen keine bedeutsame Rolle. Stattdessen wird gesellschaftliche Veränderung als abhängig von der Gunst privater Initiativen vorgestellt.

Der dritte Akteurstyp den die Schüler anführen sind Gewerkschaften. Hauptschüler haben insgesamt deutlich weniger Kenntnisse über Gewerkschaften im Vergleich zu den Gymnasiasten. Von denjenigen, die über weitergehendes Wissen verfügen, sind fast alle den Gewerkschaften gegenüber prinzipiell positiv eingestellt. Viele Schüler beider Schultypen finden es gut, dass sich die Gewerkschaften für die Interessen von Arbeitern einsetzen. Einige Gymnasiasten argumentieren sozialpartnerschaftlich und weisen darauf hin, dass die Gewerkschaften nötig sind, damit Unternehmen und Arbeiter in einem Gleichgewicht seien.

Als vierter Akteurstyp ist die gesellschaftliche Einflussnahme über Proteste oder Demonstrationen zu nennen. Während niemand angibt, selbst an Protesten oder Demonstrationen beteiligt gewesen zu sein, führen zehn Gymnasiasten und fünf Hauptschüler dies allgemein als Möglichkeiten zur Gestaltung der Globalisierung an. Insgesamt werden Proteste von den Schülern so gedacht, dass ihr Ziel darin besteht, Politiker oder die Mächtigen zur Hilfe oder Einsicht zu bewegen. Zwar problematisieren einige Schüler, dass bei gesellschaftsrelevanten Fragen nicht alle gleichberechtigt mitentscheiden können. Dennoch schlägt kein Schüler eine grundlegende Veränderung von Entscheidungsstrukturen vor.

 
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