Kultur

In den Interviews wurden die Schüler mit der Frage konfrontiert, ob und wie sich die Kultur im Zuge des Prozesses der Globalisierung bzw. der Anwesenheit von Menschen aus anderen Kulturen verändert. Die doch etwas abstrakte Frage nach dem Zusammenhang zwischen Globalisierung und Veränderungen der Kultur lieferte vor allem bei vielen Hauptschülern wenig klar konturierte Vorstellungen, wohingegen in einem plastischeren Gesprächskontext wie etwa bei der Thematisierung der Haltung gegenüber Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen wesentlich konkretere, jedoch weniger explizit auf den Gegenstand Globalisierung bezogene Vorstellungen artikuliert wurden. Eine Unterscheidung des Materials in makroperspektivische Betrachtungen, also Ausführungen, die das abstraktere Verhältnis von Globalisierung und Veränderungen der Kultur betrafen, und mikroperspektivische Betrachtungen, also Ausführungen zu globalisierungsbedingtem Kulturgeschehen vor Ort (wie z. B. die Anwesenheit von Menschen mit verschiedensten kulturellen Hintergründen), lag damit nah.

Der erste Vorstellungskomplex drehte sich makroperspektivisch um Elemente wie das Entstehen einer global einheitlichen Lebensweise, um das Vorhandensein eines global wirksamen, meist als fortschrittlich gedachten kulturellen Einflusses oder in der negativen Variante um einen global wirksamen Anpassungsdruck. Die folgende zweite mikroperspektivische Betrachtung beschreibt die Vorstellungen über das Verhältnis von Migranten und der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland. Wie wird dieses Verhältnis in Bezug auf kulturelle Identitäten gedacht? In den Aussagen der Schüler ist dabei ein statisches, essenzialistisches und homogenisierendes Verständnis von kultureller Identität dominant. Auch diejenigen, die einer vorgestellten kulturellen Vermischung positiv gegenüberstehen, gehen in der Regel von einem zumindest ursprünglich homogenen, national oder kontinental zuzuordnenden Kulturbegriff aus. Im Folgenden werdend die entsprechenden Vorstellungen der Schüler herausgearbeitet. Hier waren insgesamt drei Muster anzutreffen.

Ein erstes war charakterisiert durch die Vorstellung der Vorrangstellung einer regionalen, religiösen nationalen, speziell auch deutschen Kultur, die als selbstverständlich vorausgesetzt oder als wünschenswert dargestellt wird (Monokulturelle Dominanz). Ein etwas milderes hierarchisches Muster stellte die Vorstellung eines duldsam toleranten Nebeneinanders von Mehrheitsund Minderheitenkulturen dar, welche mit einem Anpassungskatalog unterschiedlicher Reichweite an verschiedene Adressaten verbunden war (Kulturelle Koexistenz unter Vorbehalt). Das dritte Muster war gekennzeichnet durch die Auffassung, es entstehe eine „neue“, gemeinsame, offene und z. T. effektivere Kultur im Zuge der kulturellen Vermischung (Kulturelles Amalgam).

 
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