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Respekt vor Autoritäten

Die Erziehung zu Respekt, Gehorsam, Höflichkeit, Ordnung und gutem Benehmen hat für die in Deutschland lebenden bildungsbenachteiligten türkeistämmigen Migrantinnen immer noch einen hohen Stellenwert (vgl. auch ausführliche Jäkel und Leyendecker 2009). Die Kinder werden sehr früh, insbesondere gegenüber ihren Eltern, ihren älteren Geschwistern sowie anderen Verwandten, nach diesen traditionellen Wertvorstellungen unterwiesen. Die Kinder dürfen ihre Eltern, älteren Geschwister, Onkel, Tanten niemals mit dem Vornamen, sondern mit „anne“ (Mutter), „baba“ (Vater), „abla“ (große Schwester), „abi“ (großer Bruder), „teyze“ (Tante) sowie „amca“ (Onkel) ansprechen. Diese Regel gilt auch dann, wenn der Jüngere den Älteren überhaupt nicht kennt, sowie außerhalb der Verwandtschaft. Respekt und Gehorsam haben auch Geltung vor den älteren Menschen, die nicht der Verwandtschaft angehören.

Die Kinder sollen in Gegenwart der Eltern schweigsam sein, den Höherstehenden nicht widersprechen. Auch erwachsene Söhne und Töchter dürfen in der Regel in Anwesenheit der Eltern nicht rauchen und keinen Alkohol trinken. Ziel dieser Erziehung ist es, die familiären Bindungen zu festigen und einen auf das Funktionieren der Familie gerichteten Orientierungssinn für das gesellschaftliche Leben zu entwickeln.

Bedeutung von Respekt und Gehorsam in der Türkei

Die Untersuchungen von Kagitcibasi belegen, dass die Erziehung zu Respekt und Gehorsam von Eltern in der Türkei oft an erster Stelle genannt wird. 59 % der befragten Mütter geben an, dass das wichtigste Erziehungsziel Respekt und Gehorsam sei; bei den Vätern ist dieser Prozentsatz leicht höher, er beträgt 61 %. Im Gegensatz dazu sind die Werte zum Erziehungsziel „Selbständigkeit“ relativ niedrig: 19 % der Mütter und 17 % der Väter bezeichnen dieses Erziehungsziel als wichtig (Kagitcibasi 1997, S. 102). Die niedrigen Prozentsätze beim Erziehungsziel „Selbständigkeit“ können damit begründet werden, dass die Eltern durch dieses Erziehungsziel das familiäre Zusammenleben gefährdet sehen. Die Kinder könnten durch Selbständigkeit ihre individuellen Interessen dem familiären Zusammenleben überordnen.

Zwei Beispiele aus dem öffentlichen Leben sollen den Wert des Erziehungsziels

„Respekt und Gehorsam“ verdeutlichen. Da die Lehrkräfte als Erziehungs- und Respektsperson betrachtet werden, werden sie, sei es auf dem Land oder in der Stadt, niemals mit dem Namen, sondern mit „hocam“ bzw. „ögretmenim“ – mein Lehrer – angesprochen. Wenn die Lehrkraft den Klassenraum betritt, stehen alle Schülerinnen und Schüler auf und begrüßen ihn höflich; in Gegenwart der Lehrkräfte rauchen die Schüler nicht.

 
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