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Mangel an „Respekt und Gehorsam“ in der „deutschen“ Gesellschaft

Unter migrationsbedingten Aspekten gewinnt dieses Erziehungsziel an mehr Relevanz und Bedeutung. Konservativ eingestellte türkeistämmige Eltern vergleichen das Verhalten ihrer Kinder mit dem der deutschen Peergroup und versuchen betont, Respekt vor Autoritäten einzufordern, damit die Kinder nicht „eingedeutscht“ werden. Diese Eltern teilen die Meinung, dass die einheimischen Jugendlichen mit Älteren unhöflich, unfreundlich und ohne Respekt umgehen. Die Bewertung der „deutschen“ Erziehungsziele (Individualität, Selbstständigkeit, Eigenverantwortung etc.) basieren meistens auf oberflächlichen Beobachtungen und Vorurteilen. Sie sind unreflektierte subjektive Wahrnehmungen, die dazu führen, dass die Eltern ihr Erziehungsziel „Respekt vor Autoritäten“ viel rigider als beispielsweise in der Türkei verfolgen.

Erziehung zur Ehrenhaftigkeit

Das Erziehungsziel „Ehrenhaftigkeit“ spielt im Erziehungsalltag der Eltern neben Erziehung zu „Respekt vor Autoritäten“ eine zentrale Rolle. Den Kindern werden zwei Sachverhalte beigebracht; die Beachtung der Grenze zwischen Innenbzw. Außenwelt und die geschlechtsspezifische Ausrichtung der Ehre. Dem Ursprung nach trennt eine klare Grenze den Bereich der Familie, „Innen“, von der Außenwelt. Auch in Deutschland wird von traditionellen Familien stark darauf geachtet, diese Grenze nicht zu überschreiten. Vor allem den männlichen Kindern wird recht früh vermittelt, auf etwaige Grenzüberschreitungen sofort und entschieden zu reagieren, z. B. ihre (jüngeren) Geschwister zu verteidigen, um nach außen ein geschlossenes Bild zu vermitteln. Da in Deutschland das vertraute soziale Umfeld nicht in dem Maße existiert wie in der Türkei und der Schutz der einzelnen Fami- lienmitglieder das oberste Prinzip ist, gewinnt dieses Erziehungsziel noch mehr an Bedeutung. Ein Unterschied zur Türkei besteht u. a. darin, dass die sozialen Kontrollinstanzen, wie z. B. Familiennetzwerke, Nachbarschaftshilfe, Dorfgemeinschaft fehlen. Die Ahndung der Grenzüberschreitung wird darum in der Migration auch von den Mädchen erwartet.

Das Erziehungsziel Ehrenhaftigkeit regelt nicht nur die Beziehung nach innen und außen, sondern sie bestimmt auch das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Wenn vom Erziehungsziel Ehrenhaftigkeit gesprochen wird, bedeutet dies für den Mann und die Frau Unterschiedliches. Ehrenhaftigkeit bedeutet für die Frau, dass sie bis zur Ehe ihre Jungfräulichkeit bewahrt und während der Ehe treu bleibt. Die Ehrenhaftigkeit eines Mannes hängt in erster Linie vom Verhalten seiner Frau ab. Ehre impliziert, dass die Männer die Sexualität ihrer Frauen, Ehefrauen, Töchter und Schwestern kontrollieren. Namus verlangt von der Frau korrekte Bekleidung sowie korrektes Verhalten im Umgang mit fremden Männern. Weiterhin verlangt namus von der Frau, keine voroder außerehelichen Beziehungen einzugehen. Verstößt sie dagegen, so muss der Mann handeln, um seine eigene Ehre wieder herzustellen. Im äußersten Fall verstößt der Mann seine Frau.

 
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