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Erziehung zur Zusammengehörigkeit

Das Erziehungsziel Zusammengehörigkeit – wird von den Elternstark betont und zielgerichtet an die Kinder weitervermittelt. Wie beim Erziehungsziel Ehrenhaftigkeit deutlich wurde, ist das Zusammenhalten innerhalb der Familie vor allem in der Migration von zentraler Bedeutung, weil das in der Türkei übliche soziale Netzwerk in Deutschland nicht vorhanden ist. Das Erziehungsziel Zusammengehörigkeit hat in der Türkei keine zentrale Bedeutung (Kagitcibasi 1997). Dieses Erziehungsziel ist im Zuge der Migration entstanden, weil die Eltern dadurch die innerfamiliäre Bindung, die sie in der Migration gefährdet sehen, verfestigen wollen.

Erziehung zum Lernen und Leistungsstreben

Die Erziehung zum Lernen und zum Leistungsstreben hat historische und sozioökonomische Ursachen. In den türkischen Schulbüchern wurden und werden die Erfolge der Osmanen mit Leistung und Leistungsstreben der einzelnen Bürger des Osmanischen Reiches begründet. Wer lern- und leistungsbereit war, konnte ohne Rücksicht auf seinen ursprünglichen sozialen Status bis zu den höchsten Amtspositionen aufsteigen. Es gibt viele Beispiele dafür, dass Diener mit Leistung und Fleiß bis zur Position eines Ministers des Staates gelangt sind. Heute wird der Untergang des Osmanischen Reiches damit begründet, dass man bei der Besetzung der Ämter nicht mehr das Prinzip Leistung angewendet hatte. Dies wird seit Gründung der Republik immer wieder hervorgehoben, um die armen Bevölkerungsschichten zum Lernen und zur Leistung zu motivieren. Doch die eigentlichen Gründe für eine ausgeprägte Lern- und Leistungsorientierung sind eher sozioökonomischer Natur. Seit Ende der 50er- und Anfang der 60er-Jahre wurde in der Türkei die Industrialisierung und die Technisierung der Landwirtschaft vorangetrieben. Seit dieser Zeit wird den privatwirtschaftlichen Initiativen sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Industrie Vorrang gegenüber dörflichen Kooperativen eingeräumt. Davon haben die Großinvestoren auf dem Land profitiert. Landflucht, weit verbreitete Armut und Massenarbeitslosigkeit waren die Folgen. Der Bevölkerungsteil, der unter diesen Bedingungen leidet, strebt zur Abhilfe nach Bildung und Leistung. Gerade diese Menschen, die von der Landflucht und Binnenmigration betroffen waren, sind nach Deutschland gekommen, um bessere Lebensbedingungen für ihre Familien zu ermöglichen. Da die Migrantinnen sich hier beim Zugang zu höherer Schulbildung, besseren Arbeitsbedingungen, Ausbildungsmöglichkeiten etc. benachteiligt fühlen, gewinnt das Erziehungsziel Lernen und Leistungsstreben an Bedeutung. Nur durch viel Lernen, Leistungsstreben und persönlichen Ehrgeiz sind die Migranten aus der Türkei in der Lage, zu höheren gesellschaftlichen Positionen zu gelangen, so die Argumentation.

 
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