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Strömungen im Salafismus

Laut Steinbach (2012) und Ceylan und Kiefer (2013) gibt es drei Typen salafistischer Gruppierungen, die sehr kurz und vereinfacht dargelegt werden:

Puristen Dieser Gruppe geht es in erster Linie um die reine Lehre des Islam und ein gottgefälliges Leben (Steinbach 2012, S. 2). Darüber hinaus ist es den Puristen wichtig, den Islam von allen späteren und fremden Einflüssen zu befreien und die reine Lehre wiederherzustellen. Deshalb basiert der Salafismus auf dem Gedanken einer religiös-spirituellen Restauration. Vor allem durch frommes Handeln nach dem Vorbild des Propheten in allen gesellschaftlichen und sozialen Lebenslagen soll die Frömmigkeit angehoben und somit das Goldene Zeitalter eingeleitet werden (Ceylan und Kiefer 2013, S. 83 ff.). Puristen lehnen Gewalt ab, um ihre Ziele durchzusetzen. Sie sind vielmehr damit beschäftigt, streng die religiösen Rituale, wie z. B. Gebete und körperliche Reinheit, einzuhalten, und sie folgen einer rigiden religiösen Erziehung (Clement und Dickmann 2015, S. 68). Puristen nehmen Abstand von politischen Debatten und entwickeln keine Positionen zur Innenoder Außenpolitik. Ihre vorhandenen politischen Ansichten äußern sie in erster Linie im privaten Rahmen (Wagemakers 2014, S. 58).

Politische Salafisten Mit einem gottgefälligen Lebensstil verbinden die politischen Salafisten die Forderung nach einer Einführung der Sharia, vor allem aber einer religiösen Ordnung (Steinberg 2012, S. 3), die den salafistischen Interpretationen entspricht (Dantschke 2014, S. 179). Deshalb engagiert sich diese Gruppe aktiv, um ein politisches System zu etablieren, in dem sie z. B. in der religiösen Rhetorik tagespolitische und soziale Missstände aufgreift, um die eigene Ideologie von einer gerechten Welt zu bestätigen. Hierbei wird die Etablierung eines mit dem Koran konformen politischen Systems als Garant für eine fromme Lebensführung betrachtet (Ceylan und Kiefer 2013, S. 86). Um dieses Ziel zu erreichen, wird eine Abgrenzung von Andersdenkendes praktiziert und der bewaffnete Jihad gegen Ungläubige unter bestimmten Bedingungen legitimiert (Clement und Dickmann 2015, S. 68). Dantschke (2014) differenziert die politischen Salafisten zwar in Gewalt ablehnende, wie oben beschrieben, und Gewalt befürwortende. Aber es ist anzunehmen, dass diese Grenze fließend sein kann.

Jihadistische Salafisten Laut Steinberg (2012) steht im Mittelpunkt des Denkens der jihadistischen Salafisten der bewaffnete Kampf im „Heiligen Krieg“. Nicht alle Jihadisten werden Salafisten zugeordnet. Aber die Verbindung beider Ideologien hat sich in den letzten Jahren verfestigt. Jihadistische Salafisten stellen im Vergleich zu den beiden anderen Gruppierungen eine relativ kleine Gruppe dar.

Der Versuch, militante Anschläge vorzubereiten und auszuführen – Beispiele sind die Sauerland-Connection oder der Kofferbomber von Köln – zeigen, dass Jihadisten durchaus in der Lage sind, auch in Deutschland Gewalt auszuüben und eine Aura des Schreckens zu verbreiten (Ceylan und Kiefer 2013, S. 86). Die Anzahl der Jihadisten in Deutschland, die nach Syrien oder in andere Kriegsgebiete ausgereist sind, um die Ungläubigen zu bekämpfen, wird auf ca. 400 geschätzt (Clement und Dickmann 2015, S. 68).

Das salafistische Phänomen, dem wir in Deutschland derzeit gegenüberstehen, scheint Teile der drei genannten Typen in sich zu vereinen, ohne sich jedoch auf einen dieser Typen festzulegen, da die Übergänge teils fließend sind. Am stärksten gewichtet sind die puristischen und politischen Salafisten.

 
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