Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Pädagogik arrow Jungen und Gewalt
< Zurück   INHALT   Weiter >

6 Die Konfrontative Gesprächsführung

Auf der Folie des theoretischen Kapitels soll versucht werden, die Konfrontative Methode in der Beratungssituation mit einzelnen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen vorzustellen. Diese ist als eine Erweiterung im Bereich der Methodenkompetenz zu betrachten, wie mit auffälligen, aber noch nicht (mehrfach) gewalttätigen Jungen gearbeitet werden kann. Es gibt aber auch viele Jungen aus dem migrantischen Kontext, die sensibel und für die bereits vorgestellte Methode nicht geeignet sind. Aber bei Jugendlichen, bei denen der akzeptierende und verständnisvolle Ansatz nicht greift, kann sie durchaus geeignet sein, um mit ihnen den pädagogischen Alltag positiver zu gestalten. Im Folgenden soll die Konfrontative Methode, die primär – wie oben dargestellt – im Rahmen der Anti-AggressivitätsTrainings in der Gruppe angewendet wird, in die Beratungssituation mit Einzelnen transferiert werden.

6.1 Die Konfrontative Gesprächsführung in der Beratungssituation bzw. im pädagogischen Alltag

Wie oben festgelegt wurde, ist für den Einsatz der Konfrontativen und Provokativen Methode – hier der „heiße Stuhl“ – nicht nur eine spezielle Ausbildung notwendig, sondern sie erfordert auch bestimmte Jugendliche und eine Gruppensituation mit mindestens zwei pädagogischen Fachkräften. Im pädagogischen Alltag ist es aber praktisch unmöglich, diese Methode schnell und effizient auf einzelne Jugendliche anzuwenden. Die Erfahrungen des Verfassers zeigt allerdings, dass es wichtig ist, die Konfrontation nicht nur im Setting des „heißen Stuhls“ in der Gruppe durchzuführen, sondern auch in unterschiedlichen Feldern der Sozialen Arbeit mit einzelnen Jugendlichen. Sie kann u. a. in der „Zwischen-Tür-und-Angel-Beratung“ eingesetzt werden, ohne dass dafür eine umfangreiche Ausbildung zum Anti-Aggressivitäts-Training absolviert werden muss. Um vom „heißen Stuhl“ wegzukommen und den Ansatz zu präzisieren, wird die „Konfrontative Methode“ durch die „Konfrontative Gesprächsführung“ ersetzt.

6.2 Was heißt Konfrontative Gesprächsführung und wo wird sie eingesetzt?

Konfrontative Gesprächsführung heißt, dass der Betreuer oder die Betreuerin die Motive, die für das deviante (abweichende) Verhalten nicht relevant sind, zwar versteht, aber als Begründung nicht akzeptiert. Der Fachkraft bezieht sich nur auf die mit dem Jugendlichen getroffenen Vereinbarungen, Regeln oder Grenzziehungen und konfrontiert ihn permanent mit deren Nichteinhaltung. Die Gründe dafür sind zwar als Hintergrundwissen von Bedeutung, spielen aber bei der konkreten Handlung und Einhaltung der Vereinbarung keine Rolle. Primäres Ziel ist es, den Jugendlichen damit zu konfrontieren, warum er sich nicht an die Regeln gehalten hat.

Im Folgenden soll diese Definition kurz erklärt und interpretiert werden. In jeder Jugendeinrichtung und in jeder Schule gibt es selbstverständlich Regeln. Allerdings gehen in der Praxis häufig verschiedene Personen derselben Institution unterschiedlich damit um. Wer kennt das nicht aus dem beruflichen pädagogischen Alltag: Eine Kollegin reagiert auf einen Regelverstoß eines Jugendlichen, ein anderer Kollege schaut im gleichen Fall einfach weg und wieder ein anderer ist überzeugt, dass in diesem Fall nicht reagiert werden muss. Bei Fortbildungen zum Thema wird immer wieder gefragt: „Wann muss ich denn Grenzen ziehen und wann muss ich unbedingt eingreifen?“ Konfrontativ arbeitende Pädagoginnen und Pädagogen orientieren sich diesbezüglich an dem Erziehungswissenschaftler Flitner, der pädagogische Grenzziehung und ein pädagogisches Eingreifen in folgenden Fällen für zwingend erforderlich hält:

1. Grenzen sind dort zu ziehen, wo dem Kind eindeutig Gefahren drohen.

2. Grenzziehung ist dort nötig, wo ohne solche Grenzziehung Menschen verletzt, geplagt, gekränkt würden (Weidner und Kilb 2004, S. 13).

3. Grenzen, die durch unser gemeinschaftliches Leben und die gemeinsamen Sitten bestimmt sind; Grenzen der eigenen Belastbarkeit (Flitner 2009).

Bei Rangeleien wollen viele Fachkräfte häufig nicht eingreifen, da das oft harmlos erscheint: „Man will doch kein Spielverderber sein und ‚Ringkämpfchen' gehören doch bei Jungs dazu.“ Dabei wird übersehen, dass aus Spiel oft Ernst wird und

dass auch nicht immer erkennbar ist, ob es wirklich nur Spaß ist. Daher sollten

„Spaßkämpfchen“ nur in spielerischem Rahmen, z. B. im Sportunterricht, angeleitet und kontrolliert zugelassen sein. Wenn dies eine festgelegte Regel einer Schule oder eines Jugendhauses ist, hat man als Fachkraft klarere Strukturen für sich und die Kinder/Jugendlichen. Das bedeutet dann automatisch die Verpflichtung einzugreifen, wenn so etwas nicht im vorgegebenen Rahmen stattfindet – und man spart sich die Diskussion darüber, ob es nur Spaß ist oder nicht.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften