< Zurück   INHALT   Weiter >

Die Konfrontative Gesprächsführung kann in folgenden pädagogischen Feldern eingesetzt werden

• Im schulischen Bereich, wie z. B. in Grund-, Hauptbzw. Berufsschulen und Gymnasien: sowohl seitens der Schulsozialarbeiterinnen als auch der Lehrer.

• In Jugendfreizeitzentren, in denen eine unverbindliche „Kommstruktur“ der Klienten besteht und eine Gruppensituation auf lange Sicht nicht gewährleistet werden kann.

• In der Heimerziehung: Hier sind die Jugendlichen zwar länger anwesend, aber eine Vermischung der Rollen „Betreuer“ und „Anti-Aggressivitäts-Trainer“ ist nicht ratsam.

• In der berufsbezogenen Sozialarbeit: Auch hier sind zwar die Jugendlichen länger anwesend, aber eine Rollenvermischung ist nicht ratsam.

• In den Bereichen der ambulanten Maßnahmen, wie z. B. Betreuungsweisungen, angeordnete Beratungsgespräche oder Drogenberatungsgespräche, nach Paragraph 10 Jugendgerichtsgesetz.

Worauf bei der Konfrontativen Gesprächsführung geachtet werden muss

Wie öfter betont, ist die Konfrontative Gesprächsführung eine Ergänzung im pädagogischen Methodenbereich. Ihr Einsatz ist begleitet von anderen Handlungen, wie z. B. die Stärken des Jugendlichen hervorzuheben, zu loben und empathisch auf seine persönlichen und sozialen Rahmenbedingungen einzugehen. Diese müssen allerdings aus dem konfrontativen Setting herausgehalten werden. Nur Konfrontation alleine reicht nicht aus, denn hinter den Auffälligkeiten stehen meist tatsächlich tief greifende Probleme der Jugendlichen, bei denen sie Unterstützung benötigen. Wenn wir sie diesbezüglich ernst nehmen und versuchen zu helfen, können sie auch die Konfrontation von uns annehmen. Das bedeutet, wenn wir beispielsweise in einem Gespräch erfahren, dass der Vater Alkoholiker ist und öfter zuschlägt, werden wir Hilfe anbieten. Wir werden aber diesen Hintergrund nicht als Entschuldigung für die Gewalttätigkeit des Jugendlichen dulden. Wenn er gerade selbst zugeschlagen hat, zählt nur diese Situation und seine eigene Verantwortung dafür. Folgende Prinzipien sind bei dieser Methode zu beachten:

• Oberstes Prinzip ist die Akzeptanz der Person bei klarer Verurteilung des Fehlverhaltens und der Taten. Dies muss eine Grundeinstellung des Pädagogen oder der Pädagogin sein, und er oder sie muss dies auch glaubhaft vermitteln können.

• Vor jeder Konfrontation steht der Beziehungsaufbau. Nur eine tragfähige Beziehung verträgt Konfrontation.

• Konfrontative Gesprächsführung ist als eine Art Ultima Ratio zu verstehen; als letztes Mittel, wenn akzeptierende, erklärende, auffordernde Interventionen keine positive Wirkung hatten.

• Es gilt das Prinzip: Schon bei Kleinigkeiten reagieren, um Größeres zu verhindern.

• Festgelegte Regeln müssen transparent sein. Es darf keine Willkür herrschen. Die festgelegten Regeln gelten nicht nur heute, sondern auch morgen, auch wenn die Lehrkräfte oder der/die Sozialarbeiter/in gerade selbst keinen guten Tag hat oder im Stress ist.

• Das Bewusstmachen der eigenen Vorbildfunktion ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten. Ich bin als pädagogische Fachkraft nur glaubwürdig, wenn ich vorlebe, was ich einfordere (z. B. selbst pünktlich sein, Handy in der Schule ausschalten, Umgangsformen selbst einhalten).

• Es wird mit ritualisierter Grenzziehung gearbeitet, also auch nicht lockergelassen. Das erwünschte Verhalten wird immer wieder eingefordert.

• Für Fehlverhalten angekündigte Konsequenzen müssen unbedingt und zeitnah erfolgen, da sonst die Glaubwürdigkeit in Frage gestellt ist.

• Rechtfertigungsstrategien der Jugendlichen werden nicht zugelassen. Der Konfrontierer lässt sich nicht auf Diskussionen ein, wie: „Ich habe ja nur getreten, weil der X zu mir ‚schwule Sau' gesagt hat“.

• Konfrontatives Arbeiten beinhaltet die Stärkung des Selbstwertgefühls des Jugendlichen und die Vermittlung von sozialer Kompetenz, denn genau hier sind bei den meisten „Auffälligen“ Defizite vorhanden.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >