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Kriterien und Voraussetzungen für die Konfrontative Gesprächsführung

Folgende Kriterien sollten bei der Konfrontativen Gesprächsführung beachtet werden:

1. Fingerspitzengefühl und Beziehungsebene: Nicht für jedes Kind und jeden Jugendlichen ist dieser Stil geeignet. Das Kind/der Jugendliche muss persönlich und intellektuell in der Lage sein, die Konfrontation anzunehmen. Bei ruhigen und zurückhaltenden Kindern und Jugendlichen sollte man eher auf sie verzichten. Wichtig ist, dass die Konfrontation erst dann zum Einsatz kommt, wenn der Jugendliche sie – latent oder bewusst – sucht und zwischen dem Kind und der Fachkraft eine Beziehungsebene aufgebaut wurde.

2. Regelbruch: Die Konfrontation wird primär eingesetzt, wenn eine Regel oder eine Vereinbarung nicht eingehalten wird. Der Pädagoge, die Pädagogin konfrontiert den Jugendlichen mit dem Regelverstoß.

3. Konfliktfall: Hier wird die Konfrontation als Konfliktlösungsstrategie eingesetzt und die Entscheidung nicht den Kontrahenten überlassen. Der Pädagoge oder die Pädagogin konfrontiert jeden nur mit seinem eigenen Verhalten. Es geht nicht darum, wer Recht hat, sondern um die Übernahme der Teilverantwortung: Denn beide Parteien haben zur Eskalation des Konflikts beigetragen. Ziel ist es, dass jede Konfliktpartei ihren Teil der Verantwortung übernimmt.

4. Grenzziehung als Prävention: Hier ist die Haltung der Pädagogin oder des Pädagogen von entscheidender Bedeutung. Wenn die pädagogische Fachkraft die konfrontative Haltung beibehält und alltägliche „kleinere“ Grenzüberschreitung konfrontiert, werden die Kinder und Jugendlichen weniger und seltener auffällig.

Bei diesem Gesprächsstil können Fachkräfte folgende Bestandteile als „roten Faden“ nutzen

1. Zielvereinbarung: Unabhängig davon, um welche konkreten Probleme es geht, möchten die Pädagoginnen von den Jugendlichen zunächst nur wissen, warum die Vereinbarungen nicht eingehalten bzw. die Aufgaben nicht erledigt wurden. „Wichtige“ Nebenfaktoren, die als Erklärung angeführt werden, werden nicht akzeptiert. Die Nichteinhaltung der Vereinbarung oder Regel zieht sich als „roter Faden“ durch das Gespräch.

2. Unnachgiebigkeit: Unabhängig davon, welche Gründe vorliegen, dürfen die Pädagoginnen nicht nachgeben. Auffällige Jungen und Mädchen legen Nachgiebigkeit und Basisdemokratie häufig als Schwäche aus. Die meisten Jugendlichen wissen sehr wohl, wie die Pädagogen „funktionieren“, weil sie

„pädagogentrainiert“ sind. Gerade der verständnisvolle Ansatz wird von vielen Gewalt anwendenden Jugendlichen missbraucht und gegen die Fachkräfte verwendet. Eine gängige Devise der Jugendlichen heißt: „Ich erzähle ihm meine schlechte und traurige Kindheit, schon habe ich meine Ruhe.“

3. Widerlegen: Aussagen der Kinder und Jugendlichen sollten von den Fachkräften aufgeschrieben werden, damit Widersprüche offenkundig werden. Denn die meisten Kinder und Jugendlichen widersprechen sich selbst. In diesem Fall sollen sie nicht der Lüge bezichtigt werden, sondern ihre Aussagen sollen mit gezielten provokativen und konfrontativen Fragen abgeschwächt bzw. außer Kraft gesetzt werden.

4. Ständiges Wiederholen: Auffällige Jugendliche versuchen permanent, die Verantwortung für ihr Verhalten auf andere abzuwälzen. Entweder sind andere Jugendliche daran schuld oder die kranke Mutter etc. Hier müssen die Pädagoginnen beharrlich bleiben, bis der Jugendliche genervt aufgibt, seine Teilverantwortung übernimmt und keine Ausflüchte mehr sucht.

5. Unterbrechen und verunsichern: Wenn der Jugendliche nicht zum Punkt kommt oder bewusst vom Problem ablenkt, dann sollte man ihn unterbrechen und wieder konfrontieren. Das permanente Unterbrechen und immer wieder auf den Punkt bringen zeigt, dass man in erster Linie an den Fakten interessiert ist und den Rest für sekundär hält. Dieser Stil trägt dazu bei, dass der Jugendliche die Lust verliert, sein Verhalten schönzureden bzw. zu rechtfertigen.

6. Keine Einsicht verlangen: Einsicht verlangen ist ein gängiges pädagogisches Verfahren in Deutschland, wenn ein Konflikt gelöst werden soll. Dabei wird vom devianten Kind oder Jugendlichen Reue, Einsicht und schließlich eine Entschuldigung gefordert. Die Kinder und Jugendlichen sollen erkennen, dass ihr Fehlverhalten negative Konsequenzen hat, dies kann aber nicht durch die Forderung der pädagogischen Fachkräfte erreicht werden. In dieser Situation sind Jugendliche schnell bereit, Bedauern zu äußern, um der unangenehmen Situation zu entkommen und den Pädagogen los zu sein.

Allerdings sollten Pädagoginnen bei Jugendlichen, die kein Mitgefühl zeigen, in anderen Zusammenhängen versuchen, das Gefühl der Empathie zu fördern. Empathie ist nicht angeboren, sie wird bei einer positiven Sozialisation erworben. Wenn Jugendliche diesbezüglich ein Defizit haben, sollte diese Fähigkeit gefördert werden.

 
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