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6.3.3 Beratungskontext: Einzel- und Gruppenarbeit

Ein weiterer Bereich, in dem der Ansatz der Konfrontativen Gesprächsführung eingesetzt werden kann, ist die Arbeit mit einzelnen Jugendlichen oder mit Gruppen. Konfrontative Arbeit in der Gruppe ist in vielen Fällen anspruchsvoller als mit Einzelnen. In diesem Kapitel werden zwei typische Situationen vorgestellt, die anhand der Konfrontativen Gesprächsführung bearbeitet werden.

Vorbemerkungen

Atila ist 16 Jahre alt und besucht die neunte Klasse einer Hauptschule. Er ist ein notorischer Schulschwänzer und wohnt seit einem halben Jahr in einem sozialpädagogisch betreuten Wohnheim. Da er sich dort nicht zurechtfindet, möchte er in eine private Wohnung umziehen. Er ist kein guter Schüler, strebt aber eine Ausbildung im Medienbereich an. Weil Atilla mehrfach strafrechtlich auffällt, wird er von einem Gericht zu einem Anti-Aggressivitäts-Training verurteilt. Bei den Vorgesprächen unterschreibt er den Vertrag, dass er alle Termine wahrnehmen und aktiv mitarbeiten wird. Das Anti-Aggressivitäts-Training wird von zwei erfahrenen Sozialpädagogen geleitet, die großen Wert auf Kontinuität und Pünktlichkeit legen. Bereits in der zweiten Woche kommt Atilla eine halbe Stunde zu spät und begründet dies mit der Krankheit seiner Oma. In der folgenden Woche erscheint Atilla überhaupt nicht. Eine Woche später begründet er sein Fehlen mit Problemen im Wohnheim.

Mögliche Vorgehensweise

In diesem Fall werden wir nicht einen Gesprächsverlauf konstruieren, sondern Vorschläge zur möglichen Vorgehensweise unterbreiten. Mit der Entscheidung, an einem Anti-Aggressivitäts-Training teilzunehmen, hat Atilla auch die Bedingungen akzeptiert. Denn das wichtigste Prinzip einer solchen Gruppenarbeit besteht darin, dass ein Gruppenprozess in Gang kommt und die Jugendlichen gemeinsam etwas lernen. Bei Verspätungen muss klargestellt werden, dass der Jugendliche die Verantwortung dafür trägt, wie im Kapitel zum „schulischen Kontext“ bereits aufgezeigt. Die halbe Stunde muss Atilla nachholen. Dass er zum nächsten Termin überhaupt nicht erscheint reicht aus, um ihn vom Training auszuschließen. Da Anti-Aggressivitäts-Trainings in der Regel richter-liche Weisungen sind, wird Atilla u. U. einen Kurzzeitarrest bekommen. Die Verantwortung dafür trägt allein Atilla, auch wenn er diese gerne auf die Pädagogen abwälzen würde.

 
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