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6.4 Konfrontation im Kontext des Salafismus?

Bevor auf die Konfrontation eingegangen wird, muss hervorgehoben werden, dass die salafistische Szene eine schwer zugängliche Gruppe darstellt. Der Zugang zu solchen Gruppen kann im Gemeinwesen mit der Konfrontativen Methode nicht geleistet werden, zumal die Gruppe sehr heterogen ist. Mittlerweile werden in der Praxis der Sozialen Arbeit einige Versuche erprobt, um auch diese Zielgruppe (sozial-)pädagogisch zu erreichen. Als Beispiel kann der Ansatz der „Akzeptierenden Jugendarbeit“ nach Krafeld bezeichnet werden. Das Konzept wurde in den 1990er Jahre von Franz Josef Krafeld entwickelt, um gewaltbereite rechte Jugendliche zu erreichen (Clement und Dickmann 2015, S. 71 ff.). Für die (aufsuchende) Jugendarbeit im Gemeinwesen scheint die Methode „Akzeptierende Jugendarbeit“ bezogen auf salafistische Gruppen angemessen und erprobenswert zu sein. Sobald aber sich die Jugendlichen in den pädagogischen und schulischen Einrichtungen befinden, sich (noch) nicht radikalisiert haben, mehr oder weniger „Mitläufer“ sind, kann aus Sicht des Autors die Konfrontative Gesprächsführung in Betracht gezogen werden.

Im Kap. 6.3 wurden unterschiedliche Gesprächssituationen aus verschiedenen ausgewählten pädagogischen Handlungsfeldern vorgestellt und reflektiert. Wenn die Beispiele der Konfrontativen Gesprächsführung genauer betrachtet werden, kann sehr schnell festgestellt werden, dass es sich dabei nicht um tiefgreifendes Wissen der kulturellen oder religiösen Besonderheiten handelt. Vielmehr sollen die pädagogischen Fachkräfte die widersprüchlichen zuweilen auch die oberflächlichen Argumentationslinien der Jugendlichen erkennen, um darauf konfrontativ zu reagieren. Das interkulturelle und interreligiöse Wissen dient viele mehr dazu, von Stereotypen und Vorurteilen geprägte Argumentationen zu vermeiden. Die Regeln für den Einsatz der Konfrontativen Gesprächsführung gelten auch bei Jugendlichen, die mit Salafismus argumentieren oder die salafistische Szene attraktiv finden. Wenn neben den oben ausführlich dargelegten Regeln zwei zentrale Aspekte beachtet werden, ist die Konfrontation nicht nur ratsam, sondern zwingend notwendig.

1. Pädagogische Fachkräfte sind in ihrem Alltag des Öfteren mit der Tatsache konfrontiert, dass immer mehr Kinder und Jugendliche behaupten, bestimmte Dinge (Makeup bei Mädchen, langer Bart bei Jungen etc.) nicht tun zu dürfen bzw. machen zu müssen, weil ihre Religion dies verbietet oder vorschreibt. Bei der Konfrontation geht es dann nicht darum, was Religion ist und ob man diesen „Vorgaben“ folgen soll. Vielmehr sollen die Pädagoginnen und Pädagogen wertfreie und einfache Fragen stellen, um die Widersprüche herauszuarbeiten. Denn der Großteil der Kinder und Jugendlichen, die in der Schule oder in den Jugendhilfeeinrichtungen direkt oder indirekt mit Salafismus argumentiert, ist als „Mitläufer“ zu bezeichnen und hat sich keine tiefgreifenden Gedanken darüber gemacht. Konfrontation hilft in diesem Fall und gibt den Kindern und Jugendlichen Orientierung, um das eigene Verhalten bzw. die eigene Argumentation zu reflektieren.

2. Vor allem in der Adoleszenz möchten Heranwachsende mit dieser Vorgehensweise in erster Line die Erwachsenen – auch Lehrkräfte und Sozialpädagoginnen und -pädagogen – provozieren. Um dieser Provokation Nachdruck zu verleihen, sind sie im Auftritt scheinbar selbstsicher und selbstbewusst. Das verunsichert die Fachkräfte, weil sie – u. a. wegen der fehlenden oder eingeschränkten Wissens – keine Fehler riskieren möchten. Es ist zu empfehlen, sich vom scheinbar selbstbewussten Auftritt der Jugendlichen nicht zu beeindrucken. Denn hinter der Fassade ist oft Unwissenheit, Unsicherheit oder aber oberflächliche Worthülsen verborgen, die nach der Konfrontation in den Vorschein kommen.

Analog zum Kap. 6.3 soll die Konfrontation im Kontext des Salafismus anhand eines Fallbeispiels präzisiert werden.

Dieser Fall wurde im Jahre 2013 während einer zweitägigen Fortbildung in Hannover geschildert. Ein möglicher Gesprächsverlauf wurde in der Fortbildungsgruppe konstruiert.

 
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