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Vorbemerkungen

Der 16-jährige Muhammet besucht die neunte Klasse einer Gesamtschule in Hannover. Während der fünften bis zur achten Klasse fällt Muhammet in der Schule nicht besonders auf. Er ist zwar kein besonders guter Schüler. Aber er ist auch nicht so schlecht, sodass seine Versetzung gefährdet ist. Er spielt Fußball in der Schülermannschaft sowie im Verein und hat in der achten Klasse eine Freundin. In seiner Freizeit geht er mit seinen Freunden ins Kino, besucht den McDonalds oder spielt Computerspiele. Mit anderen Worten: ein „typischer“ Junge für sein Alter. Gegen Ende der achten Klasse trennt er sich von seiner Freundin Melanie, mit der Begründung, dass sie keine Muslimin sei. Ab der neunten Klasse ändert er sich auch äußerlich: er lässt einen Bart wachsen, zieht keine Jeans oder engen Hosen mehr an und spricht mit Mädchen in seiner Klasse nicht. Wenn er sich im Unterricht zu Wort meldet, dann versucht er zu erklären, warum die anderen Ungläubige sind und Sünden begehen. Er beschimpft und beleidigt andere Mitschüler als Ungläubige. Er sprengt jede Unterrichtsstunde mit der gleichen Vorgehensweise. Während des Sozialkundeunterrichts konfrontiert ihn sein Lehrer, Rüdiger Rabe, mit seinem Verhalten und seiner Argumentation, weil Muhammet ungläubig findet, dass Mädchen und Jungen im selben Raum unterrichtet werden.

Möglicher Gesprächsverlauf

R.: Muhammet, was findest Du ungläubig? M.: Ja, alles halt.

R.: Was meinst Du mit „alles“?

M.: Ja, wenn Mädchen und Jungen hier zusammen sitzen und solche Dinge. R.: Was genau ist daran schlimm?

M.: Meine Religion sagt: das ist Sünde! R.: Was meinst Du mit „meine Religion“?

M.: Islam halt. Im Islam sollen Frauen und Männer getrennt sitzen und sich anständig benehmen.

R.: Ehrlich gesagt, habe ich dass so nicht gehört. In der Türkei gehen auch Mädchen und Jungen in die gleiche Schule und sitzen gemeinsam in der Klasse.

M.: Die begehen auch Sünde und kommen in die Hölle!

R.: Was genau ist Sünde? Wir sitzen, diskutieren und lernen doch hier zusammen.

M.: Trotzdem ist das Sünde. Gott hat das so nicht vorgesehen! R.: Wie hat den der Gott das vorgesehen?

M.: Meine Religion sagt, Du sollst beten, anständig sein und dich von allen Sünden fernhalten.

R.: Du hast mir aber immer noch nicht gesagt, was diese Sünden sind?

M.: Kein Genuss, weißt du: keine Cola, kein McDonalds, Alkohol sowieso nicht und für die Religion da sein.

R.: Das kannst Du ja machen. Hindert dich doch keiner. Warum kommst Du damit hier hin?

M.: Weil die anderen mich nerven.

R.: Und was ist mit Dir? Du nervst die anderen auch. Warum willst Du die anderen verändern, wenn Du selber nicht weißt, was du willst?

M.: Ich weiß schon, was ich will … R.: Was denn?

M.: Ja ja ist schon gut! R.: Sag's doch!

M.: Ne, ist gut!

R.: Wenn das so ist, beachte die Regeln in der Schule und Unterricht. Keine Beleidigungen, keine Beschimpfungen, keine Bevormundung. Außerdem würde ich gerne mal mit Deinen Eltern reden.

M.: Warum denn? Was haben meine Eltern damit zu tun? R.: Einfach so. Und jetzt beenden wir diese Diskussion.

Vorteile der Konfrontation

Muhammet nimmt zwar den Begriff „Salafismus“ nicht in den Mund und

„argumentiert“ ausschließlich auf der religiösen Folie. Aber genau, dass scheint das Problem zu sein: Denn die Jugendlichen werden von Salafisten angesprochen und die Ideologie des Salafismus als genuine religiöse Einstellung vermittelt. Mit einfachen wertfreien Fragen, wenn es notwendig ist, mit Vergleichen hinterfragt der Lehrer die Argumente des Jugendlichen. Es wird deutlich, dass Muhammet nicht sehr überzeugend darlegen kann, was die Inhalte seiner Religion sind. Hier macht der Lehrer deutlich, dass er ihn im Auge behält, weil er mit seinen Eltern ein Gespräch führen möchte. Denn alleine Konfrontation ist nicht immer hilfreich. Mit Hilfe von Eltern muss herausgefunden werden, warum Muhammet sich verändert hat. Es ist durchaus möglich, dass die Eltern hilfreiche Impulse geben, wie z. B., dass solche Einstellungen im Elternhaus nicht vermittelt werden. Und die Eltern, Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter können gemeinsam eruieren, wie Muhammet „geholfen“ werden kann.

 
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