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Teil I: Einleitung

In der Entwicklungszusammenarbeit haben gemeindebasierte Entwicklungsprojekte und die Arbeit mit Graswurzelorganisationen besonders seit den 1980er Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und wurden seither unter verschiedenen Gesichtspunkten wissenschaftlich reflektiert. Die Forschungsschwerpunkte liegen dabei im Bereich der Wirkungsanalyse und fokussieren Aspekt des Empowerment und der Partizipation der lokalen Bevölkerung. Auch die Rolle des Wissens innerhalb der Projekte, die Modi der Zusammenarbeit und die hierfür benötigten organisatorischen Voraussetzung sowie deren machtanalytische Deutung können als die bisherigen Kernthemen der Forschung identifiziert werden. Die vorliegende ethnografische Studie untersucht hingegen die Konzeptualisierung der Praktik der Zusammenarbeit zwischen internationalen NGOs und lokalen communities an sich am Beispiel des Aufbaus gemeindebasierter sozialer Sicherungsnetze für vulnerable Kinder.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, mittels einer interaktionistischen Akteursperspektive Wissen über die praktische Umsetzung von gemeinwesenorientierten Entwicklungsprojekten und den dahinter verorteten Rationalitäten zu erlangen. Es wird somit primär eine organisationale Praktik der Entwicklungszusammenarbeit beschrieben, die auf mehreren Ebenen auf die Organisierung von communities ausgerichtet ist. Mit anderen Worten: Es soll aufgezeigt werden, wie Graswurzelarbeit in der Entwicklungszusammenarbeit ›gemacht‹ beziehungsweise hergestellt wird.

Zur Beschreibung dieses Prozesses der gemeinsamen Herstellung von Graswurzelprojekten wird das Konzept des doing grassroots eingeführt. Das doing grassroots steht hierbei für einen Aushandlungsprozess [1], der an der Schnittstelle zwischen NGO und Gemeinden praktiziert und sichtbar wird. Das heißt eine Praxis, die sich in sozialen Interaktionen zwischen Mitarbeitenden[2] der NGO und den Mitgliedern lokaler Gemeinden sowie in Gesprächen mit Mitarbeitenden und Gemeindemitgliedern zeigt und dabei bestimmten Rationalitäten folgt. Hierbei geht es zum einen um die Frage, wie die Entwicklungspartner gemeinsam das herstellen[3], was als gemeindebasiertes Entwicklungsoder Graswurzelprojekt bezeichnet wird. Zum anderen geht es um die organisationale Praxis der Umsetzung solcher Projekte.

Bevor nun die Praktik des doing grassroots beschrieben wird, soll vorab in den Problemkontext und den Gegenstand des Forschungsfeldes eingeführt werden. Hierfür wird zuerst die durch die HIV- und AIDS-Epidemie hervorgerufene ›Waisenkrise‹ in Subsahara-Afrika besprochen. Daran anschließend werden die Grundzüge der gemeinwesenorientierten Entwicklungszusammenarbeit vorgestellt. Zum Abschluss dieser Einleitung werden der Aufbau und die Gliederung der vorliegenden Arbeit vorgestellt.

  • [1] Zum Begriff der Aushandlung vgl. Meuser (2007)
  • [2] In der vorliegenden Arbeit wurde weitestgehend versucht, eine gendergerechte Sprache zu verwenden, auch wenn dies bei einzelnen Formulierungen etwas umständlich erscheinen kann. In wenigen Ausnahmen war es unvermeidbar, auf die rein männliche Bezeichnung zurückzugreifen, selbst wenn hier keine geschlechtsspezifische Deutung impliziert wird
  • [3] Im Sinne eines "doing things together" (Becker 1986)
 
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