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2.1 Empowerment und ›Hilfe zur Selbsthilfe‹

Die Projektarbeit mit communities vor Ort kann allgemein als Soziale Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit kontextualisiert werden.[1] Generell liegt der Fokus dieser Entwicklungszusammenarbeit auf der Armuts- und Hungerbekämpfung sowie der Ermöglichung des Zugangs zu Bildung und zur Gesundheitsversorgung sowie der Prävention von Krankheiten. Soziale Arbeit im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit thematisiert dementsprechend andere Problemlagen und Zielgruppen als Soziale Arbeit in Europa oder Nordamerika (vgl. Rehklau / Lutz 2007, S. 26 ff.). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, langfristige und nachhaltige Entwicklungsprozesse anzustoßen, durch die sich das Leben der Menschen vor Ort verbessern soll. Neben der Nothilfe, zum Beispiel im Bereich der medizinischen Versorgung, und der Anwaltschafts- und politischen Lobbyarbeit sollen die Menschen vor Ort durch Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden von Entwicklungsorganisationen in erster Linie zu einer ›Hilfe zur Selbsthilfe‹ befähigt werden (vgl. Midgley 2010). An dieses Verständnis von Entwicklung anknüpfend, will diese Form der Entwicklungszusammenarbeit die vor Ort lebenden Menschen befähigen, sich selbst zu helfen. Sie will durch ihre Projekte zum Empowerment der ›Partner‹ und dadurch zu deren Selbsthilfe beitragen. Empowerment meint hierbei die Stärkung lokaler Gruppen, zum Beispiel durch den Transfer von Wissen, die Steigerung ihrer Produktivität durch capacity building, durch ökonomische Stärkung und der Ermöglichung von Mitbestimmung sowie den Aufbau lokaler Organisationsstrukturen, was zu einer nachhaltigen Wirkung auf die lokale Entwicklung führen soll. Grundsätzlich sollen die Menschen zu einer freien Wahl ihrer Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten ermächtigt werden (vgl. Rehklau / Lutz 2007, S. 24‒28). Dabei sollen die Entwicklungsorganisationen lediglich Hilfestellung geben, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Trainings. In den Trainings sollen die Menschen Fähigkeiten erlangen, die ihnen in ihrem Alltag helfen, produktiver zu wirtschaften (beispielsweise mittels neuer Anbaumethoden oder Mikrokrediten), Gefahrenquellen für die Gesundheit auszuschließen (etwa durch den Zugang zu sauberem Wasser über den Bau von Brunnen), durch verbesserte Bildungschancen (durch den Bau von Schulen oder mittels Alphabetisierungsprojekten) und aktiv ihre Rechte einzufordern (etwa durch Anwaltschaftsarbeit gegenüber staatlichen Institutionen).

Soziale Arbeit in Subsahara-Afrika war auch nach der Unabhängigkeit der afrikanischen Länder von der kolonialen Herrschaft noch stark an europäischen oder ›westlichen‹ Konzepten orientiert. Um jedoch den lokalen Gegebenheiten in höherem Maße gerecht zu werden, wurde eine ›Indigenisierung‹ gefordert, die durch eine Anpassung der Ausbildung und einer dem sozio-kulturellen Kontext entsprechenden Praxis zum Ausdruck kommen sollte. Entwicklungszusammenarbeit in diesem Sinne zielt folglich auf die Befähigung der Menschen auf lokaler Ebene und zugleich auf die Veränderung staatlicher und internationaler Strukturen ab, die diese lokale Lebenswelt prädominieren. An die Stelle der Hilfe werden dabei die Befähigung zur Selbstorganisation und das Empowerment gesetzt, um soziale Entwicklung zu ermöglichen. Mit diesem Ansatz verbunden ist eine Ausrichtung der Sozialen Arbeit, die sich nicht nur durch konkrete Fallarbeit kennzeichnet, sondern sozialräumlich orientiert und mit dem Ziel der Verbesserung der Lebenssituation lokaler Gemeinschaften am Gemeinwesen ausgerichtet ist (vgl. Rehklau / Lutz 2007, S. 26‒35). Diese Form der Indigenisierung ist auch kennzeichnend für die Entwicklungszusammenarbeit, was sich beispielsweise am überwiegenden Einsatz von lokalen Mitarbeitenden vor Ort erkennen lässt.

So kommentieren Homfeldt / Schmitt (2011), die Entwicklungszusammenarbeit in ihrer Form als Soziale Arbeit hätte sich vor Ort

den gesellschaftlichen Realitäten angepasst und begriffen, dass eine reine Fallorientierung kaum nachhaltige Entwicklungen hervorrufen kann. Wegen der wenig ausgebauten staatlichen Versorgungsstruktur hat sie sich zur Aufgabe gemacht, ganze Gemeinwesen zu befähigen und gleichzeitig an der Implementierung handlungsermächtigender Strukturen mitzuwirken (S. 16).

Das Konzept der Indigenisierung bezeichnet auch den Versuch, lokale Ressourcen zu nutzen und an bestehende sozio-kulturelle Strukturen und Unterstützungsmechanismen anzuknüpfen. Exemplarisch können der Einbezug der in Subsahara-Afrika einflussreichen lokalen chiefs und die vorhandenen sozialen Sicherungsstrukturen genannt werden wie etwa die der erweiterten Familie (vgl. Rehklau / Lutz 2007, S. 31 f.).

  • [1] Vgl. hierzu Wagner 2013b
 
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