Kultur

Betrachtet man die Vorstellungen der Schüler in der Übersicht, so ist eine charakteristische Denkfigur die des progressiven Wirkens einer globalen, meist westlich gedachten Kultur. Sie wird in Verbindung gebracht mit Begriffen wie Freiheit, Menschenrechten, mit Wohlfahrt, Bildung und technologischer Innovativkraft.

Verbreitet ist auch die Annahme, dass regionale, traditionelle oder religiös geprägte Kulturen angesichts der Ausdehnung der als dominant vorgestellten westlichen Kultur unter Druck geraten. Diese Entwicklung wird kritisiert, denn der Erhalt kultureller Eigenheit sei wichtig. Einige Schüler sehen in ihr eine zu bekämpfende Bedrohung. Auch wird dieser Druck, der Verlust an traditioneller Kultur im Zuge der Globalisierung, mit Hinweisen auf den erzielten Gewinn hinsichtlich Fortschritt, Prosperität, Freiheit etc., als ein unvermeidbar zu zahlender Preis relativiert.

Auch wenn aufgrund der vorliegenden Daten in Form von teilstandardisierten Interviews auf exakte zahlenmäßige Vergleiche verzichtet wurde, können in der Tendenz doch gewisse schulformspezifische Differenzen festgestellt werden. Insgesamt lassen sich die verschiedenen Denkweisen in Form eines Kontinuums darstellen. Der eine Pol des Kontinuums der Vorstellungen kultureller Identität ist charakterisiert durch Verschlossenheit, Bedrohung, Abwehr und Dominanz. Am anderen Pol wird die Vorstellung durch das Bild einer multikulturellen Bereicherung geprägt, wobei hier Offenheit und die vermeintliche Erhöhung der interkulturellen Effizienz in den Fokus gerückt werden. Die Ausführungen der Hauptschüler sind tendenziell stärker dem ersten Pol zuzuordnen, während die geäußerten Vorstellungen der Gymnasiasten eher dem zweiten Pol zugehörig sind.

 
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