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7. Die vernachlässigte Perspektive auf Herstellungsprozesse

Der dargestellte Forschungsstand zu gemeindebasierten Projekten in der Entwicklungszusammenarbeit gibt wichtige Ansatzpunkte und beleuchtet eine Vielzahl von Aspekten, die für eine Sensibilisierung für die Untersuchung und Analyse der Zusammenarbeit zwischen der NGO und lokalen communities hilfreich sind.

Die besprochenen Arbeiten fokussieren unterschiedliche Thematiken. Zunächst habe ich Forschungsarbeiten zu Vorhaben der Unterstützung von Gemeindegruppen und der Optimierung des damit verbundenen Projektdesigns vorgestellt. Diese Arbeiten sind vor allem bei der Beschreibung der praktischen Arbeit der NGO sowie der Hilfeleistungen und Motivation der Gemeindeinitiativen selbst hilfreich wie auch hinsichtlich der innerhalb der Projektlogik vorzufindenden Probleme und Schwierigkeiten, insbesondere im Hinblick auf den Fluss von Ressourcen und die Gefahr der Übernahme oder Untergrabung gemeindeeigener Hilfestrukturen und -initiativen.

Die unter der Perspektive der Gouvernementalität angeführten, eher kritisch ansetzenden Arbeiten sind aufschlussreich im Hinblick auf die Analyse der den Projekten zugrunde liegenden Macht-, Regierungs- und Ordnungsmechanismen. Sie ermöglichen zudem eine Einbettung der Arbeit in den weiteren gesellschaftspolitischen Kontext. Darüber hinaus können sie zur Sensibilisierung der Analyse der damit verbundenen und vor Ort praktizierten Doppelrolle der Stärkung einerseits wie der Verantwortungszuschreibung an Gemeindegruppen andererseits herangezogen werden. Damit einhergehend wird durch diese Arbeiten der Blick auf den Einfluss der Arbeit der NGO auf das Verhältnis von Staat und Gemeindegruppen eröffnet.

Daneben sind insbesondere die Arbeiten zu organisatorischen Aspekten der Zusammenarbeit von Bedeutung für die weitere Untersuchung. Hierbei sind die strategischen, technischen und organisationalen Aushandlungen, die zwischen den Akteuren stattfinden genauso von Interesse wie die Rolle von Intermediären und Maklern, die zwischen unterschiedlichen Kontexten und Deutungen vermitteln. Diese Aushandlungen sind insbesondere in Zusammenhang mit organisationsspezifischen Prozessen der Grenzarbeit und Verbreitung von Organisationen zu verstehen, die zentraler Gegenstand der vorliegenden Untersuchung sein werden. Insbesondere sind hier die beschriebenen Rollen und Mittel der Grenzbearbeitung und Strukturbildung, die eine Aushandlung zwischen den Akteuren erst ermöglichen und zwischen ihnen vermitteln, zu nennen. Letztlich sind auch Konzepte von (hybriden) Organisationen und organisationaler Zusammenarbeit hilfreich bei der Analyse gemeindebasierter Gruppen und ihrer Zusammenarbeit mit internationalen Nichtregierungsorganisationen.

Trotz der Vielfalt bereits vorliegender Forschungsergebnisse bleiben zentrale Fragen bestehen. So ist wenig darüber bekannt, wie genau Interaktionen zwischen Vertretenden von NGOs und communities im Hinblick auf gemeindebasierte Projekte ablaufen, wie der internationale Diskurs zur Förderung von Graswurzelorganisationen lokal vermittelt, umgesetzt und gemeinsam hergestellt wird, und welche organisatorischen Konsequenzen daraus resultieren. Ein vorrangiges Ziel der Arbeit ist es somit, Wissen über die praktische Umsetzung der Graswurzelidee in Projekten und die diesen zugrunde liegenden Rationalitäten und Aushandlungsprozesse zu erlangen. Die Analysen von auf der Mikroebene verorteten Prozessen können ferner zur gouvernementalistischen Machtanalyse beitragen und dabei auch Erkenntnisse für die praktische Entwicklungspraxis bringen. Primär geht es jedoch um die Beschreibung und Analyse des doing grassroots, also der Prozesse der Entwicklungspraktik einer inhaltlichen und organisatorischen Herstellung von gemeindebasierten Graswurzelorganisationen an der Schnittstelle zwischen internationaler NGO und lokalen communities.

Die Forschungsfrage nach der praktischen Zusammenarbeit zwischen der NGO und lokalen communities kann noch spezifiziert werden: So soll in der Arbeit thematisiert werden, wie eine Zusammenarbeit zwischen der NGO und den communities möglich ist und von den Beteiligten gestaltet wird, wie in der Praxis communities und ›Kommunalität‹ gebildet und organisiert werden und welche Rolle die NGO bei der Verbreitung von Organisation als Form der Vergemeinschaftung übernimmt. Weiter ist danach zu fragen, welche Formen und Funktionen die Grenzarbeit und damit einhergehende Aushandlungsprozesse einnehmen, wie also Grenzen hinsichtlich der jeweiligen Aufgaben und Zuständigkeiten gezogen und gegebenenfalls verschoben werden. Das Verständnis, welches die NGO der Förderung der Gemeindegruppen zugrunde legt, ist darüber hinaus zu untersuchen.

 
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