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Teil III: Erhebungsdesign

Im dritten Teil der Arbeit wird sowohl das Vorgehen der Datenerhebung zur Beantwortung der Forschungsfrage erläutert und kritisch reflektiert als auch auf die eingesetzten Auswertungs- und Analyseverfahren eingegangen. Nach einer einführenden Abgrenzung des Forschungsfeldes folgt eine Erläuterung des analytischen Forschungsfokus der Arbeit. Daran anschließend werden der Feldzugang sowie die Auswahl der Beobachtungsorte und -fälle besprochen. Ebenso wird der Verlauf der Feldaufenthalte geschildert und die Umsetzung der eingesetzten Methoden vor Ort thematisiert. Daraufhin werde ich das Vorgehen bei der Auswertung der Daten besprechen, um abschließend auf die, bei der Erhebung aufgetretenen Schwierigkeiten einzugehen und schließlich die Aussagekraft der Arbeit und ihre Ergebnisse (selbst-) kritisch zu reflektieren.

8. Ethnografie und die Konstruktion des Feldes

8.1 Ansatz und Untersuchungsfeld

Die Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen NGO und communities in der Entwicklungszusammenarbeit basiert auf einer ethnografischen Herangehensweise. Diese setzt eine explorative Forschungshaltung dem zu beforschenden Feld gegenüber voraus und ist dadurch jenseits der bestehenden Vorannahmen möglichst offen für "das Unerwartete" (Spieß et al. 2011, S. 10) des Forschungsfeldes. Aufgrund dieser Haltung bietet der ethnografische Ansatz die Möglichkeit, unmittelbare Erfahrungen aus dem beforschten Feld in die Datenerhebung und Analyse aus einer ›dritten Perspektive‹ einfließen zu lassen (vgl. z. B. Lüders 2013; Flick 1995). Letztendlich waren auch internationale und interkulturelle Aspekte der Fragestellung ausschlaggebend für die Wahl eines möglichst offenen Forschungsdesigns, da standardisierte Verfahren in ihrer jeweiligen lokalen Auslegung möglicherweise zu Fehlschlüssen geführt hätten. So konnte ich den Forschungsfragen und dem Forschungsgegenstand weitestgehend gerecht werden (vgl. Lentz 1992).

Neben der Frage der forschungskonzeptionellen Vorgehensweise ist zu klären, was im vorliegenden Fall als das ethnografische ›Feld‹ verstanden wird. In der der Entwicklungsforschung wird die Entwicklungszusammenarbeit in ihrer Form als globale und lokale Alltagsrealität selbst als Gegenstand der Forschung gesehen, wobei nach diesem Ansatz nicht primär entwicklungspolitische Wirkungsanalysen verfolgt werden (vgl. Lachenmann 2011). So kommentieren Spieß et al. (2011):

"Entwicklung" ist in der Komplexität seiner Erscheinungen ‒ von den Projektaktivitäten in afrikanischen Dörfern hin zur Festlegung von Entwicklungsetats in Ministerien und internationalen Organisationen, vom Bau eines Brunnens hin zur diskursiven Konstruktion eines Problems ‒ eine soziale Tatsache. Und als solche ist sie ein potentieller Gegenstand empirischer ethnologischer Forschung, ja sogar von Feldforschung im klassischen Sinne ‒ "dicht über dem Boden" (S. 16).

Entwicklung oder die "Entwicklungswelt" (Lachenmann 2011, S. 217) ist hier als "globalisiertes Aktionsfeld von translokalen epistemischen Communities" (ebd., S. 219) zu verstehen und dem folgend zu erforschen. Eine ähnliche Perspektive fordern auch Büschel / Speich (2009) zur Erforschung von "Entwicklungswelten":

Konkret werden entweder Diskursformationen oder Entwicklungsprojekte als MikroRäume globaler Vergesellschaftung zu untersuchen sein, in denen immer wieder aufs Neue Prozesse sozialer Reproduktion und kulturelle Repräsentationen aufgebracht und Identitäten von Kulturen und Expertise und des Helfens aufeinander bezogen, ausgehandelt und durchgesetzt worden sind (S. 22).

Bei einer solchen Erforschung der Entwicklungswelt sind mehrere erkenntnistheoretische Prämissen zu berücksichtigen. Nach Olivier de Sardan (1997) ist zum einen eine nicht-normative Herangehensweise von besonderer Bedeutung, da das Ziel nicht in einer ideologisch wertenden Forschung bestehen kann, sondern in der Erforschung und Analyse der sozialen Realität. Zudem ist das Feld der Entwicklung ein Aktionsraum verschiedenster Akteure, deren Interaktionen nicht als lineare Zusammenhänge betrachtet werden können, sondern als konfliktreiche Aushandlungsprozesse. Letztlich ist Entwicklung dort zu untersuchen, wo sie stattfindet. Hierbei sind insbesondere die Interaktionen zwischen Vertretenden der Geberorganisationen den Empfängern der Hilfeleistungen in die Forschung einzubeziehen (vgl. S. 42 ff.). Dem folgend wird im nächsten Abschnitt eine analytische Annäherung an das Feld unternommen.

 
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