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11.3 Die Bedeutung der Religion für die Zusammenarbeit

Im Verlauf des ersten Feldaufenthaltes in Sambia brachte Robert, ein lokaler Programmleiter mehrerer Gemeindeprojekte der NGO, bei verschiedenen Gelegenheiten seine Meinung zum Ausdruck, dass er den religiösen Bezug der Organisation verantwortlich für deren Erfolg sehe. Er beschrieb diesen Erfolg weiter, indem er anmerkte, dass alle anderen Hilfsorganisationen in diesem Bereich aufgrund der „Finanzkrise 2008“ Personal entlassen mussten, wohingegen die untersuchte NGO expandierte. Seiner Auffassung zufolge stelle der Glaubensbezug dabei den großen Unterschied gegenüber anderen Organisationen dar (vgl. P1 / 17).[1] Angesichts dieser Aussage scheint es naheliegend, dass sich der religiöse Bezug der NGO in einer größeren und konstanteren Spendenbereitschaft der religiös motivierten Geldgeber ausdrückt, wodurch die NGO selbst in Krisenzeiten konstant arbeiten oder gar expandieren konnte. Einer der Grundwerte der christlich motivierten Unterstützung, so die Annahme, liegt in der generellen Solidarität zu den Mitmenschen. So schreibt Thiesbonenkamp (2009) "Nächstenliebe ist der Grund christlichen Handelns auch in der Entwicklungszusammenarbeit" (S.99). Im Zusammenhang mit der NGO Global Child Aid ist zudem relevant, dass sich die christliche Unterstützung im Besonderen an "Witwen, Waisen, Fremde, Tagelöhner, Menschen in Schuldknechtschaft, Menschen, die bis heute zu den Ärmsten zählen" (ebd., S.98) richtet. In der historischen Betrachtung der Genese von Entwicklungszusammenarbeit ist die christliche Religion untrennbar mit der Entstehung und Geschichte der westlichen Entwicklungszusammenarbeit verbunden, da diese mehr oder weniger direkt aus der christlichen Mission nach Ende des zweiten Weltkrieges hervorging (vgl. Manji / O'Coill 2002; Deneulin / Bano 2009; Thiesbonenkamp 2009). Während die Modernisierungstheorie davon ausgeht, dass Tradition und Religion durch Modernisierungsprozesse überwunden und durch Säkularisierung ins Private verschoben werden würden, kam es aufgrund der Krise der Modernisierung und der Auflösung der großen Ideologien seit den 1990er Jahren sowie angesichts der Folgen des sich zunehmend manifestierenden radikalen Fundamentalismus international zu einer Neubewertung der Bedeutung von Religion für Entwicklung (vgl. Six 2009; Deneulin / Bano 2009, S. 52‒72; Berger 1999). Neben dem Bezug auf die Verbindung zwischen Religion und Entwicklungszusammenarbeit verweist Roberts Aussage jedoch auch auf eine weitere Bedeutungsebene, die sich in der Umsetzung der Arbeit vor Ort, also in den Zielländern der Hilfe der religiös motivierten Spender und Spenderinnen verortet.

Im Folgenden wird die Bedeutung der Religion für die internationale und interorganisationale Entwicklungszusammenarbeit zwischen der NGO und verschiedenen lokalen gemeindebasierten Hilfsinitiativen und -organisationen anhand des vorliegenden Datenmaterials analysiert. Zu Beginn wird dabei auf die Bedeutung der Religion innerhalb der NGO eingegangen, um die Frage zu klären, wie sich diese in der konkreten Arbeit der NGO bemerkbar macht. Daran anschließend wird der Untersuchungsfokus auf die lokalen Partner der NGO, also die Gemeindegruppen, gerichtet, um die Bedeutung der Religion für diese herauszuarbeiten. Darauf aufbauend wird abschließend die Relevanz der Religion für die gemeinsame Projektarbeit von Gemeindegruppen und NGO eruiert.

  • [1] Dieses Argument ist nicht ganz nachzuvollziehen, da die große Mehrheit der nichtstaatlichen Entwicklungsorganisationen über einen religiösen Hintergrund verfügen
 
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