Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Sozialwissenschaften arrow Doing Grassroots
< Zurück   INHALT   Weiter >

12.1.4 Die Koordinierung von Hilfe

In den Gemeinden werden im Zuge der Mobilisierung von Freiwilligen und den vor Ort existierenden Gruppen und Organisationen Gemeindeallianzen gebildet. Ein Mitglied aus einer dieser Allianzen beschreibt diesen Prozess rückblickend wie folgt:

Aston [CSA]: And the formulation came in of the Community Support Alliance. Bringing aboard different stakeholders: Women Club, the churches ‒ different churches ‒ the schools' Parents-Teachers Association, people from the health ‒ no from almost all works of life. Any other structure that existed in the community, was supposed to have representative of their structure as stakeholders in the Community Support Alliance (GD / Sim / 5).

Bei einem der Treffen zwischen der NGO und der Gemeinde wurde demnach die Gründung einer Gemeindeallianz angesprochen, welche die verschiedene Personen und Gruppierungen aus der Gemeinde umfassen sollte. Jede dieser Gruppen wäre dabei aufgefordert worden, ein Mitglied als Repräsentantin oder Repräsentanten in diese Allianz zu entsenden. Ziel war es damit folglich, aus verschiedenen Personen und bestehenden Gruppierungen eine übergeordnete Gesamtgruppenstruktur zu bilden, die sich aus einzelnen Repräsentanten der jeweiligen Gruppen zusammensetzen sollte.

Es stellt sich nun die Frage, warum sich die einzelnen Akteure aus den Gemeinden gerade zu einer Allianz zusammenschließen sollen, wäre es doch ebenfalls denkbar, dass die NGO die einzelnen bestehenden Gruppierungen unterstützen könnte. Die folgende Passage aus einem Interview mit einer Mitarbeiterin der NGO veranschaulicht die Idee hinter der Formierung von Gemeindeallianzen:

I: [Could you] please tell me the story of the CSAs?

Florence: OK. Ahm, the CSAs ‒ which is Community Support Alliance ‒ is a group of people that support ah care givers in the field, where Global Child Aid works. The CSAs are made up of people from different works of life, who have an interest in orphans and vulnerable children. These people could be retired civil servants, they could be retired teachers, they could be people who work at a health facility, or any other person ‒ headmen, and so on. Their role is to support care givers. The care givers go visiting children in various homes ‒ vulnerable children and orphans ‒ checking on their needs, ensuring that they are in good health, they're attending school, and they are able to eat. These care givers needed somebody ‒ a committee to coordinate their work. That's how Global Child Aid thought of establishing the CSAs. In some places, there you may not find CSAs. There're other community cadres that work with the care givers ‒ people like members of the neighbourhood health committees ‒ but in places were Global Child Aid works, sometimes you may not find those cadres. Where they are not in existence, Global Child Aid will establish the CSAs (I / FC / 1).

In dieser Interviewpassage beschreibt Florence die Mitglieder der Allianzen als Menschen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen und -feldern. Das verbindende Element dieser Personen ist jedoch ein Interesse an der Versorgung und Unterstützung von Waisen und vulnerablen Kindern. Weiter beschreibt Florence den Sinn der von der NGO initiierten Gemeindeallianzen in der Vernetzung dieser verschiedenen lokalen Akteure und der Unterstützung und Koordination der von care giver vor Ort geleisteten Arbeit.

Florence: We have a lot of community volunteers in Zambia. We have Malaria Agents, we have SMUGS, support groups for maternal child health, we have Child Growth Promotion Helpers, and these are there to take measurements of babies ‒ under-fives. So we have many, many groups of community volunteers who help in one way or the other. Just like the CSAs are there, but their role is to coordinate all the activities of the care givers, those who deal with malaria, those who deal with under-fives, those who deal with OVCs ‒ they are working, but they need a supportive committee to encourage them do the work. That's who the CSAs link to these other cadres. They are like an umbrella (I / FC / 1).

Nach dem Bild, das Florence beispielhaft für Sambia beschreibt, gibt es eine Vielzahl staatlicher und nichtstaatlicher, lokaler Akteure in den Gemeinden, die sie zwar als "working" beziehungsweise aktiv und arbeitsfähig bezeichnet, während sie ihre Aktivitäten hingegen als nicht untereinander abgestimmt beurteilt. Zu diesem Zweck bedürfe es eines strukturellen Überbaus, der sich

"wie ein Schirm" über die anderen Aktivitäten und Akteure spannt, sie vereint und unterstützt und dabei in der Lage ist, bereits existierende Hilfestrukturen und Akteure einzubeziehen und zu vernetzen. Die Bereitschaft der Menschen zu helfen wäre demnach vorhanden, genauso wie die verschiedenen Strukturen. Diese müssten jedoch zentral koordiniert und aufeinander abgestimmt werden. Im weiteren Gespräch konkretisiert Florence ihre Aussage: "They are already there, but some of them, their work is not coordinated. So Global Child Aid only brings in the CSAs when there is no equivalent committee to play that role of coordinating the work among the OVCs" (I / FC / 2). Francis, ebenfalls Mitarbeiter der NGO, vertritt eine ähnlich Auffassung hinsichtlich der Funktion und Fähigkeiten der Gemeindegruppen:

Francis: So as we interact, ah ‒ you asked the question of how does Global Child Aid interact with the community ‒ ah, in the mobilization for care and support for orphans and vulnerable children, there is a point where we look at capacity areas, for example.

We look at those capacity areas, where we ‒ we have meetings in the community. And after doing a situational analysis, we find the needs, ah, the needs of the community and upon those needs we look at the resources that is available to this, ah, group of stakeholders and you'll notice that each one of them will bring on the table what is required. And it is this that requires to be coordinated. The effort that is required to be coordinated (I / FG / 2 f.).

Die nötigen Ressourcen und die Motivation zu helfen wären also bereits in den Gemeinden vorhanden und es bedarf lediglich der Koordination dieser Hilfeleistungen. Aus Sicht der Mitarbeitenden der NGO ist es das Ziel, die bereits geleisteten Aktivitäten und existierenden Akteure mit Hilfe der Allianzkomitees zu koordinieren und die von ihnen geleistete Arbeit dadurch effektiver zu gestalten.

Im Laufe der Projektarbeit können die Allianzstrukturen zudem unterschiedlich komplexe Formen annehmen. Ein wesentlicher Teil der Formierung der Gemeindeallianzen ist eine Rollenverteilung unter den Mitgliedern und die Bildung komplexer Strukturen. Hinsichtlich der Rollen kann eine Unterteilung von zwei Gruppen ausgemacht werden. So gibt es zum einen die home visitors oder care giver, also Personen, die vulnerable Kinder und kranke Menschen in den Gemeinden identifizieren und sie in ihrem Zuhause besuchen, um sie zu pflegen und zu unterstützen. Zum anderen wird aus den Reihen der Allianzmitglieder ein Vorstand beziehungsweise ein coordinating oder steering committee gewählt, das der Allianz vorsteht. Die Gemeindeallianzen können dabei unterschiedliche Formen und Strukturen annehmen. Diese reichen von sehr einfachen Gruppierungen, die nur aus einer Gruppe von Pflegenden in einem Dorf bestehen und sowohl die Pflege als auch die Koordination der Aktivitäten übernehmen, bis hin zu mehrstufig aufgebauten Strukturen, die über einen weiten geografischen Raum verteilt sind. Der folgende Auszug aus einem im Rahmen der Untersuchung angefertigten Gutachtenbericht über eine dieser Gruppen in Sambia verdeutlicht die mögliche Komplexität der Allianzstrukturen:

Members have been trained in 2009 and brought the idea of forming an overall executive committee, integrating and coordinating the efforts of all community committees in the zone, since they realized that they were all concerned with caring for HIV and AIDS and other sectors of care. Today they even the subcommittees have been split up into subgroups and they amount up to 24 groups in total (R / S / 3).

Wie aus diesem besonderen Fall hervorgeht, haben sich einzelne Gruppen in einem Gebiet zusammengeschlossen und ein übergeordnetes Komitee gebildet, welches sich über den gesamten Verwaltungsbereich mehrerer Dörfer erstreckt. Die untergeordneten Gruppen haben sich daraufhin ebenfalls unterteilt, um kleinere geografische Bereiche abzudecken. Strukturell kann zwischen weitgehend koordinierenden Gruppen (Steuerungskomitees), die auf verschiedenen Verwaltungsebenen angesiedelt sein können, und lokalen, implementierenden Gruppen unterschieden werden. Letztere leisten in erster Linie unmittelbar vor Ort die Pflege und Unterstützungsarbeit und können dabei entweder zusätzlich koordinierende Aufgaben übernehmen oder Repräsentanten in die übergeordneten Komitees delegieren.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften