< Zurück   INHALT   Weiter >

12.2.2 Training als Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten

Die Trainings, welche die NGO den Gemeindegruppen anbietet, basieren grundsätzlich auf der Vermittlung von Wissen und praktischen Fähigkeiten im Sinne von Empowerment. Den Trainings liegt eine grundsätzliche Präventions und Aufklärungsarbeit zugrunde, durch welche den Gemeindegruppenmitgliedern die von der NGO als relevant erachteten Probleme und Lösungsansätze vermittelt werden. Zu diesem Zweck werden beispielsweise Methoden wie community conversations, auch c-change genannt, eingesetzt (vgl. I / FG / 14ff.). Hierbei handelt es sich um Gruppenmethoden zur Reflexion der lokalen Lebensumstände, zur Identifikation von Problemen und dafür zur Verfügung stehenden Ressourcen und Lösungsstrategien. Ebenso werden Möglichkeiten der advocacy oder Anwaltschaftsarbeit thematisiert, um seitens der Gemeindegruppenmitglieder anzuregen, für ihre Interessen oder die von Schutzbedürftigen einzustehen. Das durch diese Form der Sensibilisierung von der NGO angestrebte Ziel ist es, die Gemeindegruppenmitglieder zur Wahrnehmung bestimmter Problembereiche zu leiten, die Selbsterkenntnis zu fördern und Handlungsmöglichkeiten und bedarfe aufzuzeigen. So soll aus Sicht der NGO ein Problembewusstsein geschaffen werden, das zu einem Handlungsdruck zur Veränderung der vorherrschenden Situation führt und zugleich Handlungsmöglichkeiten aufzeigt und einräumt. Es wird unterstellt, dass die Menschen, wenn sie genügend Informationen haben, dazu in der Lage sind, rationale Entscheidungen zu treffen und diese unter Anleitung in geplante Aktionen und Aktivitäten transferieren können.

Nach einer vorangehenden Analyse der Trainingsbedarfe werden den Gemeindegruppen entlang eines Aktionsplans spezifische Trainings in Feldern angeboten, die relevant für den Umgang und die Pflege von Kindern und chronisch kranken Menschen angesehen werden, wie aus dem untenstehenden Interviewauszug hervorgeht.

Thandi: After the action plan is done, the follow up now is trainings: what specific trainings does this Community Support Alliance need? […] So when the OVCs are identified, then they ‒ that is after the home-visitors also have been identified, then now you give them training. So the training that they have is home-based care, psychosocial support, child protection, all these other trainings that come with taking care of children and also taking care of the chronically ill (I / TA / 5).

Die als relevant angesehenen Fähigkeiten liegen dabei im Bereich der häuslichen Pflege (home-based care), die in der Sprache der NGO oft als HBC abgekürzt wird, psychosoziale Unterstützung (psychosocial support), entsprechend als PSS abgekürzt, und im Kinderschutz (child protection), wofür das technische Kürzel CP verwendet wird. Neben den verschiedenen Modulen gibt es unterschiedliche Trainingsmodelle, die je nach lokalem Partner variieren können. So gibt es spezielle Modelle, die auf kirchliche oder glaubensbasierte Partner ausrichtet sind. Im folgenden Interviewauszug beschreibt Thandi ein solches Trainingsmodell, das speziell für Kirchengemeinden entwickelt wurde:

Thandi: […] My role is to conduct trainings using that model in our areas of operation. It's a very, very good curriculum, because within that curricula we have prevention, we also have care and support for orphans and vulnerable children, and we also have care and support for chronically ill. So meaning, after we have done the Routes of Confidence training, that is a sensitization of what HIV is all about, we tend to do a formational, what we call FSGs. These FSGs are communities that are mobilized within the churches and they are trained in home-based care. Once they are trained in home-based care, their role is to do home-visits for chronically ill, and also psychosocial support is provided to the children ‒ all that is done through trainings (I / TA / 2).

Das Training folgt demnach einem Curriculum, dem entsprechend zuerst eine Sensibilisierung zum Thema HIV und AIDS durchgeführt wird und, darauf aufbauend, bestimmte technische Fertigkeiten zur Pflege und psychosozialen Unterstützung für Kinder sowie HIV- und AIDS-betroffenen Personen vermittelt werden, die sie während der Hausbesuche bei den Betroffenen anwenden können. Mit den Trainings wird somit eine Professionalisierung der Helfenden aus den Gemeinden angestrebt. Durch das im Interviewausschnitt zitierte Trainingskonzept werden darüber hinaus speziell Mitglieder einzelner Kirchengemeinden, die sich in der Gemeinde im Bereich der häuslichen Pflege engagieren, innerhalb ihrer Kirchengemeinden zu Hausbesuchergruppen formiert, sogenannten Faith Support Groups (FSGs). Diese speziellen Kirchengemeindegruppen können innerhalb der Gemeinden wiederum Teil der übergeordneten CSAs sein.

Auf die Frage der Wirkung der Trainingsmodule und der diversen Unterstützungsmodelle antwortet eine Mitarbeiterin der NGO folgendes:

I: OK. So when you look back since the CSAs were introduced, what do you think was doing very well, or what was ‒ what are success stories?

Florence: […] One good thing about the CSAs is the commitment they have to help children who are vulnerable or orphaned, mainly orphaned because of HIV / AIDS. HIV / AIDS prevalence in Zambia is high at 14%, and this has resulted in having a lot of children without parents. They lose their parents while they are young. In Zambia, community members have a lot of sympathy in that state. The community themselves take care of those children and help them. Global Child Aid was just building on the natural spirit, the goodwill of the people, to try and organize them and help them to work in a more coordinated fashion and also to scale up their work. So, the people were already helping orphans, even before Global Child Aid moved in. But they didn't have certain skills like how to check if a child had fever or what, how to manage fever, they didn't know how to know ‒ to check whether a child was malnourished, they didn't know how – what to do for a chronically ill person. So Global Child Aid began to build their capacity in home based care for sick parents, so that the parents could live longer and look after their children, They also trained these care givers to ensure that every child received vaccination. They trained the care givers on how to prevent malaria, the use of bed nets. So all this work was meant to help the communities, who were kind enough to help, to do their work more efficiently and more effectively (I / FC / 2).

Die Gemeindemitglieder werden von Florence als sehr engagiert aber nicht sehr effektiv in ihrer Arbeit dargestellt. Die Funktion der Trainings wäre es, zu helfen, ihre Fähigkeiten zu verbessern und sie dadurch effektiver in ihrer Hilfeleistung zu machen. Anhand der beiden Beispiele lässt sich exemplarisch festhal- ten, dass es sich bei den Trainings um ein Verständnis der Vermittlung technischen Wissens zwischen Trainern und den lokalen Partnern handelt. Bei diesen Trainings sollen Fachkenntnisse vermittelt werden, die die Freiwilligen grundlegend über die Risiken der Hilfe aufklären und ihnen somit eine sichere Ausübung ihrer Hilfeaktivitäten ermöglichen, wodurch gleichzeitig eine Sensibilisierung für besondere Lebenslagen und Probleme geschaffen werden soll. Letztlich soll die Hilfe in Form der Trainings aus Sicht der NGO auch dazu dienen, die von den freiwilligen Helfern vor Ort in den Gemeinden geleistete Hilfe qualitativ zu verbessern und die Arbeit der Pflegenden damit zu einem gewissen Grad zu professionalisieren und in lokalen Gruppen zu koordinieren. Dementsprechend beschreibt Francis im folgenden Interviewauszug seine Sicht auf die Wirkungen der Trainings:

Francis: The other something ‒ I mean the other thing that is very striking is that the levels of, the education levels of these people, you know, is really of low level. But when you look at the work that they are doing, you'd regard it to be of really very high, ah, level in terms of caring. They are able to notice to say: this person requires referral. And they'll be able to give advice there, they will counsel this person, they'll escort this person to the nearest clinic. The work that a trained health worker could do, you know. But because of the, ah, the capacity building, ah, interventions or activities that we do with them, it really helps them to do the work they are currently doing (I / FG / 5).

Francis beschreibt die Hilfe der NGO anhand der Professionalisierung der Gemeindemitglieder, die ihm zufolge dazu fähig wären, trotz geringer Schulbildung die Arbeit ausgebildeter health worker zu erledigen und qualitativ hochwertige Unterstützung zu leisten. Neben dieser angestrebten Professionalisierung geht einher, dass die Vermittlung von Wissen in den Trainings auch als Standarisierung der Hilfepraktiken verstanden werden kann, wenn ein bestimmter Umgang mit kranken Menschen und bei der Versorgung von Kindern gelehrt wird.

Neben der Ausbildung in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen werden die Gemeindegruppen materiell durch die NGO mittels GIK (gifts in kind) unterstützt. Dabei handelt es sich um Sachspenden, welche die Arbeit der Gemeindegruppen bei Hausbesuchen und der Pflege von Kindern und kranken Menschen fördern sollen. Dies können zum Beispiel Fahrräder für die leichtere Bewältigung weiter Strecken oder Arzneikoffer zur lokalen Behandlung einfacher Erkrankungen sein (vgl. z. B. GD / Nan / 2; R / U / 16). Von den Gemeindegruppen wird darüber hinaus seitens der NGO erwartet, dass sie durch Spenden aus den Gemeinden, durch die Kollekte in der Kirche oder über Mitgliedsbeiträge ihrer Mitglieder selbst Ressourcen für ihre Aktivitäten mobilisieren. Die NGO versucht jedoch in den Gemeindegruppen sogenannte income generating activities, in der Sprache der NGO kurz IGAs genannt, zu initiieren (vgl. z. B. I / TA / 11). Dafür werden von den Gemeindegruppen betriebene Wirtschaftsaktivitäten mit materiellen Zuschüssen gefördert, um die Hilfeleistungen durch längerfristige Gewinne zu finanzieren. So besteht das capacity building in der Vermittlung von Wissen hinsichtlich der Pflegefähigkeiten, aber auch hinsichtlich der Erleichterung der Pflegearbeit und der Finanzierungsmöglichkeiten der Hilfebemühungen.

Schließlich ist anzumerken, dass die Trainings entweder von NGOMitarbeitenden, wie den development facilitators, selbst durchgeführt werden oder durch von der NGO beauftragte externe Expertinnen und Experten. So können Pflegekräfte oder Mitarbeitende aus dem Gesundheitsministerium zu gesundheitsbezogenen Trainings hinzugezogen werden, ebenso wie die Polizei oder Sozialarbeitende an Trainings im Bereich des Kinderschutzes beteiligt sein können, damit sie einen inhaltlichen Beitrag leisten und um sie zugleich mit den Gemeindegruppen zu vernetzen. Die im Anschluss an die Trainings vergebenen Zeugnisse und Zertifikate sind unter den Teilnehmenden sehr gefragt, da sie nach Ende des Kooperationszeitraums als Nachweis über Qualifikationen in Form von erlerntem (standardisiertem) Wissen und Fähigkeiten hilfreich werden können. Durch diese Nachweise kann das Selbstwertgefühl und die Reputation der Freiwilligen und die Anerkennung ihrer Tätigkeiten in den Gemeinden gesteigert werden. Zudem können diese Qualifikationsbelege dazu nützlich sein, in die Projektarbeit anderer NGOs einbezogen zu werden.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >