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12.2.3 Trainings zur Organisationsentwicklung

Neben der Übermittlung von technischem und medizinischem Fachwissen werden von der NGO Trainings durchgeführt, die insbesondere die organisatorischen Fähigkeiten der Gruppen verbessern sollen. Der folgende Abschnitt stellt die Inhalte dieser Trainings vor und beleuchtet die den Trainings zugrunde liegenden Ziele des Aufbaus von Organisationsstrukturen. Dafür soll zuerst auf das organisational capacity building (OCB) eingegangen werden, welches besonders geeignet scheint, die Perspektive und die Intention der NGO zur Durchführung solcher Trainings zu veranschaulichen.

Im Folgenden werden anhand des aufgeführten Interviewauszuges aus einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Nationalbüros der NGO der Einsatz und der Zweck von Maßnahmen zum organisational capacity building in Gemeindegruppen besprochen. Teil der Aufgabe der befragten Mitarbeiterin ist die Durchführung von Weiterbildungen für andere Mitarbeitende der NGO, die in und mit den Gemeindegruppen arbeiten.

I: Could you please explain what organisational capacity building ‒ what is the point of

organisational capacity building, what are you doing?

Thandi: OK. The point for organisational capacity building is to build capacities of the community-based organisations. If you look at the time when CBOs are formed, they are mobilized ‒ these are community volunteers, who are brought together for a cause. Once they are mobilized, there is no one hundred percent guarantee that they know and understand how to run their organisation. This is where OCB comes in. So the essence of OCB is at ‒ it has a first step and the first step is Appreciative Inquiry concept of Organisational Self-Assessment. An assessment is done within the community-based organisation to see at what level they are, what it is that they are doing so well, what they can do to improve it and make it fully running. So this is where organisational capacity building comes in. So Global Child Aid has introduced this model in order to ensure that the CBOs are sustainable and the CBOs are independent from Global Child Aid. Without capacity building they may not be able to stand on their own and they may not be able to continue from where Global Child Aid would have stopped at the time of its transition (I / TA / 7 f.).

Auf die Frage nach dem Zweck von OCB-Maßnahmen antwortet Thandi, dass das Ziel der Trainings darin bestehe, die Fähigkeiten der gemeindebasierten Organisationen zu fördern. Den Gemeindegruppen sollte demnach durch die Trainings vermittelt werden, wie eine Organisation geführt wird. Die OCB- Maßnahmen folgen ihren Ausführungen zufolge mehreren idealtypischen Arbeitsschritten. Basierend auf der Mobilisierung der Gemeindegruppen werden Organisationsstrukturen geschaffen. Darauf folgend werden in einer Selbstevaluation, dem organisational self-assessment (OSA) in Form der appreciative inquiry (AI), welche die Errungenschaften der Gemeindegruppenmitglieder hervorhebt, untersucht, welchen Entwicklungsstand die gemeindebasierten Organisationen aufweisen. Entsprechend der Fähigkeit der Organisationen sollen bestehende Defizite und Maßnahmen zu deren Überwindung identifiziert werden, um die CSAs voll funktionsfähig zu machen. Das Ziel des Trainingsmodells wird mit dem nachhaltigen Fortbestehen der Gemeindegruppen nach der transition, dem Ende der Förderzeit, und der generellen Unabhängigkeit von der Unterstützung durch die NGO beschrieben. OCB ist in diesem Kontext die Vermittlung von Wissen, welches aus Sicht der NGO benötigt wird, um die Organisationsfähigkeit der gemeindebasierten Organisationen herzustellen.

Um einen Einblick in die Logik der Organisationsbildung zu erhalten lohnt es, das Trainingsverständnis genauer zu betrachten. Das OCB ist dabei in mehrere Module gegliedert, die je nach Bedarf entsprechende Trainingsinhalte vermitteln sollen. Die Funktion der Trainings wird im Interviewauszug mit Florence beschrieben:

I: OK. And what is the role of OCB, of organisational capacity building in this construct?

Florence: OK, the organisational capacity building is just a training manual, that Global Child Aid has developed to build the capacity of the CBOs. The main focus is to strengthen the CSAs. The CSAs have been working under HIV to support vulnerable children and the OCB has proved to be very successful in improving the capacity. For example, helping the CSAs to look at themselves as an organisation and to try to strengthen factors which are essential for a functional organisation. For example to improve or build leadership in that group, to build financial management skills and budgeting, to be able to manage group dynamics. So, the OCB is just a training curriculum, which has been put together to build the capacity of these community-based organisations like the CSAs, to make sure that their work, which they perform in the community, is sustained. So it is meant to build the sustainability of these CBOs.

I: So, does this mean that before OCB was introduced, many CBOs have not been sustainable? Or that this was a weak spot?

Florence: Before OCB was introduced, the CSAs were already formed and where operating ‒ they were working. Some have been working well, others have a lot of difficulties. So, the OCB curriculum was just to assist especially those who are in need of basic skills to run ‒ for example, maintaining good records. It is through the OCB training that they learn how to maintain good records. Before this training was introduced, CBOs used to do record keeping ‒ sometimes badly, sometimes very well, sometimes not at all. But, the training is actually meant to enhance their capacity (I / FG / 2).

Das OCB richtet sich demzufolge an den verschiedenen Organisationsbedarfen der Gemeindegruppen aus. Ziel dabei ist es, die Aktivitäten der Gemeindegruppen nachhaltig zu gestalten. Neben den erwähnten Modulen zu budgeting, leadership und reporting für das erfolgreiche Betreiben einer Organisation ist ein grundlegender Teil des OCB auf die Etablierung von Organisationsstrukturen an sich ausgerichtet. So berichtet Francis:

Francis: […] And then, ah, in most cases we insist that there should be organisational structures. For example, the chair person, the secretary, the what ‒ and then themselves, they know themselves very well, they'll come up with a constitution, to say these people that we are putting in place, who'll work in these positions, say for example for two years, then again we change, again they make fresh arrangements, meaning: putting the people in the positions. Our role as Global Child Aid is to facilitate the process (I / FG / 3).

Ein solcher Aufbau von Organisationsstrukturen erfolgt über eine Ausdifferenzierung von Rollen und damit einhergehender Arbeitsteilung und Verantwortungszuschreibung unter den Gruppenmitgliedern. Es wird also eine äußerliche und innerliche Strukturierung der Gemeindegruppen vorgenommen. Die Rolle der NGO bei diesem Prozess wird einerseits in der Vergabe von Anweisungen beschrieben wie etwa dem Bestehen auf eine Ausdifferenzierung der Organisationsstrukturen ("we insist"). Andererseits sieht sich die NGO in der Rolle der Moderation und Begleitung dieses Organisationsbildungsprozesses. Das rationale Organisieren durch die Trainings stellt zweierlei Formen von Effektivitätssteigerung dar: Erstens wird dadurch die lokale Hilfe vereint sowie koordinier- und steuerbar. Zweitens wird innerhalb dieser Vereinigung wiederum eine Arbeits- und Aufgabenteilung vorgenommen. Entwicklung als Organisierung wird demnach als rationale und effektive Aufteilung von Aufgaben sowie Steuerung der Gemeindegruppenaktivitäten verstanden.

Mit der Ausdifferenzierung der Gruppenstrukturen geht bei der Organisationsbildung auch eine Dokumentation der Aktivitäten einher. Die Gemeinde- gruppen werden dazu angehalten, auf ihren Treffen Protokolle (minutes) zu erstellen und Akten über die Kinder und Klienten der häuslichen Pflege anzulegen und weiterzuführen (record-keeping). Die Gruppen werden also aufgefordert, ihre Entscheidungen und Aktionen zu verschriftlichen. Die Dokumentation wird ebenfalls in andere Bereiche der Organisationsführung übernommen. Hier ist sicherlich in erster Linie das Monitoring und Reporting zu nennen, es finden sich aber auch andere Formen, wie das Führen eines Gästebuches (visitors book), die Erstellung eines Organigramms der Organisationsstruktur (vgl. Abb. 5), die Festlegung einer Verfassung sowie die Ausformulierung einer mission und vision der Organisation bis hin zur Gestaltung eines Logo.

Abb. 5: Plakat der Organisationsstruktur einer CBO (Quelle: Andreas Wagner)

In den Gemeinden, in welchen die Gruppen Büroräume zur Verfügung haben, etwa in einer Schule, einem Gemeindezentrum oder vergleichbaren Einrichtungen, fällt eine Allgegenwart von Flipchartbögen auf. Diese sind Ergebnisse verschiedener Workshops: So können beispielsweise Bögen mit Karten des Arbeitsgebietes vorgefunden werden. Eine große Bedeutung bei der Verschriftlichung und beim Berichtswesen kommt Zahlen zu: Augenscheinlich sind die Ansammlungen verschiedenster Listen und Statistiken, auf denen die Kinder erfasst sind, die von den Gemeindegruppen unterstützt werden (vgl. Fehler! erweisquelle konnte nicht gefunden werden.6). Ebenso werden soziodemografische Daten der Kinder gesammelt und Besuche vermerkt. Es wird die Art der Hilfe festgehalten und Bedarfe eingetragen. Somit ist eine Buchführung über die Aktivitäten der Gemeindegruppen gewährleistet, die das Monitoring der Kinder wie auch ein Berichtswesen gegenüber der NGO ermöglicht.

Abb. 6: Statistiken im Büro einer äthiopischen CBO (Quelle: Andreas Wagner)

Von großer Bedeutung für die Zusammenarbeit mit anderen NGOs oder staatlichen Institutionen, ist die Registrierung der Gemeindegruppen als offizielle Gemeindeorganisationen.

Thandi: So meaning, CSA is a term that Global Child Aid just uses, but a CSA is likened to a CBO. So for a CSA really to fully qualify to be termed as a CBO, it needs to be registered. And when it is registered with the Registrar of Society of Zambia to say that it is a fully fledged community-based organisation, then you can call it that. And of course, with the Registrar of Society for any CBO to be registered and to qualify, there is a certain on that they have to follow. It must have a constitution, it must have a leadership in place, it must have members, you know, etc., etc. So those things need to be tabled before the registrar for them to be certified to say: this is a community-based organisation (I / TA / 7).

Mit Hilfe dieser Registrierung werden die Gemeindegruppen zu legalen Organisationen, was mit einem Zertifikat belegt wird. Hierfür müssen die Gemeindegruppen bestimmte, landesspezifische Voraussetzungen erfüllen. So müssen in Sambia beispielsweise eine Verfassung und Zielausrichtung ausgearbeitet und Sitzungsprotkolle ("minutes") ihrer Treffen vorgelegt werden. Eine eigener Name sowie ein Logo, Slogan, eine Organisationsvision und -mission, die im Zuge des OCB ausgearbeitet werden (vgl. Abb. 7; Abb. 88), können und sollen zu einer Identitätsbildung der Gemeindeorganisation als solcher beitragen, zumindest aber sind sie Teil des Formalisierungsprozesses, der die Gemeindegruppen zu formell anerkannten Gemeindeorganisationen werden lässt. Die Registrierung stellt folglich einen entscheidenden Schritt zur Formalisierung der Gemeindegruppen dar. Den registrierten Organisationen stehen durch die Registrierung Zugänge zu Förderstrukturen offen, die zur Legitimation und Absicherung ihrer Fördermittel materielle und finanzielle Hilfe nur an registrierte Organisationen geben dürfen und nicht an informelle Gemeindegruppen. Über die Registrierung und die an die NGO angelegten Arbeitsweisen wird die Gemeindegruppe von einem losen Netzwerk zu einer formellen, wenn auch nur partiellen Organisation (vgl. Ahrne / Brunsson 2011), da sie gleichzeitig eine Gemeindegruppe von Freiwilligen ist und keine vollständige professionalisierte und formalisierte Organisation.

Abb. 7: Name, Logo und Vision Statement einer CBO in Sambia (Quelle: Andreas Wagner)

Abb. 8: Name, Logo, Vision und Mission Statement einer CBO (Quelle: Andreas Wagner)

Die Ziele des OCB sind es letztlich, durch Organisationsbildung zur Effektivitätssteigerung der Gemeindegruppen beizutragen und die Anschlussfähigkeit der Gemeindeorganisationen an Geberstrukturen herzustellen. Vom Training wird zudem erwartet, dass es die Nachhaltigkeit der Gemeindestrukturen verbessern wird. Neben der Standardisierung der Arbeitsweisen wird die Formalisierung der Gemeindegruppen angestrebt. Standardisierung und Formalisierung können unter dem Aspekt durchaus als Mittel der Effektivitäts- und Nachhaltigkeitssteigerung angesehen werden. Sie stellen darüber hinaus aber auch externe Anforderungen für eine Zusammenarbeit dar, wodurch diese Prozesse innerhalb der Gemeinden nachfragebedingt erfolgen.

 
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