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12.2.4 Anpassung der Trainingsmethoden

Nach Aussage von Mitarbeitenden der NGO ist bei der Arbeit mit den Gemeindegruppen eine besondere Haltung einzunehmen. Während eines Weiterbildungsworkshops mit Mitarbeitenden der NGO, die direkt in den Gemeinden tätig sind, wird der Hinweis gegeben, dass es für den Erfolg von Trainingsmaßnahmen besonders wichtig wäre, dass die Trainer es schaffen, einen Bezug zur Alltagswelt der lokalen Partner herzustellen, wie folgender Protokollauszug zeigt: "Introduce the topic and its objectives and show that it relates to their daily life – sehr wichtig, da es auf eine andere Art wahrscheinlich nicht funktionieren wird" (P1 / 20). Es sollen also Klarheit über die Ziele der Trainingseinheiten hergestellt und der Bezug zum täglichen Leben sowie zur Freiwilligenarbeit der Teilnehmenden offensichtlich gemacht werden. Die Relevanz der Trainings muss den Teilnehmenden folglich klar werden, um ihnen die Inhalte erfolgreich vermitteln zu können.

Des Weiteren kann beobachtet werden, wie die Mitarbeitenden der NGO versuchen, ihre Aussagen anhand praktischer Beispiele zu veranschaulichen. Die Trainingsmethoden, die bei Weiterbildungsmaßnahmen eingesetzt werden, sind zudem in ihrem Abstraktionsgrad stark an den lokalen Kontext der Subsistenzbauern angepasst und werden anhand alltagsnaher Beispiele veranschaulicht. Die Gemeindegruppen werden in Trainings beispielsweise mit Bäumen verglichen und abstrakte Rankings ihrer Eigenschaften und Fähigkeiten am Beispiel des Reifegrades von Früchten naturalisiert veranschaulicht (vgl. Abb. 9). So richtet sich eine der Mitarbeiterinnen der NGO bei der Vorbereitung eines Workshops an ihre Kollegen: "Don't go into detail, we don't want to confuse them" (P1 / 31). Die Mitarbeitenden der NGO sollen vielmehr im Rahmen der OCBTrainings Aspekte aus den Erzählungen der Gemeindemitglieder in abstrakte Organisationskonzepte übersetzen (vgl. P1 / 27).

Abb. 9: Darstellung verschiedener capacities einer CBO während eines OCB-Workshops (Quelle: Andreas Wagner)

Eine weitere Vorgabe an die Mitarbeitenden der NGO im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern bei den Trainings ist, dass die Aussagen und Inhalte präzise und eindeutig formuliert sein sollen. Exemplarisch kann hierfür ein Beispiel aus einem Training von facilitators der NGO angeführt werden: "Nachdem eine Tabelle eines business plan projiziert wird, meint Francis zum Erstellen der Tabelle / des action plan an, dass dieser präzise formu- liert sein muss, damit die Gemeinde diesen eindeutig und gleich versteht. Wer macht was und wann usw." (P1 / 86). Hier wird insbesondere die unmissverständliche Festlegung von Rollen und Aufgaben genannt. Genauso sollen aber auch die während der Workshops und der Trainings verwendeten Materialien, Diagramme und Aufschriebe eindeutig, präzise und verständlich formuliert sein.

In Bezug auf die Haltung, vor allem bei evaluativen Erhebungen, gibt es spezifische Handlungsanweisungen oder Verhaltenshinweise an die Mitarbeitenden der NGO. So wird beispielsweise in den assessment manuals speziell die Methode der appreciative inquiry genannt. Mit dieser Methode soll bei der Beurteilung von Aktivitäten der Gemeindegruppen eine motivierende Haltung eingenommen werden, indem ganz besonders die positiven Errungenschaften und Leistungen der lokalen Partner betont und Defizite lediglich als potentielle Entwicklungsbereiche ausgewiesen werden.

Wie aus diesen Beispielen ersichtlich wird, werden den Trainern und den facilitators bestimmte Fähigkeiten abverlangt. Diese Anforderungen gehen ursächlich auf das Argument zurück, dass die Gemeindemitglieder Freiwillige wären, die ihre Ressourcen wie Zeit, Arbeit und Geld in den Dienst ihrer Nachbarn stellen würden und deren Engagement es zu fördern gelte. In der Tat sind die Gemeindemitglieder in der Hauptsache zumeist Subsistenzlandwirte und der Dienst an der Gemeinde ist daher ihrer eigenen Haupttätigkeit untergeordnet. Viele der Gemeindegruppenmitglieder haben dementsprechend nicht die Möglichkeit, sich in Trainingsoder Weiterbildungsmaßnahmen vollkommen auf die Inhalte zu konzentrieren. Hinzu kommt, dass sie zumeist keine (weiterführende) formelle Schulbildung erhalten haben, also nicht unbedingt alle von ihnen lesen und schreiben können und sie unter Umständen wenig Erfahrung mit komplexeren Kalkulationen haben. Dem entsprechend gilt es seitens der NGO die Erfolge und Stärken der lokalen Partner hervorzuheben und nicht auf ihre Mängel und Unzulänglichkeiten hinzuweisen, um die freiwillig Helfenden weiter zu motivieren.

Die NGO muss somit ihre Arbeitsmethoden, die Arbeitsmaterialien und die Arbeitszeiten an die Fähigkeiten und Arbeitszyklen der Gemeindegruppenmitglieder anpassen beziehungsweise sich ihnen unterordnen. So müssen Tageszei-ten bei der Vereinbarung von Terminen beachtet werden sowie saisonale Arbeitszyklen, wie beispielsweise die Erntezeit oder die Bestellung der Felder während der Regenzeit. Ebenso können die Mitarbeitenden der NGO bei Treffen nicht mit der Pünktlichkeit der Gemeindegruppenmitglieder rechnen, sondern müssen hierfür einen breiteren Zeitkorridor einplanen, da sich die Gemeindegruppenmitglieder beispielsweise bei der Feldarbeit nach dem Stand der Sonne richten können oder zuerst ihre Arbeit erledigen müssen. Die Anforderungen der NGO müssten gleichfalls an die Geschwindigkeit der Gemeindemitglieder angepasst werden und deren Möglichkeiten und Fähigkeiten entsprechen. So kann es als unhöflich angesehen werden, wenn Treffen schnell abgeschlossen werden sollen, anstelle sich Zeit für ein Gespräch zu nehmen, wobei die Gespräche dabei vom Hauptinhalt abschweifen können, wie eine Mitarbeiterin in einem Workshops anmerkte (vgl. P1 / 20; I / FG / 12 ff.).

Die NGO setzt bei ihrer Arbeit verschiedene Modelle, Methoden und tools ein. Das zugrunde liegende Verständnis ist das, dass technische Lösungen, Handreichungen und methodologische Werkzeuge in der Lage sind, in sehr unterschiedlichen Kontexten und sehr komplexen Sachverhalten und sozialen Zusammenhängen die Projekte umzusetzen und die gesetzten Ziele zu erreichen. Den Trainings kommt eine einübende Funktion zu. Für den Fall, dass Modelle oder Trainingsinhalte nicht genauso umgesetzt werden, wie sie vermittelt wurden oder funktionieren sollen, wird seitens der NGO der Bedarf an "follow-up" (vgl. z. B. P1 / 37) oder "refresher courses" (vgl. z. B. P2 / 23) gedeutet. Dabei wird ein Bild von Gemeindemitgliedern gezeichnet, dem zufolge diese engagiert und naturverbunden sind, darüber hinaus aber auch weitgehend ungebildet und leicht zu überfordern. Die Ziele der Trainings haben demnach nicht zum Ziel, die Gemeindegruppen als professionelle Sozialarbeitende auszubilden, sondern als sachkundige und kompetente Gemeindehelfende. Die Anpassung der Trainingsmethoden entspricht dadurch dem Versuch, die Inhalte dem Bildungsniveau der Gemeindegruppenmitglieder entsprechend aufzubereiten und zu vermitteln.

 
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