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13.2 Ressourcen, Aufgaben und Partizipation

Die zur Verfügung stehenden Ressourcen und ihr Einsatz spielen eine bedeutende Rolle für das Verhältnis von NGO und Gemeindegruppen. Im Folgenden werden die Wirkungen und damit verbundenen Aushandlungsprozesse der Ressourcen auf die Projektpartnerschaften besprochen. Innerhalb der Projekte unterstützt die NGO die Gemeindegruppen mit mehreren Arten von Ressourcen. Hierzu gehören das direkte sponsorship von Kindern, project grants, GIK beziehungsweise Sachspenden, gift notifications privater Spender sowie materielle und immaterielle Unterstützung in Form von Hilfsmitteln und Trainings für die Arbeit der Gemeindegruppen (vgl. P1 / 41). Aus Sicht der NGO ergibt sich daraus eine (vermeintlich) motivations- und ressourcenbedingte Abhängigkeit der Gemeindegruppen von der NGO. Andererseits scheint es jedoch, als wären die Gemeindegruppen nicht von der NGO abhängig, sondern würden lediglich die von ihr bereitgestellten Ressourcen nutzen und ihre Beteiligung an den Projekten als Dienstleistung für die NGO erachten. Eine Auflösung der von der NGO wahrgenommenen Abhängigkeit wird dabei mit einer Verselbstständigung der von der NGO eingebrachten Idee der Gemeindeallianzen gleichgesetzt. Das heißt die Gemeindegruppen sollen auch ohne die Ressourcenzuschüsse der NGO die Arbeit fortführen. Eine Loslösung aus dem eben beschriebenen Abhängigkeitsverhältnis wird seitens der NGO über die Forderung nach Beteiligung der Gemeindegruppenmitglieder an den Projekten versucht, worunter auch die selbstständige Mobilisierung von Ressourcen verstanden wird. Hierzu werden nicht nur finanzielle Mittel gezählt, sondern ebenfalls die Zeit und Arbeit, welche die Gemeindegruppenmitglieder für die Projekte bereitstellen. Innerhalb der einzelnen Projekte ist damit zu klären, welcher der Projektpartner welchen Beitrag leisten soll. Dadurch sind mit der Bestimmung der Rollen und dem Verhältnis, in dem sich die Partner zueinander befinden, die Verhandlungen von den jeweils damit in Zusammenhang stehenden Aufgaben und Ressourcen der Partner innerhalb der Projekte verbunden.

13.2.1 Patenschaften und ihre Wirkung

Für die NGO Global Child Aid sind Patenschaften (child sponsorship) ein zentrales Instrument der Projektmittelaquise und damit fundamentaler Bestandteil der längerfristig angelegten gemeindebasierten Projekte. Im Patenschaftsmodell zahlen Spender über einen längeren Zeitraum, durchaus auch über Jahre, einen bestimmten Betrag an die NGO, die damit einzelne Kinder und deren Familien oder Angehörige unterstützt und darüber hinaus gemeinwesenorientierte Projekte finanziert. Die Paten stehen während dieser Zeit in regelmäßigem Kontakt mit den von ihnen geförderten Kindern, wobei der Briefverkehr zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vollständig über die NGO abgewickelt wird. Die Paten erhalten mindestens einmal jährlich einen Brief von der NGO, den annual progress report, in dem die Fortschritte des Kindes festgehalten werden und dem sowohl ein aktuelles Foto als auch ein Brief oder eine Zeichnung des von ihnen geförderten Kindes beiliegt. Den Paten steht offen, das Kind persönlich zu besuchen oder ihm über gift notifications gezielt mehr Sachmittel zukommen zu lassen, als das bei einer reinen Patenschaftsspende der Fall ist. Dieses durchaus komplexe und Kontinente übergreifende Beziehungsgefüge stellt aus Sicht der NGO eine persönliche Bindung zwischen Spendern und Empfängern von Hilfe her. Vor Ort bedeutet es allerdings einen nicht zu unterschätzenden logistischen Aufwand ‒ die rechtzeitige Abfassung der Fortschrittsberichte mit individueller Note und das Versenden kann durchaus eine anstrengende Arbeitsphase für die Beteiligten bedeuten. Zudem müssen die Kinder immer auffindbar sein, sollten Anfragen der Paten eintreffen, da sonst der Kontakt zu den Paten abbrechen und das System damit scheitern könnte.

Angesichts dieser Bedeutung und des damit verbundenen Aufwands verwundert es nicht, dass das Patenschaftsmodell Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen der NGO und der Gemeindegruppen hat, die in die Patenschaftsarbeit einbezogen werden. Hierfür werden insbesondere sogenannte child minders eingesetzt, das sind Gemeindemitglieder, die den Mitarbeitenden der NGO bei der Arbeit mit den Patenkindern helfen, indem sie etwa diese für bestimmte Aktivitäten ausfindig machen, bei der Zusammenstellung der Berichte unterstüt-zen oder bei der Verteilung von Gütern beteiligt sind und für diese Arbeit materiell entschädigt werden. Durch die Stärkung der gemeindebasierten Projektansätze kam es hinsichtlich der Patenschaftsarbeit zu einer wichtigen Veränderung, wie aus dem unten stehenden Interviewausschnit deutlich wird. Eine Mitarbeiterin der NGO wurde zu der Verbindung der Gemeindegruppen und der sponsorship-Programme befragt und antwortete folgendes:

Grace: Yes. Now in the old design, as you rightly said, the sponsorship programme was purely Global Child Aid managed. It was all Global Child Aid. Even the children were visited by Global Child Aid CDWs. At the same time orphans that were identified through the CSA, were not supported by sponsorship, unless they were already in sponsorship. Sponsorship is limited, they can't sponsor anyone ‒ everyone I mean. There is number that always remains. So for the number that remained, the home visitors and the CSA would find ways of finding support for them. Sponsorship does a lot. It helps. But there are so many children out there. […] Except sponsorship is very tricky, because that's our core business. So I think there are levels ‒ at community level maybe, it's the identification of children that should go and register ‒ that should be registered ‒ that is a community responsibility. Monitoring the children, visiting them, that is a community responsibility (I / GB / 7).

Die Patenschaftsarbeit wurde demnach in den bisherigen Projektentwürfen von Mitarbeitenden der NGO durchgeführt, wobei den Gemeindegruppenmitgliedern die Aufgabe der generellen Identifikation hilfebedürftiger Kinder zukam. Aufgrund der begrenzten Ressourcen wäre es allerdings nicht möglich, alle auf diese Weise identifizierten Kinder in das Patenprojekt aufzunehmen und es liege an den Gemeindegruppen diejenigen Kinder zu unterstützen, die aufgrund begrenzter Mittel nicht in das Patenprogramm aufgenommen werden konnten. In Zukunft, so die Mitarbeiterin weiter, sollen die Gemeindegruppen bei der Patenschaftsarbeit mehr Aufgaben übernehmen.

Der Einbezug der Gemeindegruppenmitglieder in die Arbeit wird von den Mitarbeitenden der NGO als überwiegend entlastend beschrieben, besonders in Bezug auf die Identifizierung der Kinder und die generelle Arbeit mit den Gemeinden: " Global Child Aid doesn't have problems with community now, since CSA identify needy" (P2 / 6). Somit lassen sich zwei Aspekte festhalten: Die Patenarbeit bewirkt eine Zweiteilung der bedürftigen Kinder in Patenkinder RC (registered children) und andere Kinder (generell OVC genannt), mit deren Unterstützung ein unterschiedlicher Arbeitsaufwand verbunden ist wie etwa hinsichtlich der Form der Dokumentation und des Berichtswesens. So werden für die Berichte über die Patenkinder andere Informationen benötigt, Fotos für ihre Paten gemacht und annual progress reports, also jährliche Fortschrittsberichte, verfasst. Weiter kommt den Gemeindegruppen aus Sicht der NGO die Aufgabe zu, sich einerseits in die Patenschaftsarbeit einzubringen, wie beispielsweise durch die Identifikation der Kinder, ihre Registrierung im Programm und regelmäßigem Besuch, andererseits sollen sie darüber hinaus die Unterstützung derjenigen Kinder übernehmen, die nicht direkt durch das Patenprogramm profitieren.

Die Patenschaften wirken sich auf die Projekte aus, da sie das Verhältnis zu den Gemeinden grundlegend beeinflussen können. Die Patenschaften sind als

"core business" der NGO, wie oben bereits erwähnt, für die Einwerbung von Mitteln für die Projekte von entscheidender Bedeutung. Sie stellen dabei ein durchaus komplexes und abstraktes System dar, dessen Funktionsweise nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Vor allem zu Beginn der Partnerschaften kann in stark religiösen Kontexten das Phänomen auftreten, dass allgemeines Misstrauen oder gar Satanismusvorwürfe gegenüber der NGO geäußert werden. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass manche der Gemeindemitglieder noch keinen Kontakt zu Hilfsorganisationen hatten und daher mit einiger Skepsis mögliche Gegenleistungen für die von der NGO ausgegebenen Ressourcen vermuten oder schlichtweg aufgrund ihrer Religiosität hinter dem Tausch von Fotos und Daten der Kinder gegen Sachmittel satanistische Praktiken vermuten (vgl. GD / Kak / 1 f.; GD / Sim / 4 f.; GD / Nan / 2 f.). Der folgende Auszug aus einer Gruppendiskussion veranschaulicht diese Einschätzung und die Strategie der NGO, dieses Hemmnis für die Zusammenarbeit zu überwinden:

I: […] And when Global Child Aid came, how did they bring you all together? And how did did you think what, what are they up to? What do they want here?

Chairman: Ok, the, Global Child Aid when they come, people were very scared off, they were saying: these Global Child Aid, they want hearts from our children. [Übersetzerin schmunzelt]. They want to go and sell somewhere, so that they can get a lot of money. And they were running! Even chasing them […]

I: And how did it change, that people from being afraid that Global Child Aid will do something with the children to how it is now?

Chairman: Global Child Aid came with a trick. At first, ah, it used to at that time, ah, I was telling you at first that here there is no, any house there is no household which was getting 50thousand or fifty Kwacha[1], it was five Kwacha and down. So when Global Child Aid came, in those seminars they used to cook a lot of chickens with chickens, ah, with Nshima[2], tea with bread, with butter, everything so people now [Lachen], in following to eat [lautes Lachen]. That's how they managed.

Man: Just to add on that, because Global Child Aid is taking the steps of Jesus Christ. You know when Jesus came to where people are suffering, in order to convince them, first of all he had to tackle their sufferings, so that people can follow. And where people are hungry, he had to give them food so then they, tomorrow they'll come on their own [lacht]. So Global Child Aid used to do the same thing. They'll come here, they give us mielie-meal[3], they give us what and what, so those are the children who are appealing to come forward: Ah, there is mielie-meal there! Now they come. So and the result it was now easy to recruit, ah, children (GD / Zam / 2 f.).

Satanismusvorwürfe und Zweifel lassen sich dieser Beschreibung der Gemeindegruppenmitglieder nach relativ schnell überwinden, indem die Kinder auf freiwilliger Basis in die Projekte aufgenommen werden und der damit verbundene materielle Vorteil es doch letztlich vermag, anfängliche Skepsis zu überwinden, oder eben der religiöse Bezug der NGO-Mitarbeitenden in dieser Hinsicht in der Lage ist, ein Vertrauensverhältnis zu etablieren. Wie ein Gemeindegruppenmitglied aus einer anderen Gemeinde es ausdrückt: "Some did not come […] until after they have seen the goodness of Global Child Aid from those who started that program" (GD / Mas / 2).

Das Verhältnis zwischen Eltern und NGO wird aber auch auf andere Weise beeinflusst. Wie oben angesprochen, steht innerhalb des Patensystems nur eine begrenzte Anzahl an Patenschaften zur Finanzierung der Projekte zur Verfügung, wohl auch, um durch die Begrenzung der Mittel eine Balance zwischen Quantität und Qualität herzustellen und die Projekte bearbeitbar zu halten. Im Endeffekt führen die begrenzten Patenschaftsplätze zu einer Unterscheidung der Kinder. Aufgrund des Unterschieds zwischen Patenkindern und anderen vulnerablen Kindern kommt es dazu, dass manche der Kinder mehr direkte Unterstützung erhalten als andere. So gibt es zum einen Kinder, die direkt durch Patenschaften mit Spendern unterstützt werden und Kinder, die indirekt durch die Projekte gefördert werden, insbesondere durch die Unterstützung der Gemeindegruppen. Die Patenkinder können zudem von ihren Paten direkte Geschenke oder andere Zuwendungen erhalten, während die anderen Kinder vielmehr von den allgemeinen Projekten, wie etwa dem Bau von Schulen, Kliniken oder der Bohrung von Brunnen, profitieren, welche zum Großteil über die mittels der Patenkinder eingeworbenen Gelder finanziert werden. Diese Unterscheidung und die ungleiche Mittelzuwendung zwischen Patenkindern und anderen bedürftigen Kindern wirken sich auf unterschiedliche Weise auf die Zusammenarbeit aus. So ergibt sich ein Erklärungsbedarf des Systems insbesondere gegenüber den Eltern und Angehörigen der Kinder. Die Mitarbeitenden der NGO müssen aufgrund der unterschiedlichen materiellen Zuwendungen erläutern, dass die Patenschaften dem gesamten Projekt zu Gute kommen und die Patenkinder in dieser Hinsicht die Funktion von Botschaftern, "ambassadors" (I / NF / 25), für alle Kinder innerhalb der Gemeinden einnehmen.

Dennoch erhalten die Patenkinder zumeist mehr Zuwendungen als die übrigen Kinder. Ein kleiner Ausgleich hinsichtlich der materiellen Zuwendungen kann durch die Verteilung von gifts in kind, also von gespendeten Sachmittel, erfolgen, die von der NGO über die Gemeindegruppen an bedürftige Kinder ausgegeben werden. Jedoch muss hier eine Priorisierung der Bedürftigkeit durch die Gemeindegruppenmitglieder erfolgen, da zumeist nicht allen Kindern dieselben Mittel gegeben werden können. Der Protokollausschnitt verdeutlicht diese Schwierigkeit:

Global Child Aid Mitarbeiter erklärt sehr anschaulich den Unterschied zwischen RC und OVC anhand von ausreichend und knappen Getränken, die die Leute erhalten haben. Global Child Aid frägt also care giver, wer am meisten benötigt, da man ja nicht die guardians direkt fragen kann, weil sonst jeder von denen sagt er benötigt am dringendsten, weil ja alle brauchen. Die anderen bekommen dann eben ein anderes Mal. Leider sind eben die Mittel begrenzt und sie sollen das nicht als Diskriminierung verstehen (P2 / 25).

Aufgrund der begrenzten Mittel solle folglich bei der Verteilung von Hilfsmitteln eine Priorisierung der Kinder nach dem Grad des individuellen Bedarfs vorgenommen werden. Dies kann daran liegen, dass die lokalen Partner begrenz- te Unterstützungsmittel für die Arbeit gestellt bekommen, die nicht für alle Kinder ausreichen. Gleichermaßen kann es zu Ungleichheiten unter den Patenkindern kommen, wenn sie aufgrund der verschieden hohen individuellen Spenden (gift notifications)[4] ihrer Paten unterschiedlich viel Unterstützung erhalten. Diese mögliche Unausgewogenheit in der Mittelzuwendung zwischen den Kindern kann durchaus problematisch werden, wenn Eltern und Angehörige davon ausgehen, dass ihre Kinder weniger Zuwendungen erhalten haben als andere, da die NGO oder die Gemeindegruppenmitglieder diese Mittel entweder nach Belieben verteilen oder für sich selbst einbehalten würden. Ebenso kann der Unterschied zwischen Patenkindern und anderen Kindern von den Angehörigen so interpretiert werden, dass ausschließlich Patenkinder Zugang zu allgemeinen Fördermitteln für Gemeindeprojekte, also etwa zu von der NGO für alle Gemeindemitglieder gebohrten Brunnen erhalten und andere Menschen für die Nutzung eine Gebühr entrichten sollen (vgl. P2 / 13). Der NGO bleibt laut Aussage der Mitarbeitenden zur Lösung solcher Schwierigkeiten nur übrig, das sponsorship-System fortlaufend zu erläutern.

Als weiterer Effekt des Engagements der NGO kann es in diesem Zusammenhang passieren, dass die registrierten Kinder als die Kinder der NGO aufgefasst werden, und die Eltern oder die Angehörigen die Hilfe für die Kinder als Aufgabe der NGO sehen würden. Eine Mitarbeiterin der NGO erläutert diese der Hilfe immanenten Schwierigkeit wie folgt:

Mitarbeiterin der NGO: I think the challenge I wanted to say where the community has got another idea about it and, ah, Global Child Aid I think its in the area of education, were the child is school going age, he is not in school, and then the parents when you ask the parents: "can you take the child to school?", they are saying that they can't afford and then they will put the burden on Global Child Aid to say: "I think Global Child Aid is here to help. Maybe they can help us with school fees and maybe uniforms?" That when you come to Global Child Aid, they will tell you: "we are no longer paying school fees" (GD / CDW / 2).

Der Aussage der Mitarbeiterin der NGO zufolge wird der NGO von den Eltern die Aufgabe zugewiesen, die Kinder zu unterstützen, wofür die NGO ja schließlich da wäre. Dies könne soweit gehen, dass die Eltern die "Bürde" der Versorgung der Kinder an die NGO übergeben würden. Ein Mitarbeiter erklärt dies damit, dass die NGO in der Vergangenheit weitreichende Unterstützung für die Kinder bereitgestellt hat, jetzt aber einen anderen Ansatz verfolgt, bei dem das Empowerment der Gemeinden im Vordergrund steht. Schwierigkeiten gebe es bei dem alten Modell dabei, dass die Eltern ständig die NGO um Hilfe bitten würden, wenn es Probleme mit den Kindern gebe, diese beispielsweise krank wären, auch wenn die Eltern selbst helfen könnten (vgl. P1 / 44 f.). Nach Aussage von Gemeindegruppenmitgliedern kann sich dieses Phänomen auf die Zusammenarbeit zwischen Gemeindegruppen und den Angehörigen der Kinder auswirken, wie aus folgendem Textauszug hervorgeht:

Some parents hand over responsibility for RCs [Patenkinder] to CSA, which they registered in order to lobby for funds and parents do not appreciate the little support they get. They could not get sponsors for children and community thinks that children get sponsors when they are photographed (like practice from Global Child Aid) (R / U / 15).

So scheint es, als würden die Angehörigen die Verantwortung für die Kinder an die Gemeindeallianz übergeben und nicht die Hilfe schätzen, die sie erhalten.[5] Die CBO in diesem Beispiel hat mit den Angehörigen ähnliche Schwierigkeiten wie die NGO. In Bezug auf eine Verantwortungsübertragung an die NGO sowie die CBO ist jedoch zu beachten, dass auch das Ersuchen von Hilfe als Verantwortungsübernahme für die Kinder verstanden werden kann. Eine Übertragung von Verantwortung meint aber vielmehr, dass die Eltern versuchen, die materiellen Kosten für das Wohl der Kinder an die Gemeindegruppen zu übergeben. Sei es, dass sie die Kosten nicht selbst tragen können oder, wie die moralische Konnotation in diesem Textauszug suggeriert, diese Kosten nicht tragen wollen und es schließlich als Aufgabe der Gemeindegruppen erachten, für das Wohl der Kinder einzustehen.

Vor dem Hintergrund der durch die Patenschaftsarbeit erzeugten Unterschiede in der Art der Hilfezuwendungen, grundsätzlicher Annahmen über den Zusammenhang zwischen den Kindern und den Hilfsmitteln oder in Bezug auf die Verantwortlichkeiten und Aufgaben der Gemeindegruppen lässt sich festhalten, dass die NGO versucht, das Modell der Patenschaften gegenüber den Gemeinden und Familien zu erläutern. Aus Sicht der NGO bedarf es hierbei fortwährender Erklärungsbemühungen, um das Modell aufrechterhalten zu können, das als wesentlich für die Einwerbung der Mittel angesehen wird. Es besteht in dieser Hinsicht eine Interdependenz, da die NGO die Gemeinden und den Zugang zu den Kindern benötigt, um arbeiten zu können. Zugleich wirkt sich der Patenschaftsansatz in mehrerlei Hinsicht negativ auf die mit den Projekten verfolgten Ziele aus, wird aber auch als Mittel zu deren Erlangung thematisiert. Zudem werden die Kinder einerseits für die NGO und die Gemeindegruppen zu Fällen und andererseits zu Ressourcen für die NGO und die Angehörigen der Kinder, die sich dadurch einen Zugang zu Unterstützungsmitteln versprechen und diese einfordern können. Die Kinder dienen dem Einwerben der Hilfsmittel – im Übrigen auch für die NGO selbst, die dieses System betreibt und zwischen den Kindern und den Gebern vermittelt.

  • [1] Währung in Sambia
  • [2] Regionales Maisgericht im südlichen Afrika, ähnlich Polenta, das als Grundnahrungsmittel dient
  • [3] Mehl zur Zubereitung von Nshima
  • [4] Die gift notifications sind direkte Geldspenden der Paten an die Kinder und ihre Familie, von denen in Absprache mit den Eltern oder Angehörigen, die für die Kinder sorgen, Sachmittel gekauft werden und die Paten im Gegenzug ein Bild des Kindes mit den Gütern erhalten
  • [5] Es scheint von den Angehörigen zudem ein Zusammenhang zwischen dem Fotografieren der Kinder und dem Erhalt von Hilfe gesehen zu werden
 
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