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13.2.5 Resümee: Ressourcen als Synonym für Eigentümerschaft

Im Aushandlungsfeld um Rollen und entsprechende Beteiligungen an den Projekten befinden sich mehrere komplexe Spannungspole, die aus Sicht der NGO im Rahmen der Projekte zueinander in Balance gehalten werden müssen. Zum einen wird deutlich, dass materielle und immaterielle Anregungen und Anreize zur Teilnahme an den Projekten so beschrieben werden, dass sie die Eigeninitiative der lokalen Partner untergraben und eine Abhängigkeit der Projekte von der NGO erzeugen würden. Zum anderen sind in den materiellen Anreizen und in den Ressourcen der NGO die Voraussetzungen auszumachen, um eine Beteiligung der Menschen vor Ort attraktiv zu gestalten, was mit einer gewissen Erwartungshaltung der Menschen in Zusammenhang stehend gesehen wird.

Einem solchen Transfer von Ressourcen liegt ein weiterer Konflikt zugrunde. Einerseits sollen die lokalen Partner die Anforderungen der NGO erfüllen wie beispielsweise durch die Anwendung bestimmter Arbeitsweisen im Rahmen der Patenschaftsprogramme oder in Zusammenhang mit dem Berichtswesen, wofür auch verschiedene Anreize aufgebracht werden. Diese Situation kann nun dazu führen, dass die Arbeit in den Projekten als eine Art Dienstleistung emp- funden wird, mittels welcher die Teilnehmenden einen Zugang zu den Ressourcen der NGO erhalten. Hier spitzt sich der Aushandlungskonflikt zwischen Anweisung und Autonomie sowie zwischen Partnerschafts- und Dienstleistungsverhältnis zu wie auch hinsichtlich der durch das Patenschaftsprogramm erzeugten Ungleichheiten bei der Unterstützung der Kinder.

Zugleich soll die Hilfe der NGO entsprechend der Projektlogik aber nicht reine Gabe sein, sondern lediglich eine Förderung der lokalen Partner. Die Gemeindegruppen gilt es daher aus Sicht der NGO über die Einforderung von Eigenbeteiligung zu aktivieren. Mit der Projektarbeit wird eine Forderung nach Partizipation seitens der NGO formuliert, die über das Erstellen einer Wunschoder Einkaufsliste hinausgeht und das Eigeninteresse und die Verantwortung der Gemeindemitglieder für die erfolgreiche Umsetzung der Projekte adressiert. Die Idee der NGO ist es demnach, durch eine stärkere Beteiligung der Gemeindegruppen ein Gefühl der Eigentümerschaft für die Projekte zu wecken und eine Abhängigkeit von den Mittel der NGO zu verhindern, um letztlich das nachhaltige Bestehen der Projekte zu sichern. Die Beteiligung mit Zeit, Arbeitskraft und lokalen Ressourcen wird dadurch zur Voraussetzung für den Empfang von Unterstützungsleistungen der NGO. Und da letztlich die Eigentümerschaft der Projekte über das Einbringen von solchen Ressourcen geregelt werden soll, kommt es schlussendlich zu Aushandlungsprozessen, in denen Beteiligungen unter verschiedenen Gesichtspunkten und mit unterschiedlichen Strategien wie etwa durch die Verknappung von Hilfsmitteln oder den Verweis auf das Hilfeversprechen der NGO verhandelt werden. Letztendlich besteht die Aufgabe der Mitarbeitenden der NGO darin, die Menschen über Anreize für ein Engagement in den Projekten zu gewinnen und ihnen zugleich das Konzept der ›Hilfe zur Selbsthilfe‹ zu vermitteln.

 
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