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Erster Teil: Technische, rechtliche und ökonomische Grundlagen

§ 2 Software als Wirtschaftsgut

Gemeinhin wird angenommen, dass Software besondere Eigenschaften aufweist, die sich maßgeblich auf Herstellung, Vertrieb und letztlich auch auf die Industriestruktur und den Softwaremarkt auswirken. Diese Eigenschaften waren auch für die Entwicklung der urheberrechtlichen Bestimmungen für Software prägend.5 Aus diesem Grund soll im Folgenden auf die wichtigsten technischen und wirtschaftlichen Aspekte eingegangen werden.

I. Begriffsdefinition „Software“

Software ist ein Sammelbegriff für ausführbare Computerprogramme und die dazugehörigen Daten. Sie dient dazu, mithilfe eines Computers Aufgaben zu erledigen. Ihren Kern bilden Computerprogramme, aufeinanderfolgende Instruktionen, die den Regeln einer Programmiersprache genügen und als syntaktische Einheit dazu geeignet sind, eine bestimmte Funktionalität zur Verfügung zu stellen. In einer Software sind Computerprogramme untrennbar mit zur Ausführung erforderlichen Daten verknüpft. Dabei handelt es sich etwa um Grafiken, Texte und Töne, die Teil der grafischen Benutzeroberfläche (engl. „Graphical User Interface“, GUI) sind, über die ein Nutzer mit den Programmen interagiert. Auch Dokumentation kann in digitaler Form Teil dieser Daten sein und ist dem Nutzer häufig als interaktive Hilfedatei während der Softwarebenutzung zugänglich. Der Begriff Software wurde in diesem Sinne bereits erstmals 1958 von dem Statistiker John W. Tukey verwendet. Er erlangte jedoch erst in den 1970er Jahren wesentliche Bedeutung als Unternehmen wie Microsoft und SAP gegründet wurden, die ausschließlich Software herstellten. Vormals waren die Funktionalitäten von Computern auf deren Schalttafeln überwiegend „vorverdrahtet“, also unveränderlich, wie dies auch heute noch bei Taschenrechnern und Spielautomaten der Fall ist. Eine Software hat die Aufgabe, eine strukturell unveränderliche Hardware für unterschiedliche Verwendungen nutzbar zu machen.

Einige Autoren bevorzugen im Kontext der urheberrechtlichen Diskussion den Begriff Computerprogramm, der in der Tat häufig synonym zum Begriff Software verwendet wird. Ihrer Ansicht nach handelt es sich bei Computerprogrammen um eine Teilmenge der Software. Software könne wiederum lose definiert werden als „alles, was keine Hardware darstellt“.Sie umfasse daher auch digitale Medien wie Texte, Grafiken und Audiodateien, die für sich genommen keine Computerprogramme im Sinne der

§ 69a ff. UrhG enthielten und nicht dem urheberrechtlichen Themenkomplex der gebrauchten Software zuzuordnen seien. Diese Sichtweise basiert auf der uneingeschränkten, aus dem Wortsinne abgeleiteten Definition von Software (leicht veränderbare, „weiche“ Komponenten) als Gegenstück zu Hardware (unveränderliche, physische Komponenten). Ihr zufolge könnten als Software auch funktionslose Datenbestände verstanden werden, die auf einer Hardware gespeichert sind und erst mit der Verarbeitung durch ein Computerprogramm nutzbar werden. Diese Definition ist aber sowohl im Sprachgebrauch als auch in der technischen und betriebswirtschaftlichen Literatur ungebräuchlich. Dies ist schon daran zu erkennen, dass bedeutende, anderweitige Begrifflichkeiten auf dem Verständnis von Software im Sinne eines Softwareprodukts aufbauen, also eines Computerprogramms und dessen eng verbundener Ressourcen. So wird zum Beispiel Systemsoftware, die für die grundsätzliche Funktion eines Computers benötigt wird, von der Anwendungssoftware abgegrenzt, die dem Benutzer die Ausführung bestimmter Aufgaben ermöglicht. Eine künstliche Übertragung solcher Begriffspaare auf den Programmbegriff, wie sie Seitz vornimmt, indem er von „System-Programmen“ und „Anwender-Programmen“ spricht, soll in dieser Ausarbeitung aber vermieden werden.

Ferner wird noch Individualsoftware von Standardsoftware unterschieden. Bei Individualsoftware handelt es sich um Software, deren Entwicklung ein Unternehmen bei einem Hersteller in Auftrag gibt. Sie ist genau auf die Strukturen, Prozesse und Anforderungen eines bestimmten Unternehmens zugeschnitten. Derartig maßgeschneiderte Software eignet sich normalerweise nicht mehr für einen Einsatz in anderen Unternehmen. Urheberrechtsfragen treten deswegen bei Individualsoftware oft völlig in den Hintergrund. Bei Standardsoftware, im Englischen auch „packaged software“ oder „commercial off-the-shelf“ (COTS) genannt, handelt es sich um vorgefertigte Softwareprodukte, die für den Massenmarkt vorgesehen sind. Sie deckt einen klar definierten Anwendungsbereich ab, kann heutzutage aber häufig über Zusatzpakete (sog. Plug-ins) und Schnittstellen noch angepasst oder erweitert werden. Die Frage nach einem gebrauchten Verkauf einer Software stellt sich nur für Standardsoftware und nicht für Individualsoftware oder individuell entwickelte Plug-ins. Gegenstand der folgenden Ausarbeitung ist stets Standardsoftware, der Einfachheit halber wird aber nur der Begriff Software verwendet. Keine Einschränkung erfolgt dagegen in Hinblick auf System- und Anwendungssoftware. Beide Gattungen werden zwar als Standardsoftware vermarktet, weisen aber bezüglich ihrer ökonomischen Charakteristika bedeutende Unterschiede auf, die für diese Untersuchung von Bedeutung sind.

 
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