Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Rechtswissenschaft arrow Der Sekundärmarkt für Software
< Zurück   INHALT   Weiter >

5. Zukunft des Softwareverkaufs

In gewisser Hinsicht stellt die zunehmende Verbreitung des Cloud Computing die langfristige Relevanz des Verkaufs von Software und auch des Handels mit gebrauchter Software infrage. Eine von vielen geteilte Vision sieht Anwendercomputer in Zukunft lediglich als Klienten eines dezentralen Rechnernetzes, über das verschiedene Dienste und Anwendungen angeboten werden. Applikationen würden dann nicht mehr auf den Endgeräten selbst ausgeführt, sondern nur noch auf speziell dafür vorgesehenen Servern, die diese Applikationen über das Internet bereitstellen. Veranschaulichen lässt sich diese mögliche Entwicklung anhand des seit Kurzem von Google vermarkteten Chromebook. Dabei handelt es sich um ein Notebook, das zusammen mit dem minimalistischen Betriebssystem Chrome OS für ein monatliches Entgelt von 30 US-Dollar vermietet wird. Im Mietpreis inbegriffen ist die Nutzung der Google Apps, einer Reihe von SaaS-Anwendungen, die typische Office-Funktionalitäten wie E-Mail, Kalender, Textverarbeitung usw. abdecken. Bei diesem Modell erwirbt der Endanwender also keinerlei eigenständig nutzbare Anwendungssoftware. Entsprechend stellt sich für ihn nicht die Frage eines Weiterverkaufs von Software. Da sich das SaaS-Modell auf nahezu jedes Einsatzgebiet erweitern lässt, wäre es denkbar, dass es den klassischen Verkauf von Software in Zukunft nahezu vollständig verdrängt.

Nicht bestritten werden kann, dass der Marktanteil von SaaS-Angeboten relativ zum klassischen Softwarevertrieb erheblich zunehmen wird. Dieser Trend ist bereits durch die Verbreitung immer schnellerer Internetzugänge bedingt, die sich derzeit häufig noch als limitierender Faktor auswirken. Jedoch gibt es auch gewichtige Nachteile von SaaS-Lösungen, die sich im Lauf der Zeit nicht verflüchtigen, sondern sogar Bedeutung gewinnen werden. Hier sind zuallererst Risiken bezüglich der Datensicherheit zu nennen. Jegliche Unternehmensdaten müssten an einen Dienstleister übertragen und auf dessen Systemen gespeichert werden. Für ein Unternehmen ist es aber nicht möglich, die Sicherheit der Systeme des Dienstleisters einzuschätzen und Fremdzugriffe zu verhindern. Aufgrund der zunehmenden Verluste vertraulicher Daten durch Unternehmen gelangen viele Unternehmen zu der Erkenntnis, dass es schlicht nicht möglich ist, über das Internet exponierte Systeme ausreichend abzusichern. Die gängige Praxis, besonders sensible Unternehmensdaten nicht auf Systemen zu speichern, die an das Internet angeschlossen sind, scheidet aber bei der Verwendung von SaaS-Lösungen aus.

Neben der möglicherweise eingeschränkten Datensicherheit besteht zudem eine noch größere Abhängigkeit vom Anbieter, die bei klassischer Software ohnehin schon gegeben ist. So ist zum Beispiel der Kunde regelmäßig dazu gezwungen, die jeweils aktuelle Version der eingesetzten Software zu nutzen, sodass kurzfristig interne Prozesse angepasst und Mitarbeiter geschult werden müssen.

Ein weiteres Problem betrifft das Geschäftsmodell der Anbieter. Es bestehen Zweifel daran, dass sich mit den niedrigen monatlichen bzw. jährlichen Zahlungen der Kunden hinreichend konstante Zahlungsströme realisieren lassen, die den kostenintensiven Betrieb der Anbietersysteme ermöglichen können.

Aufgrund dieser niemals vollständig vermeidbaren Schwächen des SaaSAnsatzes ist davon auszugehen, dass SaaS den klassischen Softwarevertrieb ergänzen, aber niemals vollständig ersetzen wird. Dies lässt sich unter anderem einer breit angelegten Befragung von EDV/IT-Leitern entnehmen, aus der hervorgeht, dass die Vor- und Nachteile von SaaS je nach Softwaretyp divergieren. Berg weist zudem aus historischer Perspektive darauf hin, dass bereits seit dem Beginn des Computerzeitalters neue Technologien nicht in der Lage waren, etablierte Systeme aus der Wirtschaft vollständig zu verdrängen. Der Grund sei nicht die Trägheit einiger Unternehmen, es handele sich vielmehr um einen Ausdruck der Stärken und Schwächen einer steigenden Zahl verfügbarer Technologieansätze. In nächster Zeit ist ohnehin noch mit einem Wachstum der Märkte für Standardsoftware zu rechnen.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften