Handel mit gebrauchter Software

Gerade in größeren Unternehmen werden gleich mehrere Softwareprodukte unterschiedlicher Hersteller eingesetzt. Die Bereitstellung geeigneter Software und der zutreffenden Anzahl von Lizenzen erweist sich aus Sicht des Managements als komplexe Aufgabe. So kann sich etwa erst nach dem Erwerb herausstellen, dass sich die Software für den vorgesehenen Zweck nicht eignet. In einigen Fällen scheitert bereits die Einführung einer neuen Software vollständig und endgültig, sodass die erworbenen Softwarelizenzen ungenutzt bleiben. Die Anzahl der Nutzer einer Software kann sich zudem schnell ändern, beispielsweise aufgrund des Abbaus bzw. der Migration von Arbeitsplätzen, Restrukturierungsmaßnahmen oder der Insolvenz. Schätzungsweise arbeitet nur ein Drittel der Unternehmen mit einer korrekten Anzahl von Lizenzen. Gleichzeitig werden Softwarelizenzen von den IT-Verantwortlichen der Unternehmen als wichtigster Kostentreiber des IT-Budgets angesehen. Seitens der Unternehmen besteht also ein großes Interesse daran, Softwarelizenzen besser zu verwalten und somit Kosten zu reduzieren. Durch ein systematisches Lizenzmanagement sollen Über- und Unterlizenzierungssituationen vermieden werden. Ferner suchen Unternehmen verstärkt nach Möglichkeiten, günstiger an Software zu gelangen, um die Gesamtkosten der Unternehmens-IT zu reduzieren.

Aufgrund der erheblichen Herausforderungen des Lizenzmanagements besteht einerseits eine Nachfrage nach günstigeren Softwarelizenzen, andererseits wollen die Unternehmen bereits bezahlte Lizenzen nicht ungenutzt lassen. Aus diesem Zustand leiten Gebrauchtsoftwarehändler ein Geschäftsmodell ab. Dazu kaufen sie ungenutzte Software von Unternehmen an, die sie als „gebrauchte“ bzw. „Second Hand“-Software anbieten. Da Unternehmen oftmals keine andere Verwendung für ungenutzte Lizenzen haben, kommt es zu entsprechend niedrigen An- und Verkaufspreisen. Die erzielten Verkaufspreise liegen nach Angaben der Gebrauchtsoftwarehändler zwischen 30 %und 70 %unter dem Neupreis der Softwarehersteller.

Ein unmittelbares Geschäft zwischen Erst- und Zweiterwerbern findet in der Praxis kaum statt. Grund dafür ist möglicherweise, dass die Gebrauchthändler im recht jungen Sekundärmarkt eine Intermediärsfunktion ausüben. So dürfte nur in wenigen Fällen die Anzahl der abgestoßenen Lizenzen des einen Unternehmens der nachgefragten Anzahl eines anderen entsprechen. Die Gebrauchthändler spalten dazu große Lizenzpakete auf oder bündeln kleinere Pakete und Einzellizenzen. Zudem können Verkäufer und Käufer über Gebrauchtsoftwarehändler ein öffentliches Angebot vermeiden. Die Abstoßung großer Lizenzpakete könnte nämlich von Öffentlichkeit und Finanzmärkten als negatives Signal wahrgenommen werden. Ferner übernehmen die Gebrauchtsoftwarehändler die rechtliche Prüfung der gehandelten Softwarelizenzen. Wie die vorliegende Ausarbeitung zeigt, ist der Handel mit Software rechtlich wesentlich komplexer als bei nicht digitalen Gütern. Die rechtliche Unbedenklichkeit soll dem Käufer gebrauchter Lizenzen ein notarielles Testat anzeigen. Dabei handelt es sich um ein Bestätigungsschreiben, in dem ein Notar erklärt, dass ihm vom Ersterwerber der gehandelten Software Dokumente vorgelegt wurden, die den ordnungsgemäßen Lizenzerwerb belegen. Ferner enthält das Testat die Bestätigung des Ersterwerbers, dass er die eigenen Installationskopien gelöscht und den vollständigen Kaufpreis erhalten hat.

 
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