Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Rechtswissenschaft arrow Der Sekundärmarkt für Software
< Zurück   INHALT   Weiter >

II. Evaluierung der rechtsökonomischen Urheberrechtslegitimation in der Softwareindustrie

Im vorangegangenen Abschnitt wurde die rechtsökonomische, transaktionskostenbasierte Theorie des Urheberrechts vorgestellt. Die Theorie berücksichtigt jedoch nicht explizit die besonderen Eigenschaften von Software. Da die Theorie die Grundlage für die rechtsökonomische Analyse des Erschöpfungsprinzips ist, ist zu prüfen, ob durch die besonderen Eigenschaften von Software die Annahmen der ökonomischen Urheberrechtstheorie verletzt werden. Dazu werden der Theorie im Folgenden typische ökonomisch begründete Kritikpunkte des Urheberrechtsschutzes von Software gegenübergestellt. Kritikpunkte, die sich gegen die Grundannahmen der Rechtsökonomik im Allgemeinen und nicht gegen die rechtsökonomische Urheberrechtstheorie im Speziellen richten, werden nicht berücksichtigt. Geprüft wird daher im Folgenden nur die Frage, ob die rechtsökonomische Theorie des Urheberrechts einer Kritik, die die Annahmen des Rechtsökonomik grundsätzlich akzeptiert, standhält.

1. Digital Rights Management

Digital Rights Management (DRM) ist ein etwa seit der Jahrtausendwende gebräuchlicher Sammelbegriff für alle technischen Maßnahmen, die dazu dienen, die Verwertungsrechte für digitale Inhalte zu kontrollieren. Die Inhalte werden dafür in der Regel so verschlüsselt, dass sie nur unter Verwendung eines passenden Schlüssels dekodiert und genutzt werden können. DRM-Systeme bieten auf Basis dieses Grundprinzips vielfältige Möglichkeiten, digitale Inhalte zu vermarkten. So lässt sich beispielsweise die Nutzung einer Software zeitlich limitieren oder auf bestimmte registrierte Computer einschränken. Letztlich lässt sich unter Zuhilfenahme von DRM-Systemen theoretisch ein stärkerer und differenzierterer Schutz implementieren, als er durch das Urheberrecht gewährleistet wird.

Die ökonomische Legitimation des Urheberrechts basiert auf der Annahme, dass Werke quasiöffentliche Güter ohne effektive Ausschlussmöglichkeiten sind. Würde nun aber Software aufgrund ihrer technischen Natur von sich aus einen wirksamen Ausschluss Dritter möglich machen, wäre diese Klassifikation nicht statthaft und eine Kernannahme der ökonomischen Legitimation nicht erfüllt. Das Urheberrecht wäre schlicht nicht erforderlich, um einen effizienten Softwaremarkt zu ermöglichen, und man müsste zu dem Ergebnis kommen, dass es sich nicht auf Software erstrecken sollte.

Diese Art der Kritik verkennt allerdings die Tatsache, dass DRMSysteme nicht Teil der originären Beschaffenheit von Software sind. So ist etwa ein Mobiltelefon kein öffentliches Gut, da es körperlich und abgrenzbar ist. Ein wirksamer Ausschluss ist bereits dadurch möglich, dass seine Nutzung an den Ort gebunden ist, an dem es sich befindet. Sein Besitzer kann es ohne weitere Vorkehrungen oder Modifikationen aus dem Zugriffsbereich Dritter fernhalten. Software dagegen bietet solche Ausschlussmöglichkeiten in ihrer Ursprungsform aber nicht. Als unkörperliches Gut lässt sich ein und dieselbe Software an mehreren Orten gleichzeitig nutzen, ohne dass eine Kontrolle von zentraler Stelle möglich ist. Ein effektiver Ausschluss unberechtigter Nutzer im Sinne eines DRM wird erst durch zusätzliche Modifikationen und Vorkehrungen möglich. Zu den Kosten des regulären Entwicklungsprozesses kommen dann weitere erhebliche Kosten für Entwicklung, Implementierung, Betrieb und Wartung von DRM-Systemen hinzu. Diese Kosten dienen also nicht etwa dazu, die Qualität oder den Nutzungswert der Software auszubauen, sondern die Marktfähigkeit des Produktes herzustellen. Es handelt sich also auch um Markttransaktionskosten, die nach der Transaktionskostentheorie zu vermeiden sind.

Der Urheberrechtsschutz im Sinne der Transaktionskostenvermeidung wäre aber auch dann nicht legitimiert, wenn der Einsatz von DRM-Systemen bei Software insgesamt günstiger wäre als die Durchsetzung des Urheberrechts durch den Staat. Der DRM-Schutz wäre dann nämlich eine kostensparende Alternative zum Urheberrecht. Ob dieser Fall tatsächlich eintritt, ließe sich grundsätzlich durch einen Vergleich der Betriebskosten von DRM-Systemen und den Kosten des Urheberrechtsschutzes von Software ermitteln, wenn auch ein solcher Vergleich schwierig durchzuführen wäre. Eine solche Abwägung wäre aber auch nur dann erforderlich, wenn sich der Einsatz von DRM-Systemen für die Unternehmen überhaupt als wirtschaftlich erweist. Eine solche Situation ist im Hinblick auf die Erfahrungen, die Unternehmen in den letzten Jahren in Hinblick auf DRM gesammelt haben, zumindest zweifelhaft. Einige große Anbieter von Software und digitalen Medien haben schon nach wenigen Jahren den Einsatz von DRM-Systemen abgebrochen. Anbieter bemängeln insbesondere die Kosten der Geheimhaltung, die gleichzeitig der Entstehung breit akzeptierter und nutzerfreundlicher Standards im Weg stehen. Somit kommt es unter Umständen nicht nur zu Kosten für Entwicklung und Betrieb der Systeme, sondern auch zu verringerten Marktpreisen aufgrund der schlechteren Benutzerfreundlichkeit und eingeschränkter Verwendungsmöglichkeiten. Weiterhin zeigte sich, dass kein System hundertprozentige Sicherheit gegen nicht autorisierte Kopien bieten kann, sodass häufiges Nachbessern der Systeme erforderlich ist.

Selbst wenn sich DRM-Systeme im Bereich der Softwareindustrie eines Tages als effektiv und wirtschaftlich erweisen, spräche dieser Umstand nicht zwangsweise für eine Aufhebung des Urheberrechtsschutzes von Software. Zu prüfen wäre weiterhin, ob der breite Einsatz von DRM zu einer wesentlichen Erhöhung der Transaktionskosten im Bereich der Nutzung und Einarbeitung bestehender digitaler Güter führt. So weisen beispielsweise Landes und Posner darauf hin, dass eine flächendeckende Verschlüsselung digitaler Werke die möglicherweise gewünschte Entstehung einer public domain, also eines Pools gemeinfreier Werke, verhindert. Auf das Verhältnis zwischen DRM und der praktischen Relevanz urheberrechtlicher Schranken wird im Verlauf dieser Ausarbeitung noch eingegangen. An dieser Stelle ist jedoch die Feststellung ausreichend, dass Software originär keine Ausschlussfähigkeit besitzt und folglich korrekterweise den öffentlichen Gütern zugeordnet wird. Zudem kommt das DRM aufgrund seiner bislang fehlenden Wirtschaftlichkeit nicht als kostensparende Alternative zum Urheberrecht in Betracht.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften