Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Rechtswissenschaft arrow Der Sekundärmarkt für Software
< Zurück   INHALT   Weiter >

§ 9 Der Handel mit Volumenlizenzen

Möchte ein Unternehmen eine Software auf mehreren Arbeitsplätzen nutzen, so ist es aus technischer Sicht nicht mehr notwendig, dass für jeden Arbeitsplatz ein Datenträger geliefert wird bzw. ein Datenbestand heruntergeladen werden muss. Die digitale Natur der Software ermöglicht es, einen Datenbestand beliebig zu vervielfältigen oder denselben Datenbestand über ein Netzwerk an mehreren Arbeitsplätzen zu nutzen. Der technischen und vertraglichen Ausgestaltung sind dabei keine Grenzen gesetzt. So kann beispielsweise eine körperliche oder unkörperliche Masterkopie zur Verfügung gestellt werden, die das Unternehmen als Vervielfältigungsvorlage für die einzelnen Arbeitsplatzrechner nutzt. Man spricht in diesem Fall von Volumenlizenzen oder Lizenzpaketen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass die Software auf einem Server im Unternehmen installiert wird, auf den die Arbeitsplatzcomputer zugreifen und die Software von dort aus zur Ausführung in den Arbeitsspeicher laden können. Diese Möglichkeit, bei der ein Server quasi als gemeinsamer Installationsort genutzt wird, wird als Client-Server-Nutzung oder Multirechnersystem bezeichnet. Zuletzt kann die Software auch auf einem Server installiert und ausgeführt, also nur in den Arbeitsspeicher des Servers geladen werden. Dies betrifft sowohl die historische Terminalnutzung bei Großrechnersystemen (auch Mainframe-Systeme) und SaaS-Angeboten. Die Arbeitsplatzrechner sind dann nur noch grafische

„Fernbedienungen“, ohne dass deren Rechenleistung zum Tragen kommt. Auch vertraglich gibt es eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten. So können erlaubte Nutzerzahlen genau angegeben oder als Höchstgrenze definiert werden. Bei Unternehmensbzw. Konzernlizenzen wird das Unternehmen berechtigt, die Software organisationsweit beliebig oft einzusetzen.

Aufgrund der vielfältigen technischen und vertraglichen Gestaltungsmöglichkeiten ist es erforderlich, eine Einschränkung hinsichtlich des untersuchten Sachverhalts vorzunehmen. In diesem Kapitel soll daher nur auf Volumenlizenzen mit einer bestimmten Anzahl erlaubter Installationen eingegangen werden. Gemeint sind also Fälle, bei denen die Software zur Nutzung auf jedem Arbeitsplatzcomputer installiert werden muss und anschließend eigenständig, also auch ohne ein Netzwerk oder das Internet, nutzbar ist. Diese Einschränkung lässt sich auf zweierlei Weise begründen: Zum einen liegt der Schwerpunkt dieser Ausarbeitung auf der Untersuchung des Erschöpfungsprinzips. Nur bei der Volumenlizenz existieren abgrenzbare Datenbestände, für die eine Erschöpfung eintreten könnte. Die anderen Geschäftsmodelle betreffen vorwiegend abstrakte Nutzungsrechte, deren Übertragbarkeit sich eher aus dem (Urheber-)Vertragsrecht als aus den Urheberrechtsschranken ergibt. Zum anderen büßen die anderen Modelle zunehmend technische und wirtschaftliche Relevanz zugunsten des Cloud Computings ein. Die Frage nach einem Sekundärmarkt stellt sich bei den leasing- und mietähnlichen Cloud Computingbzw. SaaS-Modellen aber nicht mehr.

Im Folgenden sollen nur die rechtliche Situation bei Volumenlizenzen und deren Aufspaltung zum Zweck der sekundären Vermarktung geklärt werden (I.). Die anschließende ökonomische Analyse (II.) wird jedoch auch auf allgemeine ökonomische Aspekte eingehen, die letztlich auch auf andere Fälle übertragen werden können.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften