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Start arrow Betriebswirtschaft & Management arrow Auswirkungen der GKB auf latente Steuern im handelsrechtlichen Jahresabschluss
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3.4. Übertragung von Veräußerungsgewinnen

Eine § 6b EStG ähnliche Vorschrift zur Übertragung von Veräußerungsgewinnen ist auch in der GKB vorgesehen. Der Gewinn aus der Veräußerung eines einzelabschreibungsfähigen – materiellen wie auch immateriellen – Wirtschaftsguts des Anlagevermögens kann gem. Art. 38 Nr. 1 RL-E der sofortigen Besteuerung im Zeitpunkt der Realisation entzogen werden, indem er auf ein zweckähnliches Ersatzwirtschaftsgut übertragen wird. Für die im Sammelposten enthaltenen Wirtschaftsgüter ist ebenfalls eine Übertragung, wenn auch nur mittelbar, nach Art. 39 RL-E vorgesehen.

Handelsrechtlich wird der Veräußerungsgewinn im Realisationszeitpunkt erfasst. Die Anschaffungsoder Herstellungskosten des Ersatzwirtschaftsguts bleiben unberührt, sodass die Kürzung der Anschaffungsoder Herstellungskosten des Ersatzwirtschaftsguts in der GKB zur Entstehung passiver latenter Steuern führt.

3.5. Währungsumrechnung

Auf fremde Währung lautende Wirtschaftsgüter sind gem. Art. 22 Nr. 2 RL-E entweder bereits während des Steuerjahres in Euro anzusetzen oder anhand des nach den Angaben der Europäischen Zentralbank ermittelten durchschnittlichen Wechselkurses des abgelaufenen Steuerjahres umzurechnen. Im Einzelabschluss hat die Umrechnung am Abschlussstichtag nach § 256a HGB mit dem Devisenkassamittelkurs unter Beachtung des Imparitäts- und Realisationsprinzips nach § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB und dem Anschaffungskostenprinzip des § 253 Abs. 1 S. 1 HGB zu erfolgen. Weisen die Wirtschaftsgüter eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr auf, bleiben die zuvor genannten imparitätischen Einschränkungen gem. § 256a S. 2 HGB bei der Ermittlung des Devisenkassamittelkurses unberücksichtigt. Aufgrund dessen kann es am Abschlussstichtag zur Aktivierung bzw. Passivierung unrealisierter Erträge und Aufwendungen kommen.

Beide Regelwerke stellen auf verschiedene Umrechnungskurse ab, welche sich insbesondere hinsichtlich des unterstellten Zeitrahmens unterscheiden. Während die Währungsumrechnung im Einzelabschluss zeitpunktbezogen (Abschlussstichtag) erfolgt, ist diese in der GKB zeitraumbezogen (gesamtes Steuerjahr) vorzunehmen, sofern eine zeitpunktbezogene Zugangsbewertung unterblieb. Die Auswirkungen auf die Steuerlatenzen können jedoch nur einzelfallbezogen beurteilt werden. Erfolgt die Umrechnung am Abschlussstichtag mit einem höheren Umrechnungskurs in der Handelsbilanz als in der GKB, wird das Wirtschaftsgut im Einzelabschluss niedriger bewertet, sodass aktive latente Steuern entstehen. Wird indes von einem niedrigeren Umrechnungskurs im Einzelabschluss ausgegangen, liegt für das Wirtschaftsgut eine höhere handelsrechtliche Bewertung vor, die zu passiven latenten Steuern führt.

3.6. Aktive antizipative und transitorische Rechnungsabgrenzungsposten

Erträge und Aufwendungen sind nach Art. 17 RL-E in dem Steuerjahr zu erfassen, in dem sie sich ereignen, sodass an den Zahlungszeitpunkt keine Erfolgswirkung anknüpft. Demnach müsste sich im Zusammenspiel mit dem Realisationsprinzip (Art. 9 Nr. 1 RL-E), den Regelungen zur Periodenabgrenzung von Erträgen (Art. 18 RL-E) und der Entstehung abziehbarer Aufwendungen (Art. 19 RL-E) für die GKB die Notwendigkeit der Rechnungsabgrenzung ergeben, wenn zeitraumbezogene Aufwendungen bzw. Erträge und die zugehörigen Zahlungen in verschiedene Perioden fallen. Für das Disagio, der Differenz aus Erfüllungsbetrag und Auszahlungsbetrag einer Verbindlichkeit, ergäbe sich so eine zeitanteilige Aufwandsverrechnung. Rechnungsabgrenzungsposten sind gem. § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB Instrumente der periodengerechten Erfolgsermittlung des handelsrechtlichen Einzelabschlusses. Für die Posten der Rechnungsabgrenzung besteht grundsätzlich eine Ansatzpflicht. Diese ergibt sich bei den antizipativen Rechnungsabgrenzungsposten aus dem Vollständigkeitsgebot des § 246 Abs. 1 S. 1 HGB, bei den transitorischen Rechnungsabgrenzungsposten aus § 250 Abs. 1, 2 HGB. Eine Sonderform der aktiven Rechnungsabgrenzung stellt das Disagio dar, für welches im Handelsrecht in § 250 Abs. 3 HGB ein Ansatzwahlrecht gilt.

Grundsätzlich sieht die GKB eine mit dem deutschen Bilanzrecht übereinstimmende Erfassung zeitraumbezogener Leistungsbeziehungen in Form antizipativer und transitorischer Rechnungsabgrenzungsposten vor. Wird jedoch vom handelsrechtlichen Wahlrecht der sofortigen Aufwandsverrechnung des Disagios Gebrauch gemacht, liegt dem aktiven Rechnungsabgrenzungsposten in der GKB kein entsprechender Wertansatz im Einzelabschluss gegenüber. Bis zur vollständigen Auflösung des Disagios in der GKB sind daher aktive latente Steuern zu berücksichtigen.

 
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