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Start arrow Betriebswirtschaft & Management arrow Auswirkungen der GKB auf latente Steuern im handelsrechtlichen Jahresabschluss
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4.2.2. Abzinsung

Rückstellungen sind abzuzinsen, soweit die (Rest-)Laufzeit der zugrundeliegenden Verpflichtung mind. 12 Monate beträgt, Art. 25 Nr. 2 S. 2 Buchst. b und für Pensionsrückstellungen Art. 26 Abs. 2 RL-E. Da eine abweichende Regelung in Art. 25 RL-E fehlt, ist die Abzinsung entsprechend dem allgemeingeltenden Einzelbewertungsgrundsatz des Art. 9 Nr. 2 RL-E für jede Rückstellung einzeln vorzunehmen. Seit Inkrafttreten des BilMoG unterliegen Rückstellungen, deren Verpflichtungen eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr aufweisen, einem generellen Abzinsungsgebot, § 253 Abs. 2 S. 1 HGB. Die Abzinsung ist nach dem Einzelbewertungsgrundsatz vorzunehmen, weshalb für jede der Rückstellungen am Abschlussstichtag die voraussichtliche Restlaufzeit der Verpflichtung neu zu schätzen und bei der Auswahl des Diskontierungssatzes zu berücksichtigen ist. Beide Gewinnermittlungswerke sehen für Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als 12 Monaten eine Abzinsung vor, sodass die Abzinsungsbasis keine Grundlage für latente Steuern bietet.

Beide Gewinnermittlungssysteme geben den Abzinsungssatz vor. Dies ist der Objektivierung geschuldet, wodurch die Rückstellungsbewertung frei von Zufallselementen in der Zinsentwicklung bleibt. Allerdings unterscheiden sich GKB und HGB im anzuwendenden Abzinsungssatz. Als Abzinsungsfaktor verwendet die GKB den von der Europäischen Zentralbank bekanntzugebenden durchschnittlichen jährlichen Euribor-Zinssatz für Schuldtitel mit einer vorgegebenen Restlaufzeit von 12 Monaten, wobei das Kalenderjahr entscheidend ist, in dem das Steuerjahr endet. Dieser tritt zurück, sofern ein spezifisch vereinbarter Abzinsungssatz vorliegt, Art. 25 Nr. 2 S. 2 Buchst. b RL-E. Nach § 253 Abs. 2 S. 1 HGB ist im Einzelabschluss der von der Deutschen Bundesbank veröffentlichte restlaufzeitabhängige durchschnittliche Marktzinssatz der vergangenen sieben Geschäftsjahre zur Berechnung heranzuziehen. Im Vergleich der Zinssätze für das Jahr 2012 zeigt sich, dass der handelsrechtliche Rückstellungsbetrag tendenziell einer höheren Diskontierung unterliegt. Daraus folgt eine höhere Rückstellungsbewertung in der GKB, die zugleich passive latente Steuern begründet.

4.2.3. Anzusetzende Aufwendungen bei Sachleistungsverpflichtung

Welche Aufwendungen bei Sachleistungsverpflichtungen in die Rückstellungsbewertung einfließen sollen, bleibt im Richtlinienentwurf offen. Die Literatur schlägt die sinngemäße Übertragung der für die Konkretisierung der Herstellungskosten anzuwendenden Grundsätze auf die Passivseite vor. Dies entspricht der Vorgehensweise der deutschen Bilanzierungspraxis und der Konzeption der GKB, ein autonomes Regelwerk zu schaffen, welches aus sich heraus zu interpretieren ist. Insoweit ergibt sich eine Rückstellungsbewertung i.H. der Einzelkosten.

Der nach kaufmännischer Beurteilung notwendige Erfüllungsbetrag bemisst sich bei Sachleistungsverpflichtungen nach dem im Erfüllungszeitpunkt voraussichtlich aufzuwendenden Geldbetrag. Der Gläubigerschutzgedanke gebietet einen vollständigen Schuldenausweis, weshalb die Bewertung dieser Rückstellungen mit den Einzelkosten und den angemessenen Teilen der notwendigen Gemeinkosten zu erfolgen hat. Durch den Einbezug der notwendigen Gemeinkosten in die handelsrechtliche Rückstellungsbewertung ergibt sich ein niedrigerer Rückstellungswert in der GKB, der sich in Form aktiver latenter Steuern im Einzelabschluss darstellt.

 
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