Ausblick

Insgesamt zeigte sich, dass die Annahme schichtspezifisch unterschiedlicher Möglichkeitsräume in der globalisierten Welt zutrifft. Während für eine Mehrheit der Hauptschüler ein Auslandsaufenthalt, ein Auslandspraktikum oder eine Arbeit im Ausland keine realisierbare Option darstellt, sind diese Perspektiven in der Lebenswelt der Gymnasiasten fest verankert.

Wie zu erwarten tendieren Hauptschüler zu Berufen wie Trockenbauer, Mechaniker, Gesundheitsund Kinderkrankenpflegerin und Hotelfachfrau. Demgegenüber bevorzugen Gymnasiasten Berufe wie Ingenieur, Architekt, Professor, Lehrer oder Designerin. Wenig überraschend ist auch, dass der Großteil der Gymnasiasten im Gegensatz zu den Hauptschülern weniger konkrete Berufspläne hat. Die Frage nach geplanten Auslandsaufenthalten, Auslandspraktika oder einer Arbeit im Ausland versprach demgegenüber einen guten Zugang, da sie die persönlichen Zukunftsvorstellungen zu artikulieren erlaubte.

Während 19 Gymnasiasten sich einen Auslandsaufenthalt, ein Auslandspraktikum oder eine Arbeit im Ausland vorstellen können, sind es nur zehn Hauptschüler. Acht Hauptschüler können sich das im Gegensatz zu einem Gymnasiasten explizit nicht vorstellen. Jeweils drei Hauptschüler und Gymnasiasten wägen ab und sind unentschieden. Von den Schülern, die einen Auslandsaufenthalt in Betracht ziehen, hatten elf Gymnasiasten und nur vier Hauptschüler konkrete Pläne. Dabei lassen auch die Art dieser Pläne Rückschlüsse auf unterschiedliche Möglichkeitsräume der Schüler beider Schultypen zu.

Die Pläne der vier Hauptschüler, die bereits konkrete berufliche Zukunftsvorstellungen nannten, reichen von dem Wunsch, mit der Bundeswehr als Soldat „nach Amerika“ verlegt zu werden (HS04, HS05) über eine mögliche Karriere als Hotelfachmann mit dem Ziel Dubai (HS08) bis zur Eröffnung einer Cocktailbar in Miami oder Los Angeles (HS20). Die Gymnasiasten sprechen hingegen von bereits geplanten Austauschprogrammen, internationalem Studium, Work&Travel-Plänen nach dem Abitur, sowie einem Auslandsjahr in der Entwicklungshilfe. So wollte Luka (Gym02) beispielsweise zwei Tage nach dem Interview zum dreimonatigen Schüleraustausch nach Argentinien fliegen. Jannik (Gym01) kann sich auch vorstellen, im Ausland zu arbeiten. Er will nach der Schule aber zunächst ein Auslandsjahr machen – entweder in Neuseeland, Australien, Frankreich oder England. Schließlich könne „man woanders halt auch mehr erwarten“ und könne auf „Abenteuer und Herausforderungen“ hoffen. Er war auch schon viermal in Südafrika. Außerdem thematisiert er das Thema Arbeit. Für ihn scheint es ganz normal, ins Ausland zu gehen: „Ich kenne genug Leute die jetzt sagen: ‚Gut. Hast jetzt ein Jobangebot in Kanada. Kannst du ja dann mal rüber fliegen.'“ Heute sei eben „einfach alles viel offener“ geworden. (244–251)

Die Perspektive der Hauptschüler ist eine deutlich andere. So kann etwa Lennart (HS02) sich „eigentlich nicht“ vorstellen, ins Ausland zu gehen. Als Begründung führt er an, dass er „nicht wirklich gut in Fremdsprachen“ sei. Dementsprechend stellt für ihn die Schweiz die einzige mögliche Ausnahme dar. Offensichtlich war ein möglicher Auslandsaufenthalt noch kein Thema für ihn. Lennart „will eigentlich hier bleiben“. (78–95) Er stellt keine Ausnahme dar. In Bezug auf einen möglichen Auslandsaufenthalt antwortet beispielsweise Niklas (HS17) folgendermaßen. Er denkt, dass das „bestimmt schon interessant mal“ wäre und bricht den Satz mit einem „aber“ abrupt ab. Auf die weitere Nachfrage, ob er schon konkret überlegt habe, antwortet er mit „nee“. (336–340)

Wie vor diesem Hintergrund die allgemeinen Vorstellungen über die Globalisierung differieren, aber auch wo sich gemeinsame Sichtweisen zeigten, wird im Folgenden noch einmal kurz dargestellt.

 
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