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Zu den Inhalten

Ausgangspunkt der hier vorliegenden Ausarbeitung ist die Feststellung, dass in der Sozialen Arbeit die Klärung der Frage nicht abgeschlossen ist, wie eigentlich professionelle Verstehensprozesse aussehen und Fachkräfte in der Praxis zu einem sozialpädagogisch begründbaren Bild von dem kommen, was als Problem zu verstehen ist und dem entsprechend Gegenstand ihrer weiteren Bearbeitung wird. Im Anschluss an diese Einleitung wird im zweiten Kapitel die These eines Eigensinns der sozialen Arbeit entfaltet. Dieser liegt zum einen in ihrer Struktur als Handlungswissenschaft bzw. angewandter Wissenschaft begründet, wodurch sie in der Lage sein muss, ausgewählte Erkenntnisse ihrer Bezugswissenschaften ins Eigene der Theorie und Praxis Sozialer Arbeit zu integrieren. Zudem liegt dieser Eigensinn in ihrer Selbstbindung an die Perspektive ihrer Adressatinnen und Adressaten begründet, verbunden mit den großen Begriffen der Alltags- und Lebensweltorientierung und der Pflicht, die Integration auch dieser Perspektive auf

angemessene Weise vorzunehmen.

Im dritten Kapitel wird sodann, hieraus abgeleitet, begründet, dass eine in diesem Sinne eigensinnige Soziale Arbeit auch eigensinnige Verstehensverfahren entwickeln muss. Ihr interdisziplinärer und multiperspektivischer Zugang zur Realität muss sich gerade auch im Modus des Fall- und Raumverstehens zeigen, durch den es ihr möglich wird, handelnde Personen in ihrer Umwelt adäquat wahr zu nehmen. Damit verbunden ist eine Verbindung der Mikro- und Makroebene menschlichen Handelns, somit der relevant werdenden physischen und psychischen, motivationalen und kognitiven Faktoren des Handelns in ihrem Zusammenhang mit gesellschaftlichen Strukturen und Ausstattungen, die menschliches Handeln rahmen.

In einem vierten Kapitel wird sodann die Kritik, an dem Bemühen gewürdigt professionelle Verstehensprozesse in der Sozialen Arbeit einer Professionalisierung und Methodisierung zugänglich zu machen. Auch aus einigen sehr guten Gründen der Herrschaftskritik hat es sich die Soziale Arbeit in den letzten Jahrzehnten damit schwer gemacht, soziale Diagnostik handlungstheoretisch, konzeptionell und methodisch auszuarbeiten. Zugleich soll deutlich werden, dass der Verzicht auf solche selbstbindenden Handlungskonzepte und methodische Präzisierungen das Ziel zu verfehlen droht, die Adressatinnen und Adressaten Sozialer Arbeit vor professioneller Übermacht und gesellschaftlicher Klassifizierung zu schützen, stattdessen eine Verteidigung „nach vorne“ auf dem Wege der Professionalisierung erfolgen muss.

Das fünfte, verhältnismäßig umfangreiche, Kapitel und das sechste Kapitel sind sehr handlungstheoretisch ausgerichtet und enthalten den zentralen Beitrag dieses hier vorliegenden Buches, Grundelemente sozialer Diagnostik logisch zu bestimmen. Entwickelt wird ein handlungstheoretisches Mehr-Ebenen-Modell, das in die Perspektive der Sozialen Arbeit eingerückt ist. Hiermit ist das Ziel verbunden, den allgemeinen Verstehensgegenstand aller sozialen Diagnosebemühungen differenziert zu beschreiben, unter Einschluss der Mikro- und Makroebenen menschlichen Handelns und zentraler theoretischer Modelle, die in den Sozialwissenschaften im Allgemeinen und der Sozialen Arbeit im Besonderen von Bedeutung sind. Jene

„Landschaft“, die in der Sozialen Arbeit immer wieder erkundet und verstanden werden muss, wird auf diese Weise „kartografiert“. Im Anschluss werden die prinzipiellen Zugangswege zur bio-psycho-sozialen Realität entfaltet, angelehnt an die methodologischen Grundlagen der empirischen Sozialforschung. Hier soll deutlich werden, dass soziale Diagnostik als Erforschungsvorgang verstanden werden muss. Ihre konzeptionelle und methodische Ausgestaltung bewegt sich daher auf einer „Achse professionellen Verstehens“, zwischen den Polen einer notwendig dialogischen Heuristik und einer monologischen Klassifikation. Die Rechtfertigung des Verstehensvorgangs in den Formen einer rekonstruktiven Heuristik, Hermeneutik oder deduktiv nomologischen Klassifizierung muss dem entsprechend über den Verstehensgegenstand und das legitime Erkenntnisinteresse erfolgen. Das heißt, in diesen Kapiteln werden der Verstehensgegenstand handlungstheoretisch begründet und Grundsätze für sozialpädagogische Verstehensvorgänge abgeleitet, die den Anspruch haben, der Konzept- und Methodenentwicklungen sozialer Diagnostik Orientierungen bieten zu können.

Entsprechend meinen Ausführungen in Kap. 2 verstehe ich Soziale Arbeit als eine Instanz gesellschaftlicher Arbeit, die gesellschaftlich und professionell als relevant angesehene Problemlagen von handelnden Menschen zu bearbeiten hat und hierbei die Wissenschafts-und Professionstraditionen der Sozialpädagogik und Sozialarbeit zusammenfasst. Die im Text vorgenommene Nutzung des Adjektivs

„sozialpädagogisch“ bezieht sich immer auf eine Soziale Arbeit in diesem integrierten Sinne.

Danksagungen

Dieser Text wurde u. a. durch eine Forschungsförderung der „Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie“ in Hamburg ermöglicht, die mich im Wintersemester 2011 von einem Teil meiner Lehrverpflichtungen freistellte und es auf diese Weise ermöglichte, einen Grundstock für diese Ausarbeitung zu legen. Geholfen haben mir darüber hinaus interessierte Nachfragen, Anmerkungen, Kommentare und Ermutigungen verschiedener Fachkolleginnen und Fachkollegen in den vergangenen Jahren, auch Interesse und Kritik von Studierenden, insbesondere im Masterstudiengang meiner Hochschule. Danken möchte ich zudem Reinhard Giese und Peter Runde von der „Arbeitsstelle für Rehabilitations- und Präventionsforschung“ der Universität Hamburg, deren frühe Modellbildungen und handlungstheoretische Entwürfe die Ausarbeitung des in Kap. 5 vorgestellten erweiterten Mehr-Ebenen-Modells (eMEM) prägten und inspirierten. Und schließlich danke ich Hannah Salome Nauerth für ihre so sorgfältige endredaktionelle Bearbeitung dieses Textes.

 
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