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5.4.3 Exkurs zu Emotionen

Modellen mit auch wahlrationalen Entscheidungskomponenten wird immer wieder kritisch entgegengehalten, sie unterschätzten die Bedeutung von Emotionen als Faktor für die Erklärung von Handeln. Gleichzeitig wird daran gearbeitet, Emotionen in handlungstheoretische Modelle zu integrieren. Für die Indienstnahme eines handlungstheoretischen Modells im Bereich der Sozialen Arbeit ist die Erklärung dieses Faktors von besonderer Bedeutung. Daher soll er hier gesondert erläutert werden.

Esser schlägt vor, Emotionen als „elementare, mit der Erfüllung biologischer und sozialer Grundbedürfnisse zusammenhängende Zustände innerer Erregung“ zu beschreiben, „als unmittelbare und nicht kontrollierbare innere Reaktion auf bestimmte wahrgenommene Reize in der inneren Befindlichkeit oder der äußeren Umgebung eines Organismus“ (Esser 2006, S. 145). Bewusst werdende Emotionen werden als „Gefühle“ bezeichnet (vgl. Esser 2006, S. 145 f.). Gewisse Arten emotionaler Erregungen sind universell, so etwa Furcht, Ärger, Freude, Trauer.

„Ihre Bewusstwerdung über bestimmte Gefühle und ihre Modulation in „Stimmungen“ variiert aber sehr stark nach biographisch gelernten Vorgaben. Vor allem aber unterscheiden sich die Ausdrucksweisen der Emotionen nach kulturell geprägten und oft fest institutionalisierten „display rules“: in Indien wird anders getrauert als auf Sylt, aber die dahinter stehende Emotion der Trauer ist jeweils die gleiche“ (Esser 2006, S. 146).

Emotionen, im Sinne von „inneren Zuständen“, bedingen Handlungsdispositionen und können auch einen evaluativen Charakter haben. Menschen befinden sich immer in „inneren Zuständen“. Emotionen sind eine allzeit vorhandene Grundlage ihres Daseins. Diese „inneren Zustände“ beeinflussen die alltäglichen Bewertungsvorgänge im Hinblick auf die Objektwelt. Sie sind ein Faktor der fortdauernden Evaluation der Realität bzw. von Situationseinstufungen. „Sie sind immer auf ein Objekt gerichtet, sei es auf das eigene Selbst (z. B. Hunger), auf Objekte (z. B. Gier, Ekel), auf konkrete Andere (z. B. Lust oder Liebe) oder auf anonyme Kollektive (z. B. Patriotismus, Fremdenhass)“ (Schnabel 2006, S. 182). Diese „inneren Zustände“ können der kognitiven Reflexion zugänglich gemacht werden oder unbewusst bleiben und sie können wahrnehmbare körperliche Entsprechungen haben. Das unterscheidet sie von Reflexionen (keine körperlichen Entsprechungen) und Reflexen (keine kognitiven Entsprechungen).

Im Rahmen dieses Modells sind Emotionen nun zum einen zu verorten und damit operationalisierbar als „aktuelle Affekte und Gefühlslagen“, im Sinne von Webers affektualem Handeln (vgl. Weber 2003, S. 32). Sie können situationsdefinitorischen Charakter annehmen und eine Handlungssituation lebensweltlich bzw. biologisch-körperlich festlegen (im Sinne des Brückenkonzeptes I). Emotionen können aber zudem als personaler Frame wirken, als sozialisierte Dispositionen, die auf die Motivationslage (Bedarfspräferenzen), sowie die Nutzeneinschätzung eines Handelnden als Auslöser und Regulatoren einwirken und damit die subjektiven Kosten und die erwartbaren Werte mit bestimmen.

 
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