< Zurück   INHALT   Weiter >

Intermediäres Besiedlungsmanagement am Beispiel von wohnbund:consult in Wien

Manuel Hanke und Margarete Huber

1 Einleitung

In einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft, die von Vielfalt, Flexibilität und Mobilität geprägt ist, sind auch die Ansprüche in Bezug auf das Wohnen und das Wohnumfeld Veränderungen unterworfen: Unterschiedliche Lebensstile, Haushaltsformen, Brüche in Lebensbiographien schaffen neue und variable Bedürfnisse und damit eine differenzierte Nachfrage am Wohnungsmarkt.

Sozial ausbalancierte Quartiere, gute Nachbarschaft, neue Gemeinschaftlichkeit, Kommunikation zwischen den Bewohnern und Bewohnerinnen, aber auch zwischen Bewohnerschaft und Wohnbauunternehmen, die Förderung und Nutzung von „Sozialkapital“ spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle.

„Soziale Nachhaltigkeit“ lautet das Schlagwort, unter dem diese Punkte im Rahmen des geförderten Wiener Wohnbaus Eingang finden sollen.

Dieser Beitrag beschäftigt sich nach einer kurzen Einführung in die Geschichte und die Instrumente des sozialen Wiener Wohnbaus mit dem sogenannten „Besiedlungsmanagement“, das die Umsetzung der „Sozialen Nachhaltigkeit“ unterstützen und fördern soll. Nach einer Darstellung der unterschiedlichen Phasen und eingesetzten Methoden, wird das Besiedlungsmanagement an einem konkreten Wohnbauprojekt in Wien näher erläutert. Die Chancen und Herausforderungen werden am Ende des Beitrags diskutiert.

2 Geschichtliche Zusammenhänge und Entwicklung

Wien hat eine lange Tradition des sozialen Wohnbaus. Die Wohnbaupolitik des

‚Roten Wiens' in den 1920er und 1930er Jahren ist international bekannt, und die sozialen Wohnbauprojekte aus dieser Zeit sind nach wie vor Teil eines umfassenden Bestands von rund 220.000 kommunalen Wohnungen, die etwa ein Fünftel des Gesamtwohnungsbestandes von Wien ausmachen. Seit den 1950er Jahren wurde neben dem kommunalen Wohnbau der geförderte Wohnbau durch gemeinnützige Wohnbauträger zunehmend wichtig. Seit sich die Stadt Wien im Jahr 2004 mit dem letzten Gemeindebau aus dem kommunalen Wohnungsneubau zurückgezogen hat, ist der geförderte gemeinnützige Wohnbau das wichtigste Instrument, um zur Schaffung von kostengünstigem Wohnraum beizutragen. Bei der sogenannten Objektförderung werden die Grundstückskosten beziehungsweise der Bau der Wohnanlagen durch die Stadt Wien gefördert. Im Gegenzug wird die Vermietung der Wohnungen an bestimmte Bedingungen geknüpft, wie beispielsweise eine zeitlich begrenzte Deckelung der Mieten, um die Leistbarkeit der Wohnungen zu gewährleisten (Matznetter/Vorauer-Mischer 2009, Wiener Wohnen 2013, online).

Um nicht nur Leistbarkeit, sondern auch hohe Qualität zu gewährleisten, werden Wohnprojekte von einer interdisziplinären Jury aus Wohnbau, Städtebau, Architektur, Freiraumplanung, Sozialplanung Ökologie und Ökonomie auf ihre Förderungswürdigkeit überprüft und eigene „Bauträger-Wettbewerbe“ mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten durchgeführt. Ursprünglich bildeten

„Architektur“, „Ökonomie“ und „Ökologie“ die drei Qualitätssäulen für diese Bewertung. 2009 wurde durch die Einführung der vierten Qualitätssäule „Soziale Nachhaltigkeit“ sozialen und partizipativen Aspekten mehr Bedeutung bei der Beurteilung eingeräumt (wohnfonds_wien 2009).

Abb. 1: 4-Säulen-Modell der Beurteilung geförderter Wohnbauprojekte in Wien (Quelle: wohnfonds_wien 2009, Darstellung wohnbund:consult 2014)

Mit der Einführung dieser zusätzlichen Säule entstand eine Nachfrage nach neuen Konzepten im Wohnbau, die bereits während der Projektentwicklung und im Planungsprozess eine Stärkung von Selbstorganisationsstrukturen und Partizipationsprozessen ermöglichen und deren Umsetzung im Projektverlauf gewährleisten. Neben dem Wohnungsneubau gewinnt die gezielte, sozial nachhaltige Planung und partizipative Umsetzung auch im Falle von Sanierung und Stadtumbau zunehmend an Bedeutung.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >