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8 Chancen und Herausforderungen

Das „Besiedlungsmanagement“ stellt ein wichtiges Instrument bei der Umsetzung der „Sozialen Nachhaltigkeit“ im geförderten Wiener Wohnbau dar. Neben der Gewährleistung eines interdisziplinären Zugangs bereits in der Planung, bietet es auch in der Umsetzung Vorteile für die beteiligten Akteure und Akteurinnen.

Auf Seiten der Bewohner und Bewohnerinnen ist ein wesentlicher Aspekt die Vermittlung eines besseren Verständnisses für die komplexen Planungsgrundlagen der Wohnhausanlagen, besonders in Bezug auf Architektur, Frei- und Grünräume sowie die Haustechnik. Weitere Ziele des Besiedlungsmanagements sind die Bildung von Strukturen des ehrenamtlichen Engagements und der Selbstorganisation, nachbarschaftlicher Netzwerke und die Erhöhung von Sozialkapital sowie die Steigerung der Identifikation und Wohnzufriedenheit.

Die Bauträgerseite profitiert von funktionierenden Selbstorganisationsstrukturen durch höhere Wohnzufriedenheit, geringere Fluktuation, niedrigere Verwaltungs- und Hausbetreuungskosten und Imageaufwertung.

Trotz dieser positiven Aspekte ist auch eine kritische Reflexion des Instrumentes „Besiedlungsmanagement“ notwendig.

8.1 Intermediäre Rolle

Die Rolle als intermediärer Akteur zwischen Bewohnern/Bewohnerinnen, Planung und Wohnbauunternehmen ermöglicht viele Chancen in Bezug auf Kommunikation und Vermittlung unterschiedlicher Interessen und Ansprüche sowie unterschiedlicher (Fach-)Sprachen. Die Beauftragung und Finanzierung durch den Wohnbauträger macht aber auch eine kontinuierliche Reflexion dieser Interessen, der eigenen Rolle und der gesetzten Handlungen notwendig.

8.2 Kommunikation und Unternehmenskultur der Wohnbauträger

Für die Wohnbauträger stellt das Konzept des „Besiedlungsmanagements“ insofern eine Herausforderung dar, als interne und externe Kommunikationsmuster und -abläufe adaptiert werden müssen. Unternehmensintern ist eine Koordination zwischen unterschiedlichen Abteilungen (zum Teil auch zwischen unterschiedlichen Ebenen der Unternehmenshierarchie) schon von Projektbeginn an notwendig.

Die Hausverwaltungen werden teilweise vor neue Situationen gestellt. In der Auseinandersetzung mit den gebildeten Selbstorganisationsstrukturen ist eine Offenheit für sich ändernde Rahmenbedingungen im Laufe des dynamischen Prozesses notwendig. Dieser Umgang mit Unsicherheiten und das „SichEinlassen“ auf unbekannte und offene Prozesse stellt eine Herausforderung dar. Die Unterstützung der Hausverwaltungen im Rahmen des Besiedlungsmanagements ist daher wesentlich.

8.3 Einbezug verschiedener Gruppen

Eine besondere Unterstützung ist auch notwendig, um möglichst alle Bewohner und Bewohnerinnen in den Prozess miteinzubeziehen. Die Nutzung neuer Medien wie Emails oder Homepages ermöglicht eine schnelle und flexible Kommunikation im Beteiligungsprozess. Diesem Vorteil steht jedoch das Problem gegenüber, dass nach wie vor bestimmte Bevölkerungsgruppen diese neuen Medien nicht nutzen und dadurch vom Prozess ausgeschlossen werden. Hier ist darauf zu achten, dass unterschiedliche Medien und Kommunikationsmittel eingesetzt werden, um möglichst alle Zielgruppen zu erreichen.

Auch die gezielte Kommunikation mit anderssprachigen Haushalten erweist sich als grosse Herausforderung im Prozess, um zu verhindern, dass bestimmte Gruppen ausgeschlossen werden. Die Kommunikation erfolgt zum Teil in Englisch und Deutsch, die Veranstaltungen werden bisher in deutscher Sprache gehalten. Die Inhalte der Veranstaltungen sind oft sehr vielfältig und komplex, sodass gute Sprachkenntnisse vorausgesetzt werden müssen.

In dieser Richtung besteht in jedem Fall noch Bedarf, das Instrument weiterzuentwickeln, weitere Formate zu schaffen und anzubieten, die dem Ziel näherkommen, dass alle, die sich beteiligen möchten, auch die Chance dazu haben.

8.4 Ausstieg aus dem Projekt

Wesentlich ist auch, wie die Ablösung der professionellen Begleitung zum Ende des Besiedlungsmanagements hin erfolgt. Hier ist einerseits eine klare Kommunikation über das Ende des Auftrages notwendig, um Transparenz und Klarheit zu schaffen, andererseits ist es aber notwendig, den Ausstieg aus dem Projekt schrittweise zu gestalten, um weiterhin notwendige Unterstützung zu geben. Eine gute Planung und Gestaltung dieser Phase wird auch für den nachhaltigen Erfolg des Projekts als wesentlich erachtet.

9 Resümee

Das Besiedlungsmanagement stellt einen innovativen sozialorganisatorischen Ansatz im (geförderten) Wohnungsneubau dar, der zu Transparenz, Kommunikation und Partizipation in Wohnbauprojekten beiträgt. In der Auseinandersetzung mit der „Projektrealität“ ist dennoch eine laufende Reflexion, Adaptierung und Weiterentwicklung des Instruments notwendig. Nur so kann flexibel auf neue und sich ändernde Rahmenbedingungen reagiert werden und der Dynamik eines komplexen Systems wie dem Wohnbau, mit unterschiedlichen Akteuren und Akteurinnen, Interessen und Bedürfnissen, entsprochen werden.

Literaturverzeichnis

Gutmann, R. (2009). so.vie.so mitbestimmt. Ablaufschema des Mitbestimmungsprozesses. In: wohnfonds_wien (2010) (Hg.). Bauträgerwettbewerbe 2009 .Wien. S. 87.

Flade, A. (2006). Wohnen psychologisch betrachtet. Bern: Verlag Hans Huber.

Matznetter, W./Vorauer-Mischer, K. (2009). Sozialer Wohnbau. In: Fassmann, H./Hatz, G./Matznetter, W. (Hg.). Wien – Städtebauliche Strukturen und gesellschaftliche Entwicklungen. Wien: Böhlau Verlag. S. 245–269.

Wiener Wohnen (2013). Wiener Wohnen – Gemeindewohnungen. URL: wiener wohnen.at [Zugriffsdatum: 22.02.2014].

wohnfonds_wien (2009). Beurteilungsblatt 4-Säulen Modell. URL: wohnfonds.wien.at/ download/lgs/beurteilungsblatt.pdf [Zugriffsdatum: 15.01.2014].

 
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