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2.5 Identität und Gesundheit: Einige Annahmen

In der psychologischen Forschung ist es zur Bildung von Annahmen und Hypothesen immer gut, auf Theorien aufzubauen, die sich bereits bestätigt haben. Wir kombinieren hier die gerade eingeführte Theorie der sozialen Identität mit der Theorie unseres alten Bekannten Richard Lazarus – dem transaktionalen Stressmodell, das wir oben besprochen haben.

Wir haben gesehen, dass die Entstehung von Stresssymptomen angesichts von belastenden Situationen davon abhängt, wie man den Stressor bewertet. Dies geschieht einmal in der ersten Bewertung (primary appraisal) „Ist die Situation überhaupt bedrohlich für mich?“ und zum anderen in der zweiten Bewertung (secondary appraisal) „Kann ich mit der Belastung umgehen, kann ich sie bewältigen?“ Nehmen wir nun die Theorie der sozialen Identität hinzu, lassen sich diese beiden Bewertungen leicht, aber entscheidend modifizieren, wie Abb. 2.2 zeigt.

Abb. 2.2 Das erweiterte transaktionale Stressmodell

Nach dieser Theorie definieren sich Menschen in vielen Situationen nicht über ihre individuellen Eigenschaften, Stärken und Schwächen, sondern als Gruppenmitglieder; sie sehen sich dabei vor allem im Verbund und in der Beziehung zu den anderen Mitgliedern der Gruppe. Dies bedeutet, dass nicht mehr die Frage, ob der Einzelne die Situation bedrohlich findet, gestellt wird, vielmehr ändert sich die Frage zu einem „Ist die Situation für uns bedrohlich?“ Und genauso wird nicht mehr (nur) gefragt, ob „man“ als Einzelner mit der Situation umgehen kann, stattdessen fragt sich das Gruppenmitglied, ob „wir die Situation bewältigen können“. Und wir gehen davon aus, dass schon allein diese kleinere Änderung vom „ich“ zum „wir“ automatisch auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man an die soziale Unterstützung denkt, die man sich im Verbund mit den anderen Gruppenmitgliedern geben kann. Wir können also das Modell insofern erweitern, dass es zunächst davon abhängt, ob wir uns in einer bestimmten Situation als Einzelperson oder als Gruppenmitglied wahrnehmen. Nehmen wir uns als Einzelnen wahr, laufen die Bewertungsstufen (primary und secondary appraisal) ab, wie von Lazarus beschrieben. Ist aber die soziale Identität salient, d. h., spielen die Gruppenzugehörigkeiten eine Rolle, fragen wir nach dem „wir“ bei der Beurteilung der Situation, wie in Abb. 2.2 dargestellt.

 
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