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9 Hinter Schloss und Riegel: Stress und Identität im Gefängnis

Eines der bekanntesten und vielleicht auch berüchtigtsten Experimente in der Geschichte der Sozialpsychologie wurde 1971 an der Stanford University von Philip Zimbardo und seinen Kollegen durchgeführt (Haney et al. 1973). Spätestens 2001 mit dem Film „Das Experiment“ von Oliver Hirschbiegel mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle erlangte es auch breite öffentliche Aufmerksamkeit in Deutschland. Wie Stanley Milgram, der 1963 eine weitere klassische Studie der Sozialpsychologie durchführte, bei der die Versuchspersonen als Lehrer einer weiteren angeblichen Versuchsperson vermeintliche Elektroschocks zufügten (Milgram 1974), wollte auch Zimbardo zeigen, dass jeder Mensch unter bestimmten Umständen in der Lage ist, Böses zu tun. Ähnlich wie dies im Film dargestellt wird, wurden dazu gesunde Männer rekrutiert. Zunächst wurde mit Testverfahren ausgeschlossen, dass sie irgendwelche psychischen Störungen oder andere Auffälligkeiten hatten. Dann wurden sie per Zufall in zwei Gruppen geteilt, in die Gefangenen und die Wärter. Die Gefangenen bekamen dann sehr schlechte Kleidung (Kittel), während die Wärter Uniformen und Schlagstöcke bekamen. Die Gefangenen schliefen in Mehrbettzimmern auf schlechten Matratzen und bekamen einfaches Essen, während die Wärter es sich recht gut gehen ließen. Schon nach kurzer Zeit begannen die Wärter nicht nur, die Gefangenen zu kontrollieren und für Ordnung zu sorgen, wie es ihre Aufgabe war, sondern fingen an, die Gefangenen zu quälen. So ließen sie die Gefangenen lange stehen oder im Entengang laufen, sie beschimpften sie und es kam teilweise auch zu physischer Gewalt, sodass Zimbardo das Experiment schon nach sechs Tagen abbrechen musste – für zwei Wochen Dauer war es ursprünglich geplant!

9.1 Das BBC-(Gefängnis-)Experiment

Im Jahr 2000 führten Alex Haslam und Stephen Reicher gemeinsam mit der British Broadcasting Corporation (BBC) eine ähnliche Studie durch, bei der sie aber gezielt einige theoretische Annahmen der Theorie der sozialen Identität testen wollten. Im ersten Kapitel haben wir bereits einige ihrer grundlegenden Aussagen vorgestellt, diese Theorie ist aber noch etwas komplexer. Insbesondere macht sie recht genaue Vorhersagen darüber, was Mitglieder von Gruppen tun, die nicht positiv bewertet werden oder die einen niedrigen Status haben (Ellemers 1993). In Box 9.1 sind diese Vorhersagen dargestellt.

 
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