Schlussfolgerungen

Im Sinne von Thomas Meyer (2011, S. 63ff.) betrachten wir den Rechtsextremismus als eine Form des Ethno-Fundamentalismus. Rechtsextremismus ist eine militante Ideologie, die zur Grundlage von negativen Gefühlen und Gewaltbereitschaft gegenüber all jenen werden kann, die diese Ideologie nicht befürworten bzw. ablehnen.

Die Prädiktoren, also die Aussagen über die Verursachung und Entwicklung, des Rechtsextremismus sind komplex und vielfältig. Sie finden sich auf den mikro-, mesound makro-sozialen Strukturebenen; z. B. als Beschaffenheiten autoritärer Überzeugungen oder als Einfluss der medialen Berichterstattung. Entscheidend für die Wirkung dieser und anderer Prädiktoren ist aber – nach unserer Auffassung – die funktionale Passung mit der Suche, Fundierung und Stabilisierung der sozialen Identität: Sofern die entsprechenden Prädiktoren nützlich sind, um die soziale Identität der betreffenden Akteure zu stützen, haben diese Prädiktoren vermittelt über die entsprechenden Aspekte der sozialen Identität (bzw. der sozialen Identifikation mit relevanten Bezugsgruppen) auch einen fördernden Einfluss auf die Akzeptanz der fundamentalistischen Ideologie.

Das heißt, die in den diversen Studien nachgewiesenen Prädiktoren für Rechtsextremismus wirken. Ihre Wirkung wird aber nur verständlich, wenn sie im Kontext der besagten funktionalen Passung mit den Bestrebungen nach positiver sozialer Identität interpretiert werden. Mit der Kernhypothese der TIF haben wir diese funktionale Passung zu beschreiben versucht: Die soziale Identität als Identifikation mit relevanten Bezugsgruppen fungiert als Mediator zwischen den Kontextbedingungen und der fundamentalistischen Ideologie der Ungleichwertigkeit und den Gewaltpotentialen. [1]

Die diesen Analysen zugrundeliegenden Studien wurden allerdings nicht vor dem Hintergrund der TIF konzipiert. Insofern haben unsere Illustrationen auch ihre Grenzen, die sich u. a. in den Operationalisierungen der verschiedenen Prädiktoren und Mediatoren zeigen. Hier ist zukünftige Forschung gefragt.

  • [1] Inwieweit mit der fundamentalistischen Ideologie der Ungleichwertigkeit und den Gewaltpotentialen auch spezifische (negative) Intergruppen-Emotionen verknüpft sind, wie in der TIF angenommen, konnten wir auf der Grundlage der vorliegenden Sekundäranalysen nicht prüfen.
 
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